Regenbogen über Israel und Deutschland

Regenbogen über Israel und Deutschland


Die schwulen und lesbischen Communities in beiden Ländern knüpfen enge Beziehungen. Die "Regenbogenbrücke" zwischen Israel und Deutschland bringt beide Länder und ihre Menschen noch enger zusammen.

Die Idee einer Reise-Webseite für Lesben und Schwule kam Lior Gonen bei einer Reise in die deutsche Hauptstadt vor acht Jahren. „Wir sind nach Berlin geflogen, weil es als der angesagte Ort für Homosexuelle galt. Wir waren alle Globetrotter aus Tel Aviv und sehr gespannt darauf, die Hotspots der Stadt zu entdecken. Aber dann stellten wir fest, dass wir keine Ahnung hatten, wohin wir gehen sollten“, erzählt Gonen, eine der Gründerinnen der Webseite Gayway. Nach ihrer Erfahrung ist Berlin eins der weltweit populärsten Ziele für schwule und lesbische Touristen aus Israel, wenn nicht sogar die Nummer 1 der Top-Liste.

Die israelische LGBT-Gemeinde (kurz für: Lesben, Schwule, Bi- und Transsexuelle) war tatsächlich Vorreiterin der allgemeinen israelische Vorliebe für Berlin. Mittlerweile leben rund 15.000 Israelis in der deutschen Hauptstadt. Die Billigflug-Tochter der israelischen Fluglinie El Al, Up, fliegt Berlin als eines von nur fünf Zielen in Europa an. Auch wenn es Mainstream geworden ist, nach Berlin zu reisen, es bleibt ganz klar die deutsche LGBT-Hauptstadt. Nichts symbolisiert das mehr als ein Ereignis im Jahr 2001, das in einem Satz gipfelte: „Ich bin schwul – und das ist auch gut so“, sagte Klaus Wowereit auf dem SPD-Parteitag, auf dem er als Kandidat für das Amt des Regierenden Bürgermeisters nominiert wurde. Erstmals in der deutschen Geschichte outete sich ein aktiver Politiker als homosexuell.

Dabei ist Berlin nicht das einzige beliebte deutsche Ziel für LGBT-Israelis, und sie konsumieren nicht nur, sondern bringen auch etwas mit, wie etwa die DJ Michal Serr. Der Liebling der lesbischen Community in Israel ist unter anderem beim L-Beach-Festival in Norddeutschland, bei der She–La Party in München und der Lesbenparty Mermaids in Berlin aufgetreten. Dabei ist Serr nur eine von einigen DJs aus Israel, die in deutschen Clubs Platten auflegen. Trotz der Sprachbarriere kommt die Musik, die die Israelis auf die Tanzfläche bringen, beim deutschen Publikum sehr gut an, erzählt Serr. Man müsse sich nur mal anschauen, wie eine deutsche Menge zu orientalischer Musik und hebräischen Songs abtanzt und jubelt.

Dennoch bleibt Berlin für Serr etwas Besonderes. „Berlin hat etwas, das sehr offen für Anderes ist“, so ihre Erfahrung. „Die Community ist von großer Vielfalt geprägt, die es jeder Form von LGBT erlaubt, sich wohl zu fühlen.“

Der Schwul-lesbische Tourismus nach Israel hat sich in den vergangenen Jahren ebenfalls stark entwickelt. Als Teil der Zusammenarbeit mit dem israelischen Tourismusministerium und dem israelischen LGBT-Verband Aguda fand 2006 in Eilat die erste Konferenz zum Thema statt. 2009 wurde zum ersten Mal in Israel eine Konferenz des Internationalen Schwulen und Lesben-Reiseverbands (IGLTA) abgehalten. Zwei Jahre später gewann Tel Aviv bei einer Abstimmung auf der Webseite GayCities den Titel „Beste Stadt 2011“. Die jährliche Gay Pride Parade in Tel Aviv ist ein fester Veranstaltungspunkt im Kalender der Stadt geworden, ein regelrechter Feiertag. Es gibt Stimmen, die sagen, die ‘Weiße Stadt’ – wie Tel Aviv wegen seiner historischen weißen Häuser im Bauhausstil genannt wird – müsse eigentlich ‘Regenbogen-City’ heißen.

„Leute, die einmal hierher gereist sind, werden immer zu Botschaftern für Israel“, sagt Lior Gonen von Gayway Travel. „Oft ist das Staunen groß, wegen des enormen Unterschieds zwischen dem, was man im Fernsehen sieht, und dem, was man erlebt. Wer einmal hier war, kommt immer wieder.“ Nach Gonens Erfahrung ist es Schwulen und Lesben im Urlaub wichtig, sich sicher zu fühlen, wenn sie durch die Stadt laufen. Gleichzeitig wollen sie Spaß haben. „Sehr viele Mitglieder der LGBT-Community kommen als Touristen nach Israel. Ich habe selten Reiserücktritte erlebt, selbst nicht in Zeiten von bedrohter Sicherheit“, fügt Gonen hinzu. Die Tatsache, dass Israel im Nahen Osten das einzige Land ist, dass die Rechte von Homosexuellen gesetzlich verankert hat, macht es noch attraktiver, obwohl der Weg zu voller Gleichberechtigung noch weit ist.

Gemeinsame Interessen zeigen sich auch in der Welt des Films. Unter den Sponsoren des International LGBT Film Festival in Tel Aviv waren dieses Jahr wichtige deutsche kulturelle Institutionen, unter anderem die führenden LGBT-Magazine L-Mag und Siegessäule sowie das Goethe-Institut, das das Festival von Anfang an unterstützt hat. Während des Festivals wurden zwei Film-Sammlungen von den wichtigsten deutschen LGBT-Filmfestivals gezeigt: ausgewählt von den „Lesbisch Schwulen Filmtagen“ in Hamburg und „XPosed“ in Berlin.

Die Botschaft war nie lauter und nie selbstbewusster: LGBT-Touristen in beiden Ländern: Baruch Habba! Herzlich Willkommen!

 

Maayan Ben Tura, Website zu 50 Jahren diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und Deutschland

 

Link zum Thema:

 

Gleichstellung von LGBT´s in Israel:

 

Situation von LGBT´s in den von Fatah und Hamas besetzten Gebieten (sog. "Palästinensische Autonomiegebiete" PA)


Dienstag, 08 Dezember 2015