Die kriminellen Brüder Merah: Wie Frankreich seine Juden und seine übrigen Bürger im Stich ließ

Die kriminellen Brüder Merah:

Wie Frankreich seine Juden und seine übrigen Bürger im Stich ließ


Anfang November wurde Abdelkader Merah von einem französischen Gericht zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt.[1] Er wurde der kriminell-terroristischen Verschwörung für schuldig befunden.

von Dr. Manfred Gerstenfeld

 

Abdelkader hatte großen Einfluss auf seinen mörderischen Bruder Mohammed Merah gehabt. Den Hintergrund der Familie Merah zu analysieren bietet uns wichtige Einblicke in die Probleme unkontrollierter und nicht selektiver Zuwanderung von Muslimen nach Europa sowie anderer Themen, die weit über die Verbrechen der Familie Merah hinausgehen.[2]

 

Zuerst die Fakten: Im März 2012 tötete Mohammed Merah, ein in Frankreich geborener Muslim algerischer Eltern, einen jüdischen Lehrer und drei Kinder vor der jüdischen Schule Otzar haTorah in Toulouse.[3] Mehrere Tage zuvor ermordete er drei französische Soldaten. Ein paar Tage nach den Morden an der Schule wurde Merah bei einem Schusswechsel mit der französischen Polizei getötet. Es wurde festgestellt, dass er Besucher einer Al-Qaida-Hochburg in Pakistan gewesen war.[4]

 

Mohammed Merah behauptete, er sei aus Solidarität mit palästinensischen Kindern zum Mord an Juden motiviert gewesen. Danach distanzierte sich der damalige palästinensische Premierminister Salam Fayyad von Merah. Er erklärte, dass palästinensische Kinder nicht zur Legitimierung von Terror genutzt werden sollten.[5] Fayyad versäumte es zu erwähnen, dass die Palästinenser gewohnheitsmäßig ihre eigenen terroristischen Mörder israelischer Zivilisten auf viele Weisen verherrlichen.

 

Nach Angaben der französischen Tageszeitung Le Monde sagte der Vater von Merah, um die Palästinenser zu verteidigen sei er bereit zum Selbstmordbomber zu werden. Souad Merah, die älteste Schwester von Mohammed, wurde mit der Aussage zitiert, sie wolle zusammen mit ihren Kindern im Untergrund zur Selbstmordbomberin werden, weil „es nicht Unschuldige sind, die man tötet, sondern Ungläubige“. Als sie von den von Mohammed begangenen Morden erfuhr, sagte Merahs Mutter Zoulikha: „Mein Sohn hat Frankreich auf die Knie gebracht.“[6] Der aktuelle Aufenthaltsort von Souad Merah ist nicht bekannt.[7]

 

Ende 2012 veröffentlichte Mohammeds Bruder Abdelghani ein Buch mit dem Titel „Mein Bruder, der Terrorist“. Er schrieb, dass ihre Eltern sie zu fanatischen Antisemiten erzogen hatten.[8] Bei einem Vorfall stach Abdelkader auf seinen Bruder Abdelghani ein und erhielt eine Gefängnisstrafe.

 

Hätten die französischen Behörden den Hintergrund und die Einstellungen ins Land kommender Migranten überprüft, wäre den Eltern der Merahs niemals die Einreise ins Land gestattet worden. Warum sollte das demokratische Frankreich mit seiner dunklen Vichy-Vergangenheit weiteren extremen Antisemiten erlauben sich dort niederzulassen? Eine Studie der amerikanischen Anti-Defamation League (ADL) stellte fest, dass der Anteil von Antisemiten in Algerien, Tunesien und Marokko jeweils bei 87 Prozent, 86 Prozent und 80 Prozent liegen.[9] Bei derart hohen Zahlen kann man verstehen, wie die massive, unkontrollierte Zuwanderung aus muslimischen Ländern für das westeuropäische Judentum zum negativsten Ereignis der letzten fünfzig Jahre geworden ist.

 

Mohammed Merahs Morde schufen eine Verbrechenswelle durch Nachahmer. Nach Angaben der jüdischen Verteidigungsorganisation Service de Protection de la Commauté Juive (SPCJ) erlebte Frankreich 2012 im Vergleich zu 2011 eine Zunahme der antisemitischen Vorfälle von 58%. Ihr Bericht erklärte: „2012 ist ein Jahr nie dagewesener Gewalt gegen Juden in Frankreich gewesen.“[10]

 

Zu den intelligentesten Apologeten von Mohammed Merah gehörte damals Tariq Ramadan, Professor für zeitgenössische Islamstudien in Oxford und Enkel von Hassan al-Banna, dem Gründer der Muslimbruderschaft. Er wurde vor kurzem von der Universität beurlaubt, nachdem zwei Frauen ihn der Vergewaltigung beschuldigten.[11] Es lohnt sich Ramadans Technik des Reinwaschens des Mörders zu analysieren. Er begann mit der Fälschung von Mohammed Merah’s Weltanschauung. Ramadan schrieb: „Merah war ein fehlgeleiteter Junge, in dessen Denken es keine Werte des Islam oder rassistische oder antisemitische Ideen gab.“

 

Der nächste Schritt bestand darin aus Merah ein Opfer zu machen. In Ramadans Worten war Merah „ein armer Kerl, schuldig und zweifelsohne zu verurteilen, obwohl er selbst Opfer einer sozialen Ordnung war, die ihn und Millionen weitere bereits zu einer Randständigkeit und Nichtanerkennung seines Status als Bürger mit gleichen Rechten und Chancens verurteilt hatte“. Ramadan verwandelte Merah so in ein nicht rassistisches, nicht  antisemitisches Opfer der Gesellschaft, dessen Ideen nichts mit irgendeiner muslimischen Ideologie zu tun hatte.[12]

 

Der inzwischen verstorbene französische jüdische Philosoph André Glucksmann griff Ramadans Reinwaschen an. Er schrieb, man könne heute sagen: „Der Henker war ein Opfer und die Opfer sind Henker.“ Glucksmann verwies zudem auf muslimische fundamentalistische Massenmörder mit einer weit besseren Bildung, als er schrieb, dass diejenigen, die von 1992 bis 1997 in Algerien viele Menschen abgeschlachtet hatten, Abitur hatten.[13]

 

In manchen Kreisen wurde Merah ebenfalls zum Helden. Eine Lehrerin in Rouen wurde beurlaubt, nachdem sie ihre Klasse zu einer Schweigeminute für Merah aufforderte.[14] Ihre Gewerkschaft machte aus ihr daraufhin ein Opfer, indem sie sagte, sie habe „psychologische Probleme“. Eine den Mörder verherrlichende Facebook-Seite wurde auf Verlangen der französischen Behörden geschlossen.[15]

 

Seitdem sind in Frankreich weitere muslimisch-terroristische Mörder dem Beispiel Mohammed Merahs gefolgt. 2015 konzentrierten sich einige auf Juden wie bei den Hypercacher-Morden[16], während andere bestimmte französische Ziele wie die Journalisten von Charlie Hebdo angriffen.[17]Wieder andere griffen willkürlich ausgesuchte französische Ziele an, wie es bei den Morden in Paris im November 2015 und denen von Nizza 2016 der Fall war. Zunächst sah es so aus, als habe die französische Regierung mit ihrer fahrlässigen Einwanderungspolitik gegenüber Frankreichs Juden unverhältnismäßig versagt. In den letzten Jahren ist allerdings klar geworden, dass sie auch gegenüber ihren Bürgern insgesamt versagt hat.

 

[1] http://www.lefigaro.fr/langue-francaise/dossier/abdelkader-merah-juge-pour-complicite-d-assassinats

[2] theatlantic.com/international/archive/2017/11/abdelkader-merah-toulouse-terrorist-brother-trial-france/544961/

[3]http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/europe/france/9157126/Toulouse-siege-as-it-happened.html

[4]http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/europe/france/9312399/Toulouse-killer-Mohamed-Merah-was-traced-to-al-Qaeda-stronghold.html

[5] http://www.maannews.com/Content.aspx?id=469956

[6] http://www.lemonde.fr/societe/article/2017/10/19/la-famille-merah-vue-de-l-interieur_5203004_3224.html

[7] http://www.marianne.net/societe/proces-merah-la-grande-absence-de-souad-soeur-ainee-et-mentor-du-tueur-au-scooter

[8] John Lichfield: How my hate-filled family spawned Merah the Monster. The Independent, 12. November 2012.

[9] http://global100.adl.org/#map/meast

[10] JTA: Report: France saw 58% rise in anti-Semitic attacks in 2012. Jerusalem Post, 20. Februar 2013. Den französischen Text lesen Sie bitte hier:“Rapport sur l’Antisémitisme en France,” Service de Protection de la Communauté Juive (SPCJ), 2012, http://dl.antisemitisme.org/RAPPORT%202012.pdf.

[11] http://www.theguardian.com/world/2017/nov/07/oxford-university-places-tariq-ramadan-on-leave-amid-claims

[12] https://tariqramadan.com/les-enseignements-de-toulouse/

[13] André Glucksmann: Strage di Tolosa, il male esiste. Ora non sia colpevole. Corriere della Sera, 26. März 2012.

[14] “French teacher seeks ‘minute’s silence for killer,’ AFP, 24. März 2012.

[15] http://www.lemonde.fr/societe/article/2012/03/23/l-interieur-fait-fermer-une-page-d-hommage-a-mohamed-merah-sur-facebook_1674659_3224.html

[16] http://www.timesofisrael.com/bodies-of-kosher-market-victims-to-arrive-in-israel-for-burial/

[17] http://www.bbc.com/news/world-europe-30708237

 

 

Heplev - Dr. Manfred Gerstenfeld war jahrelang Direktor des Jerusalem Centers for Political Defens (JCPD), er ist Autor bei der Tageszeitung The Jerusalem Post und beim israelischen Nachrichtensender Arutz Sheva / 


Freitag, 08 Dezember 2017