Manipulation der Öffentlichkeit: Türkei gibt Richtlinien für Berichte über Krieg gegen syrische Kurden vor

Manipulation der Öffentlichkeit:

Türkei gibt Richtlinien für Berichte über Krieg gegen syrische Kurden vor


Zu Beginn der türkischen Offensive gegen kurdische Aufständische im syrischen Bezirk Afrin im Januar hielt der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim ein Morgenbriefing mit mehr als einem Dutzend Redakteure der führenden Nachrichtenorganisationen des Landes.

Berichten von dem Treffen zufolge erhielten die Journalisten dort Richtlinien für die Berichterstattung über den beginnenden Krieg. Reporter seien aufgefordert worden, ‚die nationalen Interessen der Türkei im Blick zu behalten’, so ein Teilnehmer. Berichte in den ausländischen Medien sollten mit Vorsicht betrachtet werden, da diese der ‚Terrorpropaganda’ wahrscheinlich eine Plattform bieten würden. Die Leser sollten daran erinnert werden, dass die Streitkräfte sich die größtmögliche Mühe geben würden, Zivilisten zu verschonen. Die Berichterstattung solle betonen, dass die türkischen Truppen nicht nur gegen die Kurden, sondern auch gegen den Islamischen Staat vorgehen würden (obwohl der Islamische Staat in Afrin gar nicht präsent ist).

 

Mit einigen wenigen Ausnahmen haben die türkischen Medien sich an die Empfehlungen der Regierung gehalten. Die wichtigsten Sender haben sich beim Berichten über die Zahl der eingenommenen Dörfer und der von türkischen Truppen getöteten Angehörigen der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) förmlich überschlagen. (Die Regierung verabscheut die YPG, weil sie die kurdischen Separatisten in der Türkei unterstützen.) Berichte in den Nachrichten haben in der Regel nur aus Regierungsvorgaben und Kommuniqués der Streitkräfte bestanden. Als der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan damit drohte, den anderswo in Syrien mit den Kurden eingebetteten amerikanischen Streitkräften ‚eine osmanische Ohrfeige’ zu verpassen, machten nicht weniger als 16 Zeitungen ihre erste Seite am folgenden Tag mit seinen Worten auf. Die türkische Armee behauptet, sie habe in Afrin mehr als 2000 YPG-Kämpfer ‚neutralisiert’, ohne dabei einen einzigen Zivilisten zu töten. Keine einzige Mainstream-Medienorganisation hat diese Zahlen infrage gestellt. (…)

 

Das Klima der Angst, der anhaltende Ausnahmezustand und der durch den Putschversuch ausgelöste nationalistische Eifer machen eine objektive Berichterstattung über den Krieg in Afrin unmöglich. ‚Journalisten können es nicht riskieren, kritisch zu berichten, ohne des Verrats beschuldigt zu werden’, so Erol Onderoglu, der türkische Vertreter von Reporter ohne Grenzen.

 

 

 

Übersetzt von MENA Watch - Foto: Eines von vielen Bildern, von denen die Türkei nicht will, das sie gesehen werden: Ein Junge küsst seine kleine Schwester, die Opfer des türkisch-islamistischen Überfall und Bombenterrors auf die Kurden in Afrin geworden ist (Foto: privat)


Samstag, 10 März 2018