Türkische Religionsbehörde ist zentrale Plattform des Islamismus

Türkische Religionsbehörde ist zentrale Plattform des Islamismus


Die türkische Religionsbehörde Diyanet versteht sich auf seltsame und haarsträubende Verlautbarungen.

In der Vergangenheit hat die Behörde erklärt, dass es mit dem Islam unvereinbar sei, Neujahr zu feiern, Lotto zu spielen, Hunde zu Hause zu füttern und Bitcoins zu erwerben. Männer dürften ihre Schnauzbärte nicht färben und Paare nicht Händchen halten. Allerdings können Männer sich via SMS scheiden lassen. Als Diyanet in einem Eintrag auf seiner Website Anfang des Jahres erklärte, dem islamischen Gesetz zufolge könnten Mädchen bereits im Alter von neun Jahren heiraten, gab es allerdings einen ungewöhnlich lauten Aufschrei. Manche Kritiker forderten gar die Schließung der Behörde. Diyanet beharrte dagegen darauf, es stelle die Prinzipien der islamischen Rechtsgelehrten lediglich zusammen, befürworte diese aber nicht unbedingt. In einer Predigt wurde die Kinderehe rundweg verurteilt. (Das zivilrechtliche Mindestheiratsalter in der Türkei liegt bei 18). Die umstrittene Passage wurde von der Webseite entfernt.

 

Für Diyanet-Kritiker belegt der Vorfall, der jüngste in einer ganzen Reihe derartiger Kontroversen, wie dringend die Behörde der Transformation bedarf. Im Laufe des letzten Jahrzehnts und insbesondere im Rahmen der Säuberungen seit dem Putschversuch von 2016 haben der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und seine islamistische AKP ihre Kontrolle staatlicher Institutionen intensiviert und Widerspruch innerhalb und außerhalb der Institutionen massiv erschwert. Das gilt auch für Diyanet. Einst zur Begrenzung des politischen Islam geschaffen, ist die Behörde zu einer seiner wichtigsten Plattformen geworden.

 

 

Economist - Übersetzt von MENA Watch / Foto: Logo der Diyanet


Montag, 29 Januar 2018