Staatsfunker a.D.: Mit Ken FM ins Wolkenkuckucksheim des `Antizionismus´

Staatsfunker a.D.:

Mit Ken FM ins Wolkenkuckucksheim des `Antizionismus´




Ken Jebsen, Ex-Staatsfunker bei Rot-Braun-Brandenburg (RBB), bekennender „Israel-Kritiker“ sowie Freund und Förderer der Dyslexie, hat den denkenden Teil der Menschheit mit neuen Innenansichten aus dem geschlossenen Wahnsystem beschenkt. Und da es nicht gegen das Postgeheimnis verstößt, sich aus Emails zu bedienen, die bereits irgendwo im Internet gepostet wurden, möchte ich Ihnen dieses Geschenk nicht vorenthalten, verehrte Leserinnen und Leser, und Ihnen mal zeigen, wie Ken Jebsen von innen aussieht.

von Gerrit Liskow

Doch alles hübsch der Reihe nach. Bei Ken FM handelt es sich um jenes qualitätsjournalistische Spitzenprodukt des deutschen Staatsfunks „RBB“, für das man ja mal versuchen könnte, die bereits gezahlten GEZ-Gebühren zurückzubekommen, wenn man grade nichts Besseres zu tun hat.

Nachdem aber aus Ken FM seit Herrn Jebsens Rausschmiss beim RBB, pardon: der Trennung im beiderseitigen Einvernehmen, die Luft raus sein sollte, geht es mit der vom Staatsfunk groß gemachten Querfront-Propaganda-Show auf Youtube heiter weiter; wenn über 5.000 Klicks in zwei Tagen irgendein ein Maß sind, dann zumindest nicht dafür, dass sich am sozialen Erfolg von Ken FM etwas Nennenswertes geändert hätte. http://www.youtube.com/watch?v=obRr4qoGHvk

Innenansichten aus der gefühlten "Mitte" der Gesellschaft

Seinen „politischen“ Hörerinnen und Hörern präsentiert der „journalistische“ Überzeugungstäter Ken FM Weisheiten, die wir uns erlaubt haben, an einigen Stellen zu ergänzen, damit es nicht ganz beim - orthografisch auffällig fehlerfreien - symptomatischen Selbstgespräch bleibt, das Herr Jebsen sonst mit sich und seinem Innenleben zu führen pflegt:

„Ein Aufschrei geht durch die deutsche Presselandschaft. Der Grund: Ein ziemlich harmloses Gedicht des Schriftstellers Günter Grass, in dem er eine alternative Sichtweise auf den Konflikt Israel -- Iran anbietet“ – sowie einen Haufen dummer Lügen, angefangen von der Behauptung, Israel bereite einen nuklearen Erstschlag gegen den Iran vor. Aber bei Ken Jebsen es sich eben um einen, der keiner Lüge hinterher plappern kann, ohne sie zu glauben.

„Doch wenige Stunden nach Veröffentlichung des Gedichts stand fest: Günter Grass muss ein Antisemit sein!!“ – so muss das wirken, wenn man die letzten zehn Jahre im selbstinduzierten „politischen“ Delirium beim RBB verbracht hat, da helfen auch keine zwei Ausrufezeichen um aufzuwachen; der denkende Teil der Menschheit indes war schon seit längeren im Zweifel ob des „Dichters“ Grass.

„Unzählige Personen des öffentlichen Lebens versuchten zu verhindern, dass das Gedicht ernst genommen wird. Unter ihnen auch Mitglieder der von Norman Finkelstein so titulierten "Holocaust-Industrie". Eine Vereinigung, die immer und überall Antisemitismus sieht“ – im selben Stil geht die knapp einstündige „politische“ Hasspredigt von Ken Jebsen auf Youtube dann auch weiter, und klingt wie diese hysterischen, äh: historischen Parteitagsbeschlüsse, von denen man nie genau sagen konnte, wie sie überhaupt gemeint sind - national, sozialistisch oder beides zugleich?

Man kann Ken FM vernünftiger Weise nicht kritisieren, weil die Lüge an sich bereits substanzlos ist. Man kann dieses vom Staatsfunk großgemachte „Qualitätsprodukt“ allerdings kommentieren:

Es handelt sich um eine Rede, der die frei flottierende Egophobie in Gestalt von „politischer“ Paranoia und Ressentiments derart ins Gesicht geschrieben steht, dass sie in der „alternativen Sichtweise“ des „harmlosen Gedichtes“ von Günter Grass ihr artgerechtes ideologisches Fressen notwendig finden musste. Aber Ken FM ist damit nicht allein, denn laut einer aktuellen Umfrage von Infratest (dimap) „weiß“ über die Hälfte aller Wähler/innen der „Links“-Partei: „Israel bedroht den Weltfrieden weit mehr, als der Iran“. www.welt.de

Wie immer: die Kronzeugen - *gähn

Als Kronzeugen für seine „alternative Sichtweise“ bestellt Herr Jebsen übrigens auffallend häufig die Finkelsteine und Chomskys dieser Welt (von Avraham Burg und Uri Avnery hat er wohl noch nichts gehört) sowie das „antizionistische“ Spitzenprodukt aus Deutschland, bekannt unter dem Namen „Die Tochter“.

Allesamt ausgemachte Kenner/innen der Materie, zumindest in ihrer Funktion als Juden – aber keine Sorge, verehrte Leserinnen und Leser: Es geht Ken FM bloß darum, dass „die Politik des Staates Israel vollkommen unabhängig von seiner Religion kritisiert wird“ - und nicht etwa um Antisemitismus auf der Höhe des Zeitgeists. Warum aber dennoch nur jüdische „Israel-Kritiker“ bei Ken FM eine Chance haben, auf Sendung zu gehen, bleibt mir ein Rätsel –so etwas ist doch ungerecht gegenüber den ganz anderen „Nahost Experten“ wie Michael Lüders, Ruprecht Polenz oder Wolfgang Benz…

Aus dem Auge des Betrachters

Gut, und nun also zur Sache selbst, diesem nicht nur wegen seiner leidenschaftlichen, um nicht zu sagen: verzweifelten, Rechtschreibung überaus interessanten Geschreibsel, mit dem Ken Jebsen jene Leute abservieren möchte, die ihm auf die Nerven gehen, weil sie sein „politisches“ Wahnsystem mit der Wirklichkeit konfrontieren:

wie du dir vielleicht denken kannst habe ich mich mit dem thema extrem gründlich befaßt“ – poltert der spontane Sympathieträger Jebsen gleich im ersten Halbsatz los, versucht sich also an einer Reviermarkierung auf sprachlichem Niveau: Nicht nur „gründlich“, sondern „extrem gründlich“ hat Ken Jebsen sich „befaßt“ - und nun ist sein „politisches“ Bewusstsein also nicht nur sauber, sondern rein?

Weiter geht’s mit einem Klassiker, echt und authentisch bis aufs schlechte Deutsch:  „warts du in israel ? dem libanon ? iran ? irak ? gaza ? westbank ? ich ja und was ich sehen musste hat mir die schuhe ausgezogen.“

Nun ja, da wollen wir jetzt mal nicht kleinlich sein und uns all die vielen Stempel in seinen vielen Reisepässen zeigen lassen, sonst wird Ken Jebsen womöglich beim Lügen erwischt, aber „politische“ Erweckungs- und Epiphanie-Erlebnisse dieser Art sind einschlägig bekannt, seit Norman Paech von der deutschen „Links“-Partei aus der West Bank zurück kam und „wusste“, dass er wegen dem Holocaust kein schlechtes Gewissen mehr haben muss.

Oder seit ein paar Männer der Kirche aus den „besetzten Gebieten“ zurück kamen und meinten, sie hätten „heute ein Ghetto“ gesehen; oder seit Sigmar Gabriel aus Hebron wiederkehrte, und meinte, er hätte „Apartheid“ erlebt; oder, oder, oder.

Es funktioniert so eine Reise nach Israel ganz offensichtlich wie ein „politischer“ Rohrschach-Test, denn die Befragten wähnen meist genau das gesehen zu haben, was schon vorher im Auge des Betrachters lag; was ganz nebenbei illustriert, welche Sisyphusarbeit es bedeuten würde, wenn die vom Antisemitismus objektiv Bedrohten sich dafür verwenden müssten, dass die Wahrnehmung der vom Antisemitismus subjektiv Betroffenen kuriert würde.

Ken FM als Prototyp sozialer Verhältnisse

Aus diesem Grund müsste man so etwas wie Ken FM jener Lächerlichkeit preisgeben, die es in Form seiner Inhalte und Formen über sich selbst verhängt hat, doch dazu ist Ken FM „politisch“ wiederum zu virulent, wie Herrn Jebsens putzige Email zeigt:

„israel droht dem iran mit einem nuklearen erschlag.“ (Gemeint ist vermutlich ein Erstschlag, aber Erschlag ist in diesem Zusammenhang auch ganz nett). „was soll ich da tun ? abwarten ? geht es micht nichts an ? wäre ich nicht betroffen ? bei einem atomkrieg ?“

Nun hat es bereits verschiedentlich geheißen, die Emails, die angeblich Ken Jebsen schreibt, wären in Wahrheit alle vom Mossad gefälscht um den aktuellen deutschen Antisemitismus sowie den „linken“, nationalen Sozialismus bis auf sein kochendes Blut zu blamieren, aber ich glaube das nicht.

Es sind einfach nur bis in die Rechtschreibung hinein Beweise für die „Überlegenheit“ der deutschen Bildungs-„Politik“ (denn wenn es Reichtum gibt, der arm macht, muss es ja auch Bildung geben, die blöd macht, oder etwa nicht, liebe Gewerkschaft „Erziehung und Wissenschaften“?).

Die von sich selbst gequälte Kreatur

Was Ken Jebsen von sich gibt, ist auf eine penetrante Art und Weise prototypisch für den Aufschrei jener von sich selbst gequälten Kreatur, die für ihr Leiden soziale Verhältnisse „politisch“ haftbar machen möchte.

Derlei Hirngespinste sind nicht so selten, wie zu wünschen wäre, denn die Symptomträger suchen sich meist ein soziales Umfeld, das sie bestätigt, ihnen Recht gibt, und Kognitionen wie diese in den Rang der Vernunft erhebt (nicht zuletzt darauf  basiert der relative soziale „Erfolg“ von Ken FM - vielen Dank noch mal, Rot-Braun-Brandenburg).

Es gibt diese von sich selbst gequälte Kreatur in allen sozialen Formaten, ob nun pubertär-präpotent auf Youtube oder qualitätsvoll-postpotent bei der SZ (jene Südschlesische Zeitung, die seit zwei Generationen in München erscheint). Mutige Tabubrecher sind sie allesamt, ob sie nun Ken FM oder „Dichter“ Grass heißen.

Es geht den Symptomträgern offenbar nicht um ihr eigenes Wohl, sondern des Heil der ganzen Menschheit, sonst hätten sie nämlich schon längst mal getan, was in ihrem richtig verstandenen Interesse liegt: zum Arzt gehen (die Therapie wird nämlich mit fortschreitendem Krankheitsverlauf bloß schwieriger, länger und teurer).

Die deutscheste aller Ängste: „atomkrieg“

Interessant ist nun noch die Sache mit dem „atomkrieg“, bei dem Ken Jebsen „betroffen“ wäre. Ein bisschen umständlich, aber irgendwie muss man es als Deutscher ja schaffen, sich zum Opfer der Juden, äh: der Israelis, zu machen – anders kann man sich für den Holocaust schließlich kaum so bequem und selbstgefällig rächen.

Und so „überlebt“ man in Deutschland eben seit nunmehr sechzig Jahren einen Atomkrieg, der niemals stattgefunden hat, den „Israel“ aber anzetteln würde. Ach so. Natürlich nicht das wirkliche Israel, sondern das „Israel“ dieser „politisch“ gewendeten deutschen Angst-Lust-Fantasien.

Doch Obacht, verehrte Leserinnen und Leser, Ken ist nicht etwa gegen Krieg, weil es zivilisiertere, möglicherweise sogar humanere Möglichkeiten der Konfliktbewältigung gibt – sondern weil „das abwerfen von bomben auf zivilisten ist die sprache des 20sten jahrhunderst“ wäre.

Letztlich ist Ken Jebsen also vor allem aus ästhetischen Gründen gegen den Krieg: Sowas ist veraltet, aus der Mode, sieht nicht mehr schick genug aus, zumindest nicht für so einen gewieften Kenner der Materie wie ihn; zu dieser Art von „Pazifismus“ kann man allerdings auch dann noch ja sagen, wenn man denkt, „Schöner Wohnen“ hätte etwas mit Wohnen zu tun.

Die einzigen, die von „abwerfen von bomben auf zivilisten“ träumen, scheinen indes der liebe Ken und die Seinen selbst zu sein, denn außerhalb der symptomatisch verzerrten Wirklichkeit in ihren Köpfen war lediglich die Rede von eventuellen militärischen Interventionen gegen das iranische Atomprogramm und nicht von „abwerfen von bomben auf zivilisten“.

Verdinglichtes Bewusstsein nach Maß der gesellschaftlichen Dinge

Was man nur auf eigene Gefahr machen sollte, ist, eine derartig blühende „politische“ Fantasie wie die von Ken Jebsen mit ihren inhärenten Widersprüchen zu konfrontieren (ersatzweise reicht eine Schockbehandlung durch verdrängte Fakten aus der symptomatisch verleugneten Wirklichkeit). Dann kriegt man von Ken FM nämlich so ein Ding geschrieben, das man hinterher im Internet posten kann.

Es geht im Stil ungehaltener, haltloser Hetze weiter, aber immerhin „weiß“ Ken: „ich bin absolut nicht allein.“ (Wer hätte je etwas anderes behauptet?). „hinter mir stehen X namhafte israelische journalisten und historiker“ – da sind sie wieder, die Kronzeugen, nur diesmal sind sie nicht mehr jüdisch, sondern besser gleich „israelisch“, und sie sind selbstverständlich alle einer Meinung – seiner Meinung!

Na, dann kann doch nichts mehr schief gehen mit der Weltanschauung und mit Ken FM, diesem mutigen Tabubrecher und Kämpfer für die „Meinungsfreiheit“, denn: „das wir hier in der BRD absolut einseitig über israel berichten hat mit unser geschichte und der medienkonzentration zun tun.“

Aber sicher doch: Die Medien sind gesteuert von Na-Sie-wissen schon-wem, die deutsche Geschichte hingegen ist das Werk der Juden, insbesondere dieser kleine Betriebsunfall zwischen 1933 und 1945, der dann in Auschwitz kulminiert ist – so sieht das wohl der Ken FM?

Flashback: Mein letzter Schultag

Wenn beim nächsten Mal etwas mehr Platz ist im Internet, erzähle ich Ihnen, verehrte Leserinnen und Leser, die Geschichte, wie man Mitte der 80er in Niedersachsen, also im späteren Westen des wieder „gut“ geworden Deutschlands, ein Abitur dafür bekommen konnte, wenn man „wusste“, dass der Nationalsozialismus die notwendige, logische Konsequenz der bürgerlichen Demokratie à la Weimar gewesen wäre; „denn wenn es war, dann war es auch gut“, so heißt es wohl bei Hegel?

Jaja, Sie haben richtig gehört, genau darauf lief der Geschichtsunterricht über die deutscheste aller Epochen hinaus, damals in der Oberstufe, in den Klassen 12 bis 13, und zwar an keiner Integrierten Gesamtschule (von der man ja gar nichts anderes erwartet haben würde), sondern an einem jener kreuzbraven, „neusprachlich-naturwissenschaftlichen“ Gymnasien am Stadtrand von Hannover, die glaubten, sie hätten die Eintrittskarten für die Fleischtöpfe Ägyptens in der Hand. 

Als es dann im letzten Oberstufen-Halbjahr tatsächlich noch um den Nationalsozialismus hätte gehen können, meinte die Geschichtslehrerin, sie wollte statt über „das mit den Juden“ doch lieber über die Verfolgung der Kommunisten reden, und zwar nicht die unter Hitler, sondern die unter Adenauer und Brandt, in der BRD, mit dem Lernziel: Warum die Berufsverbote keine gute Sache waren.

Sie sehen, verehrte Leserinnen und Leser: Missbrauch hat viele Gesichter.


Montag, 23 April 2012






Ken FM kann ich nur jeden vernünftigen Menschen empfehlen.



Gegen jeden vernünftigen Menschenverstand würden alle unvernünftigen Menschen es jedem vernünftigen Antisemiten empfehlen.

oder:

Ken kann dem beherrschen mit mentalem Kraft !