Raw Frand zu Parschat Dewarim: Stelle nicht zu Schau

Raw Frand zu Parschat Dewarim:

Stelle nicht zu Schau


An diesem Shabbat lasen wir die Paraschat Dewarim aus der Torah. Raw Weinmann erläutert Aspekte dieser Parascha und ihrer Bedeutung. Heute lesen Sie den ersten Kommentar zur Parascha.

Ihr habt schon lange genug dieses Gebirge umkreist, wendet Euch nun nach Norden (Zafonah)." (Dewarim 2:3)
 
Der Kli Jakar lebte in einer Zeit, in welcher die Juden mit Besitztum gesegnet waren. Der Kli Jakar war aber mit der Art und Weise, wie die Juden damit umgingen, nicht einverstanden. Er befürwortete ihre Lebensweise nicht. Er forderte deshalb die Juden auf, sich mehr diskret zu benehmen und keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen zu lassen, indem sie einen protzigen Lebensstil führen.
 
Er stützte seine Belehrung mit einer homiletischen Auslegung der Worte von Mosche Rabbejnu an das jüdische Volk. "Ihr habt schon lange genug dieses Gebirge umkreist, wendet Euch nun nach Norden (Zafonah)."  Das Wort Zafonah kann mit „das Versteckte“ übersetzt werden (wie in der Hagada von Pessach: „Zafun - der versteckte Afikoman“). Mit anderen Worten, ihr habt genug materielle Dinge, jetzt versteckt sie! Auch wenn ihr sie habt, so müsst ihr sie nicht zur Schau stellen!
 
Ejsaw hat ein langes Gedächtnis, schreibt das Kli Jakar. Immer wenn er sieht, dass Ja’akow erfolgreich ist, so glaubt er mit seinem ganzen Herzen, dass dies nur so ist, weil Ja’akow damals die „Berachot“ (Segnungen) ‚gestohlen‘ hat, die eigentlich für ihn (Ejsaw) bestimmt waren.
 
Ja’akov war sich dessen bewusst und hat sich darüber auch Sorgen gemacht. Als die Hungersnot den ganzen Nahen Osten befallen hat, waren alle Völker dazu gezwungen nach Ägypten zu ziehen, weil dies der einzige Ort war, wo es noch grosse Lebensmittelvorräte gab. Ägypten war die einzige Möglichkeit, dem Verhungern zu entkommen.
 
Ja’akows Vorratskammer war jedoch mit  so vielen Lebensmitteln gefüllt, dass seine Familie noch lange Zeit mit Nahrung eingedeckt wäre, ohne auf Ägypten angewiesen zu sein. Dennoch schickte Ja’akow seine Söhne nach Ägypten, um Lebensmittel zu einzukaufen; „Lamah Titra’u“? sagte er – „Warum zeigt ihr euch“ (Bereschit 42,1)? Gemäss Raschi war Ja’akow besorgt wegen den Nachbarn, den Nachkommen von Ejsaw und Jischmael. Warum sollten sie sehen, dass wir genug zu essen haben, während sie hungern? Es wäre töricht, so zu handeln. Darum schickte Ja’akow seine Söhne nach Ägypten, um Nahrung zu kaufen – so wie es alle anderen Völker taten. Sie sollten nicht als andersartig auffallen.
 
Das Leben in unserer westlichen Welt ist so liberal, so tolerant, dass wir dazu neigen, diese wichtige Lektion zu vergessen. Unabhängig davon, wie gut es die westliche Gesellschaft mit uns meint, wir sind dennoch im Exil. Wir leben immer noch zwischen Nichtjuden, von denen uns nicht alle so gut zugeneigt sind und uns nicht alle tolerieren. Wir müssen immer noch sehr aufpassen, wie wir mit unserem Wohlstand umgehen – mit unserem Geld, mit unseren schönen Häusern, mit unseren Autos und Kleidern. Falls wir mit Reichtum gesegnet sind, so sollte keine Begierde da sein, unsere Habe zur Schau zu stellen.
 
„Warum wollt Ihr euch zeigen“ – sagte Ja’akow – es ist brüskierend, es ist unklug, ja, es ist sogar gefährlich!

 

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Freitag, 20 Juli 2018