Kein Messi in Israel - ein antisemitischer Coup

Kein Messi in Israel - ein antisemitischer Coup


Der Präsident des palästinensischen Fußballverbands und die BDS-Bewegung haben es mit Protesten, Drohungen und Einschüchterungen gemeinsam geschafft, eine Absage des Fußballspiels zwischen Israel und Argentinien zu erreichen, das am Samstag in Jerusalem stattfinden sollte. Damit ist ihnen ein antisemitischer Coup gelungen, zumal es vonseiten des Weltfußballverbands FIFA vermutlich wie gehabt keine Konsequenzen geben wird.

Wer auch nur ein bisschen darum weiß, welche Popularität in Israel der Fußball genießt und welche Aufmerksamkeit israelische Fußballfans jenen Spitzenteams und -spielern widmen, die in den großen europäischen Ligen und bei internationalen Wettbewerben aktiv sind, der kann ermessen, welche Euphorie ein Länderspiel der argentinischen Nationalmannschaft mit all ihren Stars im jüdischen Staat auslöst. Lionel Messi einmal in einem israelischen Stadion zaubern zu sehen, ist für die fußballbegeisterten Israelis so ziemlich das Größte überhaupt. Entsprechend freuten sie sich sehr auf den kommenden Samstag, an dem die Albiceleste im Teddy-Kollek-Stadion in Jerusalem zu ihrem letzten Testmatch vor der Weltmeisterschaft in Russland auflaufen sollte. Und entsprechend groß ist nun die Enttäuschung, dass die Begegnung nicht stattfinden wird. Denn der argentinische Fußballverband hat sie kurzfristig abgesagt, nachdem es Drohungen und Proteste gab – sowohl vom Präsidenten des palästinensischen Fußballverbands, Jibril Rajoub, als auch von Aktivisten der antisemitischen BDS-Bewegung.

 

Rajoub hatte vor einigen Tagen bei einer Kundgebung vor der Vertretung des Staates Argentinien in Ramallah arabische und muslimische Fußballanhänger dazu aufgerufen, Poster und Trikots von Messi zu verbrennen, sollte dieser in Jerusalem mit von der Partie sein. Das Spiel sei keines für den Frieden, „sondern ein politisches Match, das die faschistische und rassistische Besatzung verdecken soll“, fand er. Es war beileibe nicht das erste Mal, dass Rajoub mit antiisraelischen Aktivitäten und Äußerungen auffiel. Der 65-Jährige saß wegen terroristischer Aktivitäten 17 Jahre lang in israelischen Gefängnissen, bevor ihn Jassir Arafat zum Sicherheitschef der Palästinensischen Autonomiebehörde im Westjordanland machte. Als Präsident des Fußballverbands sowie des Nationalen Olympischen Komitees der Palästinenser versucht er immer wieder, Sanktionen gegen israelische Sportverbände bis hin zu deren Ausschluss zu erwirken und internationalen Sportveranstaltungen in Israel, etwa die Fußball-Europameisterschaft der Unter-21-Jährigen im Jahr 2013, zu verhindern. Er tritt für Boykotte und eine Isolation des jüdischen Staates auf allen Ebenen ein und bedauert, dass die Palästinenser keine Atomwaffen gegen Israel einsetzen können.

 

BDS: Messi-Trikots verbrannt, Spieler bedroht

 

„Jede gemeinsame sportliche Aktivität mit dem zionistischen Feind zum Zwecke der Normalisierung ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, sagte er im September 2014, als sich israelische und palästinensische Jugendliche zu einem Fußballspiel in Südisrael trafen. Unter Rajoubs Ägide werden zudem immer wieder Klubs, Mannschaften, Wettbewerbe und Stadien nach Terroristen benannt, die Juden und Israelis getötet haben. Aus diesem Grund kündigte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) im April 2017 eine bereits zugesagte Kooperation mit dem palästinensischen Fußballverband wieder auf. Der Verbandspräsident Alfons Hörmann sagte, die Tatsache, dass palästinensische Fußballspiele „zum Teil in Sportstätten stattfinden, die nach Terroristen benannt sind“, sei „für uns im DOSB und für mich als Präsident schlichtweg nicht akzeptabel“.

Deshalb wolle man daran „weder in irgendeiner Form beteiligt oder gar federführend sein“.

 

Rajoubs jüngster Aufruf, Trikots und Poster von Lionel Messi zu verbrennen, fand den zu erwartenden Widerhall bei der BDS-Bewegung, die einen Boykott und Sanktionen gegen den jüdischen Staat fordert. In Barcelona, wo sich die argentinische Auswahlmannschaft derzeit auf die WM vorbereitet, zogen BDS-Aktivisten zum Trainingslager der Albiceleste und setzten dort tatsächlich Leibchen mit der Rückennummer und dem Namen des beim FC Barcelona spielenden Superstars in Brand. Außerdem präsentierten sie blutverschmierte Fußballhemden, die die angeblichen israelischen Verbrechen an den Palästinensern symbolisieren sollten. Doch damit nicht genug: Berichten argentinischer Medien sowie Äußerungen eines argentinischen Verbandsfunktionärs zufolge wurden Spieler und ihre Familien massiv bedroht. Darüber hinaus kündigte der palästinensische Verband an, eine „weltweite Kampagne“ gegen die Bewerbung Argentiniens zur Durchführung der WM 2030 zu beginnen, sollte das Team in Jerusalem antreten. Der argentinische Verband sagte das Gastspiel in Israel schließlich ab.

 

Keine Konsequenzen durch die FIFA zu erwarten

 

Die israelische Botschaft in Buenos Aires bedauerte diesen Schritt. „Die Drohungen und Provokationen sowie die Angst gehören zum Alltag der Zivilbevölkerung in Israel, unsere Sportler waren schon oft Ziel von Gewalt und Anschlägen“, schrieb die diplomatische Vertretung auf Twitter. Der Vertreter der Palästinenser in Argentinien sagte dagegen, es sei „inakzeptabel“, ein solches Spiel in Jerusalem auszutragen, schließlich handle es sich um „besetztes Gebiet“. Eine bezeichnende Äußerung, nicht zuletzt angesichts der Tatsache, dass sich das Teddy-Kollek-Stadion im Westteil der Stadt befindet, den nur jene als „besetzt“ betrachten, die den gesamten jüdischen Staat für eine einzige illegale Siedlung halten und von einer Kein-Staat-Israel-Lösung träumen, also von einem Palästina vom Jordan bis zum Mittelmeer. Jibril Rajoub frohlockte: „Der Sport hat heute triumphiert, und Israel wurde durch die Absage des Spiels die rote Karte ins Gesicht gehalten.“

 

„Natürlich, Sicherheitsbedenken können die Absage einer Veranstaltung wie des Länderspiels in Jerusalem begründen“, schreibt Michael Vosatka in einem lesenswerten Kommentar für den Standard. „Doch den Preis dafür dürfen nicht die Opfer der Gewalt zahlen. Im Gegenteil, die Konsequenzen müssen Hassprediger wie Rajoub tragen.“ Aber genau das werde nicht geschehen, prophezeit Vosatka zu Recht: „Die großen internationalen Verbände wie die FIFA und das IOC schweigen beharrlich zu antisemitischen und antiisraelischen Tiraden von Funktionären wie Rajoub. Der offene Boykott israelischer Sportler durch Verbände islamischer Länder, wie er immer wieder bei internationalen Wettbewerben wie Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen stattfindet, bleibt folgenlos.“ Deshalb sei es „zu bezweifeln, dass die FIFA tätig wird und Rajoub oder den palästinensischen Verband sanktioniert“.

 

Doch auch für die BDS-Bewegung ist die Spielabsage ein immenser propagandistischer Erfolg. Mit ihren üblichen Mitteln der Drohung und Einschüchterung hat sie es geschafft, die Partie in Jerusalem zu verhindern. Es ist ein antisemitischer Coup, den sie gemeinsam mit einem antisemitischen Fußballfunktionär erringen konnte – weil dem argentinischen Verband die Angelegenheit zu heiß wurde. Eine Tatsache, die der israelische Staatspräsident Reuven Rivlin kritisierte: „Sogar in den schwersten Zeiten haben wir jeden Aufwand betrieben, um jegliche Erwägungen, die nicht rein sportlich sind, abseits des Spielfeldes zu lassen“, sagte er. Und weiter: „Es ist bedauerlich, dass das argentinische Team es nicht geschafft hat, dies in diesem Fall zu tun.“

 

 

Lizas Welt - Foto: Palästinensisches Straßenplakat in Jerusalem, Juni 2018.


Dienstag, 12 Juni 2018