Israel wird weiterhin von Frankreich diffamiert

Israel wird weiterhin von Frankreich diffamiert


Die Beziehungen zwischen Frankreich und Israel sind seit Jahrzehnten ambivalent und komplex gewesen. Zu den bekanntesten gehören die, bei denen die französische Regierung Israel schlecht machte. Präsident Emanuel Macron scheint ein neuer Typ Franzose zu sein. Er erreichte den Präsidentenposten ohne durch die Ränge einer bestehenden politischen Partei marschiert zu sein. Er ist ein charmanter, intelligenter Politiker mit einer ausgezeichneten Ausbildung, einer internationalen Einstellung und guter Öffentlichkeitsarbeit.

Von Dr. Manfred Gerstenfeld

 

Eine Analyse muss sich allerdings auf Fakten konzentrieren, nicht auf Verpackungen. Ein guter Ausgangspunkt sind die französischen Reaktionen auf die jüngste Gewalt an der Grenze zum Gazastreifen. Als der israelische Premierminister Netanyahu sich im April in Paris mit Macron traf, sagte ihm der französische Präsident, der Umzug der US-Botschaft nach Jerusalem „führte dazu, dass Menschen sterben und brachte den Frieden nicht voran“.[1] Mit dieser durchsichtig manipulativen Äußerung zeigte Macron sein Können darin die Wahrheit mit wenigen Worten zu entstellen. Die Gewalt war durch die Initiative der Terrororganisation Hamas provoziert worden, die Zivilisten an die Grenze schickte und Terroristen unter sie mischte. Von den mehr als 115 von Israel getöteten Gaza-Arabern waren etwa die Hälfte bestätigte Terroristen.[2] Die Hamas selbst bestätigte, dass viele der Getöteten Terroristen waren.[3]

 

Frankreich unterstützte zudem eine Resolution des UNO-Sicherheitsrats, die Schutzmaßnahmen für Palästinenser forderte, aber die Hamas nicht erwähnte. Der stellvertretende israelische Minister Michael Oren fasste seine Antwort in einem Tweet zusammen: „Schande über Frankreich, dass es sie unterstützt. Die französische Regierung kann nicht sagen sie sei gegen Antisemitismus und für diese antisemitische Resolution stimmen.“ Frankreichs Botschafterin in Israel, Hélène Le Gal, beschuldigte Oren die Resolution nicht einmal gelesen zu haben und „Frankreich zu beleidigen“.[4]

 

Es gibt viele weitere Beispiele für die wahren Aussagen, die französische Diplomaten beleidigend finden könnten. Das macht sie nicht weniger korrekt. Der französische Präsident François Mitterand zum Beispiel war Teilzeit-Antisemit. Er setzte Israel einmal dem Nazistaat gleich. Er hatte eine dubiose Vergangenheit und arbeitete während des Krieges für die kollaborierende Vichy-Regierung, schloss sich aber später der Résistance an.[5]

Während der Gewalt vom April drängte Frankreich Israel „Zurückhaltung zu zeigen“ und sagte Israel, es sei „seine Pflicht Zivilisten zu schützen“.[6][7] Sein Sprecher wusste genau, dass die Hamas Terroristen losschickte, um sich unter die Zivilisten zu mischen und dass viele zivile Demonstranten keine friedlichen Absichten hatten. Dieses französische Verhalten war angesichts der vielen tödlichen Terroranschläge durch Araber im eigenen Land besonders scheinheilig. Der tödlichste davon fand 2015 in Paris statt und hatte 130 Tote zur Folge. 2016 wurden in Nizza 86 Menschen getötet.

 

Als der IDF-Sprecher, Brigadegeneral Ronen Manelis, im Juli mit französischen Parlamentariern sprach, erinnerte er sie daran, dass französische Spenden zusammen mit denen anderer Länder der Hamas geholfen haben ihre Terrorressourcen aufzubauen.[8]

 

Französische Reaktionen auf die Gewalt am Gazastreifen sind tief in der Geschichte verwurzelt. 2008 veröffentlichte David Pryce-Jones sein Buch Betrayal: France, the Arabs and the Jews.[9] Er hatte Zugang zu den Archiven des französischen Außenministeriums, das besser als Quay d’Orsay bekannt ist. Seine Schlüsse können so zusammengefasst werden: Frankreich hat die moderne Geschichte hindurch im Nahen Osten mehr Schaden angerichtet als jedes andere Land.

 

Gegen Ende der Präsidentschaft Sarkozy kam ein ehemaliges Mitglied seiner engsten Mitarbeiter zu mir und sagte, es sei für sie extrem schwierig die Beamten des Außenministeriums zu kontrollieren. Und das trotz der Tatsache, dass der Präsident für die Außenpolitik zuständig ist.

 

Frankreichs Reaktion auf die Gewalt am Gazastreifen erinnerte mich an den Besuch einer Konferenz in Paris im Herbst 1961, ein paar Wochen, nachdem Polizisten am 17. Oktober in der Hauptstadt geschätzte 150 bis 200 nicht gewalttätige algerische Demonstranten ermordet hatten. Einige der Leichen wurden in der Seine gefunden. Historiker haben dies die gewalttätigste Unterdrückung einer Demonstration durch einen westeuropäischen Staat in der aktuellen Geschichte bezeichnet.[10] Nach mehr als fünfzig Jahren Regierungsschweigen gestand 2012 der damalige Präsident François Hollande endlich die Morde ein.[11]

 

Der Mann, der das Massaker befahl, war der Polizeichef von Paris, Maurice Papon. Er wurde 1998 der Verbrechen gegen die Menschheit für schuldig befunden, aber nicht wegen dieses speziellen Massakers. Papon wurde für schuldig befunden im Zweiten Weltkrieg am Transfer von mehr als 1.600 Juden in Konzentrationslager mitgewirkt zu haben. Damals war er für die kollaborierende Vichy-Regierung Generalsekretär der Polizei von Bordeaux. Gegen ihn wurde eine zehnjährige Gefängnisstrafe verhängt, von der er nur drei Jahre absaß.[12]

Die öffentliche Aufmerksamkeit zu diesem Massaker war beträchtlich. Macron und diejenigen, die die Verurteilungen Israels ausgeben, müssen viele Details dieses Massenmordes durch die Pariser Polizei gekannt haben.

 

Es gibt weitere Aspekte, die beachtet werden sollten, wenn man die französischen Diffamierungsäußerungen zu Israel bewertet. Frankreich ist das für Juden gefährlichste Land Europas. In erster Linie liegt das an der starken Einwanderung aus muslimischen Ländern in der Vergangenheit; in denen der Anteil an Antisemiten zu den höchsten der Welt gehört. Von den fünfzehn aus ideologischen Gründen in Europa getöteten Juden – bei denen die Täter, allesamt Muslime, bekannt sind – wurden zwölf bei sechs Anschlägen in Frankreich ermordet.[13] Die beiden Massenattacken  gewalttätiger Muslime auf Synagogen in der EU wurden beide in Frankreich begangen, in Paris und Sarcelles.[14][15] Viele weitere Verbrechen mit antisemitischen Motiven sind von Mitgliedern der muslimischen Gemeinschaft verübt worden.[16]

 

Als Folge davaon haben jüdische Leiter kein Gesamtkonzept für die Zukunft ihrer Gemeinschaft. In absoluten Begriffen, aber auch prozentual ist Frankreich das europäische Land mit der größten Zahl an im aktuellen Jahrhundert auswandernden Juden.

 

Die regelmäßige Bloßstellung der fortgesetzten, scheinheiligen Verleumdung Israels und des zweierlei Maßes seitens Frankreich wird das wahrscheinlich nicht aufhalten können, aber es könnte es für die Verleumder weniger lohnenswert machen.

 

[1] www.haaretz.com/israel-news/watch-netanyahu-and-macron-give-statements-after-meeting-in-paris-1.6153497

[2] http://www.timesofisrael.com/idf-spokesman-to-french-mps-hamas-is-spending-your-money-on-terror

[3] http://www.timesofisrael.com/hamas-official-50-of-the-people-killed-in-gaza-riots-were-members/

[4] http://www.timesofisrael.com/michael-oren-french-envoy-in-twitter-spat-over-un-gaza-vote/

[5] Pierre Péan: Une Jeunesse Française: François Mitterrand. (Paris: Fayard, 1994).

[6] http://www.haaretz.com/world-news/europe/.premium-france-urges-israel-after-gaza-border-deaths-to-show-restraint-1.5973351

[7] http://www.reuters.com/article/us-israel-usa-diplomacy-france/france-tells-israel-to-show-restraint-disapproves-of-u-s-embassy-move-idUSKCN1IF1ZG

[8] http://www.timesofisrael.com/idf-spokesman-to-french-mps-hamas-is-spending-your-money-on-terror/

[9] Verrat: Frankreich, die Araber und die Juden. – David Pryce-Jones: Betrayal: France, the Arabs and the Jews. (New York: Encounter Books 2006.)

[10] www.lemonde.fr/cinema/article/2011/10/14/octobre-a-paris-et-ici-on-noie-les-algeriens-le-17-octobre-1961-la-justice-se-noya-dans-la-seine_1587857_3476.html; http://www.lemonde.fr/societe/article/2011/10/17/17-octobre-1961-ce-massacre-a-ete-occulte-de-la-memoire-collective_1586418_3224.html

[11] http://www.reuters.com/article/us-france-algeria/frances-hollande-acknowledges-1961-massacre-of-algerians-idUSBRE89G1NB20121017

[12] http://www.nytimes.com/2007/02/18/world/europe/18papon.html

[13] Manfred Gerstenfeld: War of a Million Cuts The Struggle Against the Delegitimization of Israel and the Jews, and the Growth of New Anti-Semitism. Jerusalem (JCPA) 2015, S. 163.

[14] http://www.france24.com/fr/20140716-emeutes-rue-roquette-synagogue-paris-antisemitisme-conflit-isra%C3%A9lo-palestinien

[15] http://www.huffingtonpost.co.uk/2014/07/22/france-jewish-shops-riot_n_5608612.html

[16] http://www.timesofisrael.com/topic/anti-semitism-in-france/

 

Heplev - Dr. Manfred Gerstenfeld war jahrelang Direktor des Jerusalem Centers for Political Defense (JCPD) und ist regelmäßiger Autor von Kommentaren und Analysen in der Jerusalem Post sowie beim israelischen Nachrichtensender Arutz Sheva.


Dienstag, 04 September 2018