Boykottaufruf gegen eine Friedensdemo

Boykottaufruf gegen eine Friedensdemo


Im Jahr 1955 wurde der Eurovision Song Contest ins Leben gerufen. Zehn Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg kamen ein paar Menschen auf die Idee, einen Wettbewerb zu veranstalten, bei dem sich die Länder, die noch vor kurzem im Krieg miteinander lagen, statt Bomben nun Lieder um die Ohren hauen sollten. Länder, die sich einst bekriegten, schoben sich von dem Zeitpunkt an Punkte fürs Singen zu.

Boykottaufruf gegen eine Friedensdemo

Von Gerd Buurmann

 

Das Jahr 1955 war das zehnte Jahr nach dem Ende großen Katastrophe, in der Bürgerinnen und Bürger des Deutschen Reichs versucht hatten, alle Juden weltweit zu vernichten. Europa versagte damals größtenteils kläglich und rettete die Juden nicht vor der Vernichtung. Sechs Millionen Juden wurden im Zuge des deutschen Wahns ermordet, besonders im Osten Europas. In der Stadt Vilnius in Litauen zum Beispiel waren Juden, bevor die Nationalsozialisten kamen, mit über 40% die größte Bevölkerungsgruppe der Stadt. Vilnius war das Jerusalem des Nordens. Heute leben kaum noch Juden in Litauen. Der Hass aus Deutschland tötete sie oder zwang sie zur Flucht.

 

Im Jahr 1973 nahm Israel das erste Mal beim Eurovision Song Contest teil. Bereits fünf Jahre später gewann Israel zum ersten Mal den Wettbewerb. Im darauffolgenden Jahr fand der Eurovision Song Contest daher in Israel statt. Der Austragungsort war Jerusalem. Israel gewann erneut, entschied sich aber aus finanziellen Gründen dazu, den Wettbewerb nicht erneut auszutragen. Im Jahr 1998 gewann Israel zum dritten Mal und zwar mit einer transsexuellen Frau. Es war das erste Mal in der Geschichte des Wettbewerbs, dass ein transsexuellen Mensch den Eurovision Song Contest gewann. Israel macht es möglich. Ein Jahr später fand der Wettbewerb daher wieder in Israel statt. Wieder war der Austragungsort Jerusalem. Im Jahr 2018 gewann Israel erneut. Es ist somit sehr wahrscheinlich, dass der Eurovision Song Contest im Jahr 2019 wieder in Israel stattfinden wird. Allerdings haben ein paar Europäer damit ein Problem.

 

Für die Schauspielerin Julie Christie, die Autorin Caryl Churchill, den Komponisten Brian Eno, den Filmemacher Ken Loach, den Musiker Roger Waters und einige andere Gestalten ist der Gedanke unerträglich, in dem einzigen Land der Welt aufzutreten, in dem Juden in der Mehrheit sind. Sie rufen dazu auf, den Eurovision Song Contest in Israel zu boykottieren.

 

Sie rufen dazu auf, eine Friedensdemonstration zu boykottieren, die aus den Erfahrungen zweier Weltkriege resultiert ist und diesmal in einem Land stattfindet, in dem genau das Volk in der Mehrheit ist, das vor über achtzig Jahren in Europa beinahe vollkommen vernichtet worden wäre. Sie behaupten, es ginge ihnen um die sogenannten Palästinenser, aber das stimmt nicht, denn dann würden sie nicht den Eurovision Song Contest boykottieren, vor allem deswegen nicht, weil die Frau, die letztes Jahr den Wettbewerb für Israel gewonnen hat, eine erklärte Advokatin für Frieden, Freiheit, Respekt und Gleichberechtigung ist. Ihr Name ist Netta Barzilai und sie ist erklärte Feministin, Aktivistin für die Gleichberechtigung von Homosexuellen und Kämpferin für einen Frieden im Nahen Osten.

 

In Israel lebt sie mit über 1,694,000 Muslimen zusammen, die wiederum friedlich mit über sechs Millionen Juden zusammenleben. Es ist genau dieses Land, das boykottiert werden soll.

 

In Israel sind Muslime die Nachbarn von Juden. Sie sind ihre Arbeitskollegen, Lehrerinnen, Anwälte, Richterinnen, Abgeordnete, Polizisten, Feuerwehrmänner, Soldatinnen, Köche, Sexualpartner und vieles, vieles mehr. Sie lachen, leben, essen, weinen und streiten zusammen. Sie leben miteinander und teilen sich die selbe Heimat. Sie sind gemeinsam in Treue verbunden mit den Bäumen, Flüssen, Bergen, Meeren, Seen, Städten, Dörfern und Wüsten ihrer Heimat, die sie oft in ihre Gebete einschließen. Sie sind eine Familie! Manche sind entfernte Verwandte, andere wiederum frisch nah Vertraute. All diese 1,694,000 Muslime, die friedlich mit Juden zusammenleben, werden von diesem Boykott diskriminiert.

 

Stattdessen werden die Muslime bestärkt, die Juden hassen und in Gebieten leben, wo Juden vertrieben wurden. Die Gründungscharta der im Gazastreifen herrschenden Hamas zum Beispiel fordert die Vernichtung des ganzen jüdischen Volkes (Artikel 7). Minister der Hamas rufen zur Vernichtung aller Juden auf, die sie öffentlich, auf Plätzen, in Moscheen und im Fernsehen, als Ungeziefer und Bakterien bezeichnen, deren Kehlen durchgeschnitten und Familien ermordet gehören.

 

Diese Menschen, die Juden heute so hassen wie die Nazis damals, werden von Roger Waters, Caryl Churchill und all den anderen Gestalten unterstützt. Caryl Churchill ist bekannt für ihren Groll gegen das jüdische Land.

Im April 2012 fand im Londoner Globe Theatre das Festival „Globe to globe – 37 languages, 37 plays“ statt. Bei dem Festival wurden 37 Nationen Inszenierungen von Shakespeares Dramen in ihren Landessprachen präsentiert. Das Globe Theatre erklärte, bei dem Festival handle es sich um eine „Feier von Sprachen, nicht um eine Feier von Nationen und Staaten“. Caryl Churchill sprach sich damals dafür aus, das israelische Ensemble von der Bühne des Globe Theatre zu verweisen. Sie sprach sich nicht gegen Russland, China, Weißrussland und der Palästinensischen Autonomiebehörde aus, die allesamt am Festival teilnahmen, sondern ausschließlich gegen Israel.

 

Auch Roger Waters Hass auf Israel ist legendär. Er ist brüllender Unterstützer der Hetzkampagne BDS. Der Name BDS steht für „Boycott, Divestment and Sanctions“. BDS wendet sich gegen ganz Israel und kulturell gegen alles, was israelisch ist. Die Politik von BDS lässt sich auf diese Formeln bringen:

„Kauft nicht bei Israelis!“


„Israel ist unser Unglück!“


„Kein Dialog mit Israel!“

 

Mit einer Person, die man boykottiert und mit der man nicht redet, kann man keinen Frieden schließen. BDS will keinen Frieden!

 

Alle 1,694,000 Muslime, die in Frieden, Nachbarschaft, Gleichberechtigung, Toleranz und Respekt mit Juden leben, sind Israelis und somit auch Ziel der Diskrimierung von BDS. Die Kampagne fordert dazu auf, diese Muslime zu boykottieren und zu bestrafen (sanktionieren), sowie jede Form der Unterstützung mit diesen Muslimen zu kappen (Divestment).

 

BDS fordert dazu auf, Muslime, die friedlich mit Juden zusammenleben, so zu behandeln, wie Juden von Judenhassern behandelt werden.

 

Israel ist das einzige Land im ganzen Nahen Osten, in dem das Volk seine Regierung wählen und vor allem abwählen kann. Gegen diese Demokratie hetzt BDS.

 

Mahmud Abbas wurde zwar 2005 Präsident der palästinensischen Autonomiebehörde, aber seine Legislaturperiode endete am 9. Januar 2009. Seitdem hält er sich ohne Legitimation an der Macht. BDS schweigt dazu! Jordanien ist eine Monarchie mit dem Islam als Staatsreligion und der Scharia als Gesetz. Alle Palästinenser, die nicht dem Islam angehören, sind in Jordanien Bürger zweiter Klasse. BDS schweigt! In Syrien sind alle Palästinenser entrechtet und werden in Lager gesperrt. Im Januar 2014 kesselt die syrische Armee Palästinenser in einem Lager ein und lies sie dort verhungern. BDS schweigt!

 

BDS richtet sich ausschließlich gegen Israel und somit auch gegen die dort lebenden Muslime, die in Frieden mit Juden leben.

 

Ein Judenhasser kritisiert an Juden Dinge, die er bei Nicht-Juden durchgehen lässt. BDS tut genau das. BDS schweigt zu sämtlichen barbarischen Unmenschlichkeiten der Welt, kritisiert aber Israel, weil das Land nicht perfekt ist. Für BDS muss Israel übermenschlich sein, um existieren zu dürfen. Für den Rest der Menschheit reicht es, menschlich zu sein. Ein israelischer Politiker wird bereits verteufelt, wenn er kein Heiliger ist. Ein arabischer Politiker jedoch wird schon zum Heiligen erklärt, wenn er kein Teufel ist. Dieser Hass gibt Milliarden aus, um Juden zu finden, die nicht perfekt sind, nur um dann rufen zu können: Seht her, die Juden!

Dabei ist Israel das einzige Land, das trotz des seit 1948 anhaltenden Krieges, den die Gegner Israels in der Absicht führen, das ganze Land mitsamt seiner Bevölkerung vollkommen auszulöschen, an sämtlichen Grundprinzipien einer demokratisch verfassten Gesellschaft festgehalten hat. Das ist einmalig in der Geschichte.

Israel ist zwar nicht perfekt, aber es gibt kein Land, das es bei vergleichbarer Gefahr besser macht. BDS reicht das nicht. Nur ein perfekter Jude ist ein guter Jude und nur die guten Juden dürfen bleiben! Das ist die Kampagne des Hasses, für die BDS steht.

 

Sie boykottieren das Land, das beschlossen hat, staatliche Krankenhäuser mit Gebetsräumen für alle Religionen ausstatten zu lassen, nachdem ein Muslim erfolgreich beim Obersten Justizgerichtshof des Landes geklagt hatte, weil er vor einer Klinik in Tel Aviv im Freien beten musste. Juden im Gaza-Streifen, in Algerien, Saudi-Arabien, Jordanien und Libyen haben keinen eigenen Gebetsraum in Krankenhäusern, sie haben nicht mal eine Aufenthaltserlaubnis dort. In diesen Regionen ist es verboten, Jude zu sein. Die Länder sind allesamt „judenrein“!

 

Der Boykott richtet sich gegen das Land, in dem die damals 19-jährige Araberin aus der nördlichen Hafenstadt Akko, Lina Mahul, die israelische Ausgabe von „The Voice“ gewann.

 

Im israelischen Fernsehen wurde vor einiger Zeit ein Test mit versteckter Kamera unternommen, um zu schauen, wie die Menschen in Israel auf Diskriminierung reagieren. Ein Tankstellenverkäufer, weigerte sich, Araber zu bedienen. Die Gäste reagierten wie folgt:

 

 

Gegen diese Menschen richtet sich der Boykott und somit gegen das einzige Land im Nahen Osten, in dem die Menschen in einer Demokratie leben, die es ihnen erlaubt, schwul oder lesbisch zu sein. Sie haben die gleichen Rechte, wie alle anderen Bürgerinnen und Bürger des Landes, unabhängig von ihrem Geschlecht und ihrer Hautfarbe.

 

Genau für diese Rechte steht auch der Eurovision Song Contest. Wer ihn boykottiert, boykottiert eine Friedensdemonstration.

 

Caryl Churchill, Roger Waters und all den anderen Gestalten geht es nicht um Frieden und Gerechtigkeit. Sie werden vielmehr von genau dem Hass angetrieben, der Europa schon mal ins Verderben getrieben hat.

Und es geht ihnen auch nicht um die sogenannten Palästinenser. Sonst würden sie nicht jene Mörder unterstützen, die sich heute stolz in die Tradition der Nazis stellen und ihr eigenes Volk als Geisel des Judenhass nehmen.

 

 

Tapfer im Nirgendwo


Montag, 10 September 2018






Ganz richtig beschrieben Gerd Buurmann, genauso ist die Realität. Aber auch die deutsche Realität muss man ganz genau betrachten, hier ist die "2Staaten für 2 Völker"-Ideologie Grundlage. Warum fragt kein Journalist was Angela Merkel mit den Arabern in Israel und mit den Juden in "Palästina" anfangen will wenn es wirklich zu so einer Trennung kommen soll? Wieviel gedanklichen Abstand hat AM denn zu Roger Waters?


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