Türkei greift Jesiden/Eziden an: Shingal - der Völkermord geht weiter

Türkei greift Jesiden/Eziden an:

Shingal - der Völkermord geht weiter


Seit einem Tag gibt es massive Angriffe türkischer Truppen auf den Raum des Singalgebirges auch Sindschar genannt. Das ist eine Stadt und ein Distrikt und eine gleichnamige Gebirgsformation im Nordosten des gegenwärtigen Irak.

Von Torsten Kurschus

 

Dort rettete 1915 der êzîdische Stammesführer Hemoyê Shero 1915 20.000 Christen vor den Türken. Jetzt geht das Massaker, das damals begann und 2014 wiederum zu einem dramatischen Höhepunkt kam in eine neue unmenschliche Dimension. Nach Angaben der YPG stehen Infanterieeinheiten, mehrere Panzer- Bataillone, Raketenkräfte unterstützt von der Luftwaffe in der Größe einer Division (ca. 12.000 Mann) vor Singal.  


Der türkisch-islamistisch-nationalsozialistische Machthaber Erdogan kann seinen Krieg gegen das von ihm völkerrechtlich besetzte Afrin nicht fortsetzen, da er dort nun direkt syrischen Truppen gegenübersteht, was Syrien nicht tolerieren kann und die Russen wieder auf den Plan rufen wird, wenn es brennt. Im Irak, der zu seinen islamistischen Begehrlichkeiten gehört findet er wenig Gegenwind, da das Land zu schwach ist und die Nato nicht entschieden bremst.
Europa und Deutschland sind wieder ein Totalausfall. Sie verstehen offensichtlich nicht, dass so der Westen unsere êzîdischen Freunde endgültig in die destabilisierenden Arme der Russen treibt, die gegenwärtig als einzige und als Schutzmacht Assads als natürlicher Gegner der Türken, bereit sind aus geopolitischen Interessen den Êzîden zu helfen.
Allerdings ist das militärische Reservoire auf allen Seiten nach modernen Maßstäben deutlich begrenzt.
Das ändert nichts für die prekäre Lage der Êzîden im Singalgebiet.  

Unsere Lagebesprechung mit Kommandeuren der YPG heute Nacht waren schlimm. Es gibt keine Luftwaffe, deshalb ist die Lage verzweifelt und eine Verteidigung fast unmöglich. Der Nachschub ist kritisch und nicht mehr machbar, wenn eine Einkreisung im schwer zugänglichen Gebiet gelingt. Und Wasser ist mehr als knapp, das ist fast das Schlimmste. Damit wird das Rückzugsgebiet in das Singalgebirge kritisch, während die Türken militärisch die Chance haben, das Gebiet weiter einzukreisen. Eine Unterstützung oder drastische Einwirkung der NATO auf Erdogan ist nicht in Sicht.

Währenddessen kann Erdogan seine auch knapp gewordenen Mittel an seine einzige Front führen, weil er sich nur innenpolitisch bedroht fühlt. Stärker ist das allemal als was die êzîdischen Verteidigungskräfte dem entgegenzusetzen haben.
Erdogan braucht deshalb diesen Krieg. Weil er innenpolitisch so hart angeschlagen ist, benötigt er alles um zuhause zu gewinnen. Längst geht es nicht mehr um Wirtschaftsentwicklung oder Bildung, sondern nur noch um seine Macht.  
Wenn sich die Êzîden jetzt endgültig auf die russische Seite schlagen, muss der Westen begreifen, das er wieder einmal vollständig geostrategisch versagt hat.

Falls Erdogan dort Schiffbruch erleidet, das kann passieren, weil die Türkei kaum noch imstande ist, seine eigene Technik zu warten oder seinen Nachschub zu finanzieren. Es gäbe auch die naheliegende Möglichkeit, dass es einen diesmal nicht herbeigelogenen Putsch gibt oder weil die Türkei innenpolitisch zusammenbricht.

Es wird sich alles sowieso ändern. Wir wissen nur nicht, wohin.

Nun ruht alle Hoffnung auf der sprunghaften Unberechenbarkeit eines Donald Trump, der sich eben wenig für eine Strategie interessiert, die Europa nicht hat. Der ist aber der Einzige, der augenblicklich einem irren Erdogan etwas entgegensetzt, auch wenn niemand weiß was noch kommt.  

Bringt alle êzîdischen Kinder nach Deutschland. Sagt unser Autor, Torsten Kurschus von der Gesellschaft Êzîdischer Akademiker. Er warnt sei Jahren vor diesen Entwicklungen. So könnte sich die êzîdische Kultur wenigstens in Deutschland erhalten. Vielleicht wird es für dieses Volk aus der Wiege unserer Zivilisation einfacher als die Juden.

Was könnte man tun? Die NATO müsste massiv eingreifen und als Schutzmacht des Irak sehr klare Fronten setzten. Die Flugverbotszone muss dringend ausgeweitet werden, aber vor allem müssen Kanzleramt, Außenamt und Bendlerblock klar reagieren und keine weiteren Anreiße für den Cumhurbaşkanlığı Sarayı, den türkischen Präsidentenpalast machen und bereit sein, sofort Sanktionen einzuleiten.

Bei den Êzîden sagt man: Bi Qeweta Xewede. Mit der Stärke Gottes,
 


Donnerstag, 16 August 2018