Sucht und Abhängigkeit: Hilfe! Ich kann nicht aufhören!

Sucht und Abhängigkeit:

Hilfe! Ich kann nicht aufhören!




von Dr. Nathan Warszawski

Dies ist ein Schrei nach professioneller Hilfe. Der Hilfesuchende kommt ohne Hilfe von seiner Sucht nicht los, will die Sucht aber loswerden. Nicht weil er einsichtig ist – das kann er nicht -, sondern weil er leidet. Auch ohne solch einen Hilferuf braucht der Kranke professioneller Hilfe. Doch ohne Einsicht und Leiden kommt jede Hilfe zu früh.

Die Abhängigkeit hat viele Erscheinungen. Der Kranke kann und will ohne Alkohol, Nikotin oder Kinderschändung nicht leben. Ganz gefährlich wird die Krankheit, wenn der Patient machtabhängig wird. Es geht um die reine Ausübung der Macht über andere. Geld ist weniger wichtig bis unwichtig. Der Patient im fortgeschrittenen Alter hat schon alle Erben bedacht, er selbst benötigt nur eine überschaubare Summe Geldes bis zu seinem Ableben.

Worin liegen die Gefahren der Machtsucht?

In demokratischen Systemen wird die Macht durch demokratische Wahlen auf Zeit verliehen, bei staatlichen wie bei nicht-staatlichen Organisationen. Der Machtsüchtige leidet an der Vorstellung, die zu einer Wahnvorstellung auswächst, dass er nicht mehr beliebt ist und er nicht mehr gewählt wird. Es ist sich sicher, dass er als Einziger die Machtposition zum Vorteil Aller richtig ausfüllt. Um seine „demokratische“ Wahl zu sichern, schreckt er nicht vor Drohungen und Bestechungen. Auch Morde kommen vor. In seiner Selbstherrlichkeit vergibt er subalterne Ämter an unfähige „Freunde“, die die ihnen gestellten Aufgaben nicht erfüllen. Diese Freunde werden mit der Zeit vom herrschsüchtigen Kranken abhängig und tun alles, damit er wiedergewählt wird. Weitere Wähler sind mit kleinen Geschenken zufrieden. Willfährige Juristen, mit denen man privat zusammenarbeitet und denen man etwas zusteckt, runden das Bild ab.

Machtbesessenheit endet immer in Korruption, die jeden Staat und jede Organisation in den Abgrund führt. Es erfordert einen mutigen Aufstand der Anständigen, um die Gefahr abzuwenden. Hilfe von außen darf und muss angenommen werden. Oft kommt jede Hilfe zu spät. Staaten werden zu „failed states“, Organisationen verschwinden von einem Tag auf den anderen oder werden Teil der organisierten Kriminalität.

Der Weltfußballverband FIFA ist zu groß, zu mächtig, zu beliebt und zu reich, um erfolgreich therapiert zu werden. Wenn er nicht von Innen zerfällt, wird er mit der Mafia und anderen Verbrecherorganisationen um Pfründe konkurrieren oder mit ihnen zusammenarbeiten. Kleinere Organisationen, bei denen es nicht um Milliarden, sondern nur um Hundertausende €€ oder $$ geht, haben bessere Chancen, gerettet zu werden. Doch hier fehlt meist der Wille der einfachen Mitglieder.

Korruption verträgt sich nicht mit Demokratie. Wer die Korruption geschehen lässt, weil sie ihn nicht stört oder weil er gar daran profitiert, zerstört die Demokratie. Ein Leben unter der Mafia, der IS oder unter einem Tyrannen ist nicht lebenswert! Jeder soll sich angesprochen fühlen, zu erkennen und zu handeln. Wer Mitglied eines Vereins oder einer Gemeinschaft ist, die von einem ewig wiedergewählten und machtgierigen Vorsitzenden beherrscht wird, soll nicht aus dem Verein oder der Gemeinschaft austreten, sondern dem Kranken helfen, dessen Hilfeschreie kaum hörbar sind. Wenn der Kranke von seiner Sucht loskommt, wird er dankbar sein.

 

Numeri 24 : 9 Foto: Heroin (Foto: von Psychonaught (Eigenes Werk) [Public domain], via Wikimedia Commons)

 

Dr. Nathan Warszawski bei haOlam.de (Auswahl):


Sonntag, 31 Mai 2015