Raw Frand zu Parschat Behar: Die umgekehrte Reihenfolge der Patriarchen

Raw Frand zu Parschat Behar:

Die umgekehrte Reihenfolge der Patriarchen


An diesem Shabbat lasen wir die Parascha Behar aus der Torah. Raw Frand erläutert Aspekte dieser Parascha und ihrer Bedeutung. Heute lesen Sie den zweiten Kommentar zur Parascha.

Die umgekehrte Reihenfolge der Patriarchen
Gegen Ende der Tochecha (Zurechtweisung) schreibt die Torah, "Und Ich werde meines Bundes mit Ja´akow gedenken und auch meines Bundes mit Jizchak, und auch meines Bundes mit Awraham werde ich gedenken, und auch des Landes werde ich gedenken" [Wajikra 26:42]. Raschi weist auf die umgedrehte chronologische Reihenfolge der Patriarchen hin und erklärt dazu: "Allein um Ja´akows willen wäre es angebracht, euer zu gedenken und euch auszulösen. wenn nicht, würden Jizchaks Verdienste den Ausschlag geben und wenn auch dies noch nicht genügen würde, dann würden Awrahams Verdienste hinzu gefügt."
 
Raw Meir Schapira behandelt die gleiche Frage aus einem anderen Blickwinkel. Chasal lehren uns, dass jeder der drei Patriarchen eine bestimmte Charaktereigenschaft symbolisierte. Awrahams Eigenschaft ist Chessed (Wohltätigkeit). Jizchak verkörpert Awoda (Opferdienst/Gebet). Ja´akow Awinu repräsentiert die Torah. Raw Meir Schapira bemerkt, dass es eine Zeit gab, als die Jehudim - trotz Exil und Ablenkungen - es nicht nur mit der Wohltätigkeit und dem Gebet, sondern auch bezüglich des Torah Studiums sehr genau nahmen. Die Lernhäuser waren voller Lernenden.
 
Die Torah lehrt uns, dass Haschem dann, wenn die Jehudim im Exil sind, gedenken wird, dass sie die Eigenschaft von Ja´akow Awinu fortführen - sie lernen Torah; durch das ganze Volk wird Torah gelernt und verbreitet. Wenn Haschem in einer solch historischen Periode bereit sein wird uns auszulösen, dann wird dies im Verdienst von Ja´akow Awinu sein - im Sechut von Torah.
 
Doch als das Exil fortdauerte, wurde das Torah Studium immer weniger zu einem Faktor im Leben des Klal Jisrael. Immer weniger Menschen lernten. Die Last der Verfolgungen und die Mühen des Alltags verhinderten das Torah-Lernen schon ab einem sehr jungen Alter. Man ging in den Cheder bis zur Bar Mizwa und musste diesen dann verlassen um zu verdienen und der Familie zu helfen. Nur einige wenige machten nach der "Jeschiwa Ketana" (Grundschule) weiter. Doch auch in einer solchen Zeit, als nicht so viel Torah gelernt wurde, gingen die Jehudim immer zum Dawenen (Gebet). Awoda hatte viel tiefere Wurzeln als die intellektuell herausfordernde Hingabe zum Torah Studium. Würde die Erlösung in einer solchen Ära kommen, so wäre dies im Verdienst des Patriarchen Jizchak.
 
Und dann, fuhr Raw Meir Schapira fort, war das Exil so lang, dass Torah Lernen geschwächt wurde und sogar der Synagogen-Besuch weniger wurde. Doch immer noch blieb eine Eigenschaft übrig, die dem jüdischen Volk ewig bleiben würde - die Eigenschaft von Awraham - die Eigenschaft von Chessed.
 
Wir sehen manchmal Jehudim ohne jegliche Verbindung zu Torah oder Awoda. Man sieht sie nie im Bejt haMidrasch (Lernhaus) oder sogar im Bejt haKnesset (Synagoge). Doch sie sind in Führungspositionen von Spitälern, Waisenhäusern und anderen sozialen Einrichtungen.
 
Dies, so sagt Raw Meir Schapira, ist die Erklärung des Pasuks in Parschat Bechukotaj: Ich hoffe, den Klal Jisrael für den Verdienst ihres Torah Studiums auslösen zu können (der Eigenschaft von Ja´akow); wenn nicht, dann wegen ihrer Hingabe zum Gebet (der Eigenschaft von Jizchak); und auch wenn nicht einmal das möglich sein sollte, werde Ich sie wenigstens wegen ihres Chesseds erlösen (der Eigenschaft von Awraham).
 
Von Raw Ruderman, dem ehemaligen Rosch Jeschiwa von Ner Israel, hörte ich einmal eine Lehre von Raw Elchanan Wasserman. Der Talmud [Pesachim 107b] erklärt den Pasuk zu Beginn von Parschat Lech Lecha: "Ich werde dich zu einem grossen Volk machen und Ich werde dich segnen und Ich werde deinen Namen vergrössern und du wirst ein Segen sein." [Bereschit 12:2]. Die Gemara erklärt: "Ich werde dich zu einem grossen Volk machen" - dies bezieht sich auf die Tatsache, dass wir in der "Schmone Esre" "G´tt von Awraham" sagen. "Ich werde dich segnen" - dies bezieht sich auf das dort erwähnte "G´tt von Jizchak". "Ich werde deinen Namen vergrössern" - auf "G´tt von Ja´akow."
 
Die Gemara sagt weiter: "Man könnte meinen, dass sie alle im Abschluss der Bracha erwähnen sollen?" (Magen Awraham, Jizchak, weJa´akow). Um dies auszuschliessen, endet der Pasuk "und du wirst ein Segen sein" - was bedeutet, mit deinem Namen (Awraham) werden sie abschliessen, nicht mit einer Kombination aller Namen.
 
Raw Elchanan erklärt die Worte des Talmud "becha chotmim" (mit dir wird der Abschluss sein): Am Ende der Zeit, am Ende aller Generationen der Geschichte, wird die endgültige Erlösung nicht durch Torah oder Awoda kommen, sondern "becha chotmim" - mit deiner Eigenschaft von Chessed werden deine Kinder die endgültige Erlösung verdienen.

 

 

 

Rav Frand, Copyright © 2011 by Rav Frand und Project Genesis, Inc und Verein Lema´an Achai / Jüfo-Zentrum.

 

 

Foto: By SaschaKokot [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], from Wikimedia Commons


Samstag, 12 Mai 2018






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