ES REICHT!

ES REICHT!


Die Rede des Vorsitzenden der Synagogen-Gemeinde Köln, Felix Schotland, gehalten am 25. April 2018 vor dem Kölner Dom auf der Kundgebung Kippa Colonia.

Liebe Mitstreiter, liebe Freunde!

 

Ihr setzt ein Zeichen, ein Zeichen für die Demokratie hier in Deutschland und ein Zeichen gegen Antisemitismus. Ich sage hier klar und deutlich :

 

ES REICHT!

 

Wir haben genug gesehen.

 

Wir können es nicht mehr ertragen, dass wir, weil wir Juden sind, angefeindet werden.

 

Es ist nicht auszuhalten, dass unsere Kinder, nur weil sie Juden sind, in den Schulen gemobbt, ausgegrenzt und mittlerweile sogar körperlich angegriffen werden.

 

ES REICHT!

 

Es kann nicht sein, dass der Fall eines Brandanschlags auf eine Synagoge, nämlich die in Wuppertal, nicht als antisemitisch, sondern als Anti Israelisch eingestuft wird.

 

Eine Synagoge ist wie eine Kippa etwas, das mit dem Judentum fest und unwiederbringlich verbunden ist. Und was hat ein G‘tteshaus, eine Synagoge in Wuppertal mit dem Staat Israel zu tun?

 

ES REICHT!

 

In einem Land mit einer freiheitlich, demokratischen Grundordnung, zeigt die Stärke des Antisemitismus wie ein Seismograph, wie es um die Gesellschaft und den Zustand der Demokratie bestellt ist.

 

Je stärker dieser Antisemitismus zum Vorschein kommt, desto mehr ist diese Grundordnung in Gefahr, desto schneller werden andere Gruppen der Gesellschaft, Minderheiten wie Ausländer, Schwarze, Schwule, Lesben oder Behinderte ausgegrenzt. Dann ist es auch zur Frauenfeindlichkeit nicht mehr weit. Diese Bedrohung betrifft letztendlich alle Menschen in unserem Deutschland.

 

ES REICHT!

 

Inzwischen wird ganz unverhohlen offen und direkt antisemitisches Gedankengut verbreitet und Judenfeindlichkeit ist bei uns in Deutschland in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

 

Unter dem Deckmantel der Israelkritik mit den Worten „Man wird ja wohl mal sagen dürfen…“ wird ganz offen das Existenzrecht des Staates Israel, dessen 70sten Geburtstag wir gerade feiern, angezweifelt.

Aber nicht nur das, sondern die Juden in Deutschland werden damit bedroht.


Das bisher ungestrafte Verbreiten von Antisemitismus in sozialen Netzwerken muss geächtet und von den Betreibern unterbunden werden.

 

ES REICHT!

 

Wir müssen umdenken, gerade in unseren Geschichtsbüchern kommen Juden in Deutschland erst ab 1933 vor. Das ist echter Quatsch und trägt nicht zum Kennenlernen bei. Juden sind in Köln bereits das erste Mal im Jahre 321 erwähnt!

 

ES REICHT!

 

Diesmal werden wir nicht schweigen, diesmal stehen wir Juden zusammen gegen die Kräfte, die unsere Demokratie zerstören wollen, die uns an den Rand drängen wollen. Es ist ein Kampf, den wir gemeinsam führen müssen. Und dass Ihr alle gekommen seid, ist ein erster Schritt in diesem herausfordernden Kampf.

Ich danke Euch dafür!

 

Und es ist ein gutes Zeichen, dass wir als Juden jetzt nicht alleine stehen, sondern wir sehen und erleben dürfen, dass wir in diesem Land Freunde haben.

 

Und wir wünschen uns, dass es immer mehr werden.


Dienstag, 01 Mai 2018