Raw Frand zu Parschat Wajakhel: Frauen symbolisieren die Kraft der Erneuerung

Raw Frand zu Parschat Wajakhel:

Frauen symbolisieren die Kraft der Erneuerung


An diesem Shabbat lasen wir die Paraschat Wajakhe aus der Torah. Raw Frand erläutert Aspekte dieser Parascha und ihrer Bedeutung. Heute lesen Sie den zweiten Kommentar zur Paraschat.

Es war gemäss vielen Rischonim (die "ersten"; Torah-Grössen, vor ca. 500-1000 Jahren) nach der Sünde mit dem goldenen Kalb, als sie das Mischkan in Angriff nahmen. Die Männer sagten: "Wir wollen kein Mischkan." Das Mischkan verkörperte für das jüdische Volk den Niedergang von einer hohen geistigen Stufe. Ohne die Sünde des goldenen Kalbes wäre nämlich das Mischkan nicht nötig gewesen. Das ganze Lager wäre von der Schechina, der Präsenz G´ttes, durchdrungen gewesen. Innerhalb des jüdischen Volkes wäre keine Aufteilung auf das "Lager der g´ttlichen Präsenz", das "Lager der Leviten" und das "Lager der Israeliten" nötig gewesen. Das ganze Lager wäre ein "Lager der g´ttlichen Präsenz" gewesen. Wir wären auf einer derart hohen geistigen Stufe geblieben, dass G´tt sich nicht auf den Bereich des Mischkans hätte zurückziehen müssen.

Nach der Sünde des goldenen Kalbes gab G´tt jedoch bekannt, Er könne nicht mehr im ganzen Lager weilen. Ein spezieller Ort war nötig geworden: das Mischkan. Deshalb verkörperte das Mischkan für die Männer nicht geistige Höhe, sondern geistigen Rückfall und Niedergang. Die Männer hatten keine Freude, für das Mischkan zu spenden. Sie zögerten, dafür ihr Gold und Silber herzugeben.

Die Frauen jedoch setzten sich wieder durch. Sie machten freudig mit und sagten: "Wir müssen weitermachen. Seid nicht verzweifelt. Seht nicht nur das Negative. Wir brauchen eine Zukunft. Wir brauchen eine Wiederbelebung. Wir brauchen eine Renaissance." Dies ist eine besondere Eigenheit von Frauen. Sie zeigten diese Eigenschaft in Ägypten, sie zeigten sie beim goldenen Kalb und sie zeigten sie beim Mischkan.

Der Feiertag von Rosch Chodesch, so sagen unsere Weisen, ist die geeignete Belohnung für diese Geisteshaltung. Der Rosch Chodesch verkörpert Wiedergeburt, Renaissance und Erneuerung. "Dieser Monat ist für euch der Anfang aller Monate ..." [Schemot 12:2]. Das Wort haChodesch (dieser Monat) ähnelt dem Wort haChidusch (diese Erneuerung). Der Mond wird kleiner und kleiner - bis zu einem Punkt, an dem wir glauben, er sei verschwunden. Trotzdem kehrt er zurück, neu und frisch. Unsere rechtschaffenen Frauen verkörpern diese Kraft des jüdischen Volkes. Deshalb ist es ein gebührender Lohn, dass sie speziell den Rosch Chodesch als ihren eigenen Feiertag begehen dürfen.


Quellen und Persönlichkeiten: 


Midrasch: Erklärung zur Torah der Mischnah- und Talmudgelehrten, oft mit Gleichnissen.
Raschi (1040 - 1105) [Rabbi Schlomo ben Jizchak]: Troyes (Frankreich) und Worms (Deutschland); "Vater aller Torahkommentare".
Rischonim („die Ersten“): Torahgelehrte zwischen dem 11. und dem 16. Jahrhundert.
Schemen HaTov: Rabbi Dov Weinberger; zeitgenössischer Autor; 

 

 

Rav Frand, Copyright © 2011 by Rav Frand und Project Genesis, Inc und Verein Lema´an Achai / Jüfo-Zentrum.

 

Foto zur Illustration: By Israel Defense Forces (Doctors Treat 80-Year-Old Woman) [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons


Samstag, 10 März 2018