Raw Frand zu Parschat Mischpatim: Mit dem Mantel kommen und gehen

Raw Frand zu Parschat Mischpatim:

Mit dem Mantel kommen und gehen


An diesem Shabbat lasen wir die Paraschat Mischpatim aus der Torah. Raw Frand erläutert Aspekte dieser Parascha und ihrer Bedeutung. Heute lesen Sie den zweiten Kommentar zur Paraschat.

Wir lernen bezüglich dem arbeitsverpflichteten hebräischen Knecht (Ewed Iwri), dass wenn "beGapo jawo", dann "beGapo jezej" [Schemot 21: 03]. Was bedeutet dieser zweideutige Begriff?

 

Raschi übersetzt – basierend auf die Erklärung von Onkelos – wenn er alleine (d.h. - unverheiratet) eintritt, dann wird er alleine hinausgehen. Diese Interpretation passt nahtlos in die Fortsetzung des Passuks "wenn er der Mann einer Frau ist (im Ba‘al Ischa hu), so geht seine Frau mit ihm hinaus."

 

In modernem Hebräisch, würden wir den Begriff "Rawak" (Junggeselle) für einen unverheirateten Mann und "Nasui" für eine verheiratete Person verwenden. Der Begriff "beGapo" ist sonderbar. Er erscheint nicht einmal im Hebräisch der Mischna. Wie weist das Wort "beGapo" darauf hin, dass ein Mensch ledig ist? Die häufigste Erklärung ist, dass es vom Wort "beGufo" stammt - im Sinne von "mit seinem Körper" (und mit niemandem sonst). Raschi zitiert jedoch einen anderen Ursprung für dieses Wort. Raschi setzt "beGapo" mit "biChnafo" gleich, das heisst er ist so gekommen wie er ist, im Saum seines Kleides (allein in seinem Gewand).

 

Gemäss Raschi ist die Metapher für Ledig-Sein, sein Gewand. Der Passuk sagt: Wenn du (nur) mit deinem Mantel kommst, so gehst du nur mit deinem Mantel. Was ist die Verbindung zwischen dem Gewand eines Menschen und ledig-sein? Die Antwort ist, dass wir einen ledigen Menschen als jemanden definieren, dessen Welt am Saum seines Kleidungsstücks endet. Er ist eine unabhängige Einheit. Seine Welt endet dort, wo er endet.

 

Wenn die Definition einer ledigen Person die ist, dass ihre Welt dort endet, wo ihr Mantel zu Ende ist, so kann man die Metapher einen Schritt weiter nehmen, dass sich der Mantel einer verheirateten Person auch über andere Menschen erstreckt. Die Welt eines verheirateten Menschen erstreckt sich auf alle anderen, die unter seinen Schutz gekommen sind.

 

Damit können wir einen alten jüdischen Brauch verstehen. Sowohl bei traditionellen jekkischen Hochzeiten wie auch bei einer sephardischen Hochzeit, zieht der Bräutigam einen Tallit an und breitet diesen über sich und seine Braut aus. Dieses Ritual zeigt die Bedeutung unserer Metapher. Unter der Chuppah, im Moment seiner Hochzeit, zeigt der Chatan, dass seine Welt sich nun vergrössert hat, indem er sein Gewand über jemanden anders ausbreitet. Mein Mantel muss jetzt auch jemanden anders bedecken.

 

Der biblische Ursprung für diesen Brauch ist das Buch Ruth. Ruth sagt zu Boas, als sie vorschlägt, dass er sie heiraten soll, [Ruth 03: 09] "Und du sollst dein Kleidungsstück über deine Magd ausbreiten". Mit anderen Worten, "nimm mich in deine Welt." Lass deine Welt nicht mehr die Welt eines ledigen Mannes sein, die endet, wo sein Mantel endet, lass sie eine erweiterte Welt sein, die ausser dir noch jemanden anders enthält.

 

Diese Erkennung ist die schwierigste Anpassung in der Ehe. Bis dahin, musste sich ein junger Mann nur um seinen eigenen Mantel, sein eigenes Wohlbefinden, sein eigenes Leben kümmern. Mit der Ehe beginnt die Verantwortung für die Bedürfnisse und den Komfort auch von jemandem anders zu sorgen.

 

 

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Samstag, 10 Februar 2018