Raw Frand zu Parschat Mischpatim: Wer in seinen Geschäften betrügt, der glaubt nicht an G-tt

Raw Frand zu Parschat Mischpatim:

Wer in seinen Geschäften betrügt, der glaubt nicht an G-tt


An diesem Shabbat lasen wir die Paraschat Mischpatim aus der Torah. Raw Frand erläutert Aspekte dieser Parascha und ihrer Bedeutung. Heute lesen Sie den ersten Kommentar zur Paraschat.

Unsere Parscha beginnt : “Und dies sind die Rechtsvorschriften, die du ihnen vorlegen sollst.“ 

Es gibt hier eine berühmte Raschi über das Wort „We’ejleh - und dies“. Raschi erklärt Folgendes : Überall, wo „Ejleh (Dies sind)“ steht bildet es einen Gegensatz zum Früheren; „We’ejleh (Und dies sind)“ fügt zum Früheren hinzu.“ Denn das „und“ addiert zu dem was vorher stand („waw mosif“); in unserem Fall in Parschat Jitro.

In Parschat Jitro gab uns Haschem die Zehn Gebote. Sagt Raschi, wie das Frühere, die Zehn Gebote, vom Sinai kam, so kamen auch diese Rechtsvorschriften, die in Parschat Mischpatim geschrieben stehen, vom Sinai.

In Wirklichkeit muss man diese Raschi verstehen. Es gibt eine andere berühmte Raschi anfangs Parschat Behar [Wajikra 25 : 1] über die Wörter „Behar Sinai - Auf dem Berg Sinai“ (in Verbindung zur Mizwa von Schemitta - Erlassjahr) welche fragt, „Was ist die Beziehung zwischen Schemitta und Har Sinai?“ Antwortet Raschi, genauso wie die Gebote von Schemitta, mit all ihren Regeln und Details, auf dem Sinai gegeben wurden, so wurden auch alle anderen Gebote mit ihren Regeln und Details auf dem Sinai gegeben.

Falls dies der Fall ist, was fügt Raschi hier hinzu, dass hier gelehrt wird, dass die Rechtsvorschriften von Parschat Mishpatim auf Har Sinai gegeben wurden? Wir wissen dies – die ganze Torah wurde ja auf Har Sinai gegeben!

Der Ramba”n sagt eine sehr interessante Sache [Schemot 24 : 1]. Gemäss dem Ramba“n, lehrte G“tt Mosche Parschat Mischpatim anschliessend an die Zehn Gebote auf Har Sinai (noch vor der 40-Tage Periode, als Mosche der Rest der Torah lernte). Darauffolgend kam Mosche Rabbejnu hinab und lehrte dem jüdischen Volk am gleichen Tag – am Tag der Gesetzgebung – was er von G’tt gelernt hatte und erst dann - am nächsten Tag – kehrte er zurück auf den Har Sinai um weiter zu lernen.

Was wir von diesem Ramba”n ableiten, ist, dass die Gebote eines Ochsen, der einen anderen Ochs aufspiesst, das Verbot ein Hindernis auf öffentlichem Boden zu machen, das Gebot seinen Angestellten beizeiten zu zahlen, all die allgemeinen kleinen Sachen des Lebens, den gleichen Status haben und zur selben Zeit gegeben wurden als die Zehn Gebote. Also, sagt Raschi, dass uns hier etwas sehr Wichtiges gesagt wurde.

Aber, ist es nicht sonderbar, dass G’tt im gleichen Atemzug, als er sprach „Ich bin der Ewige, Dein G’tt, der dich hinausgeführt aus Ägypten...“ – die Grundbasis des Judentums – Er uns auch kleine Details gesagt hat, über unsere Verantwortung, wenn wir unser Nachbars Auto entleihen?

Warum hat Parschat Mischpatim den gleichen Wert wie „Anochi Haschem Elokecha“ - „Ich bin der Ewige, Dein G’tt?“

Rabbi Mosche Feinstein sagt, dass dies uns lehrt, dass eine Person, die die Rechtsvorschriften von Parschat Mischpatim (die Gesetze über Besitz und Vermögen) nicht einhält, auch nicht an die Tatsache von „Anochi Haschem Elokecha“ glaubt.

Ich bin der Ewige, Dein G’tt” dies ist die Theorie – ich glaube – eine Seite der Münze. Auf der anderen Seite der Münze, ist die Praxis – das tagtägliche Leben. Betrügst du in deinen Geschäften? Wenn Du in deinen Geschäften betrügst, so glaubst du nicht an „Ich bin der Ewige, Dein G’tt“.

Rabbi Mosche führt weiter aus, wenn der Glaube einer Person in G’tt mehr ist, als nur ein Lippenbekenntnis, dann glaubt sie, dass G’tt ihr den Lebensunterhalt gibt. Und wenn diese Person daran glaubt, was für einen Grund gäbe es dann zu betrügen? „Der Lebensunterhalt einer Person wird am Rosch Haschana für ein ganzes Jahr bestimmt“ [Bejza 16a]. Wenn jemand dies glaubt, so gibt es keinen Grund zu betrügen. Jeder der betrügt, glaubt nicht.

Dies ist warum “Ich bin der Ewige, Dein G’tt“ in der gleichen Reihe erwähnt wird, wie das Gesetz, wie man seinen Arbeitern zahlen muss.

Vor geraumer Zeit gab es in New York ein Treffen von einer Gruppe jüdischer öffentlicher Buchhaltern; eine Organisation die passenderweise „Cheschbon“ genannt wird. Raw Schwab sprach zu dieser Gruppe und sagte, dass ein Mensch, der in seinen Geschäften betrügt, ein Kofer Be’Ikkar (Häretiker) ist. Er betrügt weil er sich denkt – „dies wird mir Parnassa (Einkommen) bringen“. Betrügen zeigt, dass er nicht an G’tt glaubt, dass ER sich um ihn kümmern wird.

Dann fuhr Raw Schwab weiter : „Wenn ihr fragen werdet, wir kennen doch Personen, die betrügen und dennoch sehr erfolgreich sind. Sollte Parnassa von G’tt kommen, wie ist dies möglich?“

Erklärte Raw Schwab, dass Geld solcher Kinder werden kein Nachat (Zufriedenheit) von diesem Geld haben.

Die “Prüfung” vom Verdienen seines Lebensunterhaltes ist nicht nur eine Prüfung die Wahrheit zu sagen, nicht zu stehlen, etc. Es ist eine Prüfung von „Ich bin der Ewige, Dein G’tt“. Jeden Tag, haben wir Prüfungen, ob wir glauben oder nicht. Wenn wir wirklich glauben, dann gibt es nie einen Grund, in unseren Geschäftsangelegenheiten weniger als 100% ehrlich zu sein, mit anderen Leuten und mit uns selbst.

Quellen und Persönlichkeiten :

  • Raschi – Rabbi Schlomo ben Jizchak (1040-1105); Trojes und Worms, Frankreich. „Vater aller Kommentare“

  • Ramba"n – Nachmanides - Rabbi Mosche ben Nachman (1194-1270), Gerona, Spanien; Erez Jisrael.

  • Rabbi Mosche Feinstein -- (1895-1986) Rosch Jeschiwa von Mesivta Tifereth Jeruschalajim; Autor von Igrot Mosche und Dibrot Mosche.

  • Rabbi Schimon Schwab -- (1908-1995) Rabbiner der “Breuer Kehilla” in Washington Heights, New York; vorher Raw in Baltimore, MD.

Glossar :

  • Schemitta – das Schabbatjahr

  • Cheschbon – Berechnungen (mathematisch wie auch Ethisch)

  • Parnassah -- Lebensunterhalt

  • Sitra Achra – kabbalistisches Konzept "die anderen Kräfte - die Seite der geistigen Unreinheit" im Gegensatz zu „Sitra DiKeduscha - die Seite der Heiligkeit“

 

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Freitag, 09 Februar 2018