Raw Frand zu Parschat Chaje Sara: Was ist mit einem Plan B?

Raw Frand zu Parschat Chaje Sara:

Was ist mit einem Plan B?


An diesem Shabbat lasen wir die Parascha Chaje Sara: aus der Torah. Raw Frand erläutert Aspekte dieser Parascha und ihrer Bedeutung. Heute leswen Sie den zweiten Kommentar zur Parascha.

Was ist mit einem Plan B?

Der Passuk sagt uns, dass Awraham seinen vertraulichen Diener Elieser zu Awrahams ehemaligem Heim und Familie schickte um dort eine Frau für Jizchak zu finden. Awraham beschwor Elieser und sagte ihm: „Unter keinen Umständen darfst du eine Frau für Jizchak von den Töchtern von Kena’an nehmen...“ [Bereschit 24: 3].
 

Darauf stellte Elieser eine logische Frage: Was sollte er machen, wenn das Mädchen aus Awrahams Familie nicht mit ihm nach Kena’an kommen möchte? Dürfte er dann in diesem Fall Jizchak nach Padan Aram nehmen. Awrahams Antwort war „Nein, auch wenn sie nicht hierher kommen möchte, so darf Jizchak nicht dorthin gehen.“

Die folgerechte Frage kommt demnach auf; falls Jizchak nicht nach Padan Aram gehen und nicht ein Mädchen von Kena’an heiraten darf, was für Optionen hätte dann Jizchak, falls das Mädchen sich weigern sollte mit Eliezer nach Kena’an zu gehen? Wen würde Jizchak dann heiraten?

 

Wir können die Entscheidung von Awraham verstehen, dass das Mädchen zu Jizchak kommen sollte. Aber was ist mit einem Plan „B“? Was für eine Alternative hatte Awraham vorbereitet, für den schlimmsten Fall, dass das Mädchen sich weigern würde zu kommen? Was wäre mit dem jüdischen Volk geschehen? Was wäre passiert, wenn Jizchak keine Frau und Kinder hätte?

 

Awrahams Antwort lehrt uns seine Einstellung und Ansicht (Haschkafa) für das Leben. Falls etwas nicht gemacht werden kann, wie es gemacht werden sollte, dann sollte es überhaupt nicht gemacht werden. Wir haben die Verantwortung, unser Leben auf der Basis von der Torah zu leben.

„Was wird sein? Ich weiss nicht, was sein wird! Ich muss dies tun was richtig ist; der Rest liegt in der Verantwortung von G’tt.”

 

Es ist diese Idee, welche wir bei Awraham sehen, und über Generationen hinweg bei den Gedolej Jisrael (Torah-Grössen) gesehen haben. Es gibt keinen Kompromiss. Wir ändern nicht die Regeln. Wenn etwas nicht gemacht werden kann, wie es gemacht werden sollte, dann tun wir es einfach nicht! Die Frage „Aber was wird jetzt geschehen?“ – ist nicht unser Problem.

 

Der „Neziw“ - Rabbi Naftali Zwi Jehuda Berlin - der Rosch Jeschiwa der Woloschiner Jeschiwa – der Vater aller Jeschiwot, gab ein klassisches Beispiel dieses Konzepts:

 

Ungefähr bei der Jahrhundertwende wollte die russische Regierung eine neue Regel erzwingen, dass profane Fächer in der Woloschiner Jeschiwa gelehrt werden. Die Alternative war, dass die Jeschiwa geschlossen werden müsste. [Ich versuche hier nicht eine Parallele zur heutigen Zeit zu ziehen. Wir reden hier nicht von den Vor- und Nachteilen von profanem Unterricht in einer Jeschiwa. Wir können nicht Russland im Jahr 1900 mit der USA im 21. Jahrhundert vergleichen. Ich versuche hier, von dieser Geschichte nur einen Punkt herauszubringen...]

 

Der Neziw wurde mit der Frage konfrontiert: “Erlaube ich den Unterricht profaner Fächer in der Jeschiwa oder schliesse ich sie?“ Um die Bedeutung dieser Entscheidung zu verstehen, müssen wir uns ins Gedächtnis rufen, dass es zu dieser Zeit keine andere Jeschiwot gab. Die Schliessung der Woloschiner Jeschiwa bedeutete nicht, dass die Schüler zu einer anderen Jeschiwa wechseln konnten. Woloschin mit seinen 400 Studenten war die einzigste Jeschiwa in Russland.

Das Dilemma des Neziws war: Sollte er erlauben, dass profane Fächer während einiger Stunden pro Tag gelehrt werden, oder die Jeschiwa schliessen. Was tat der Neziw? Er schloss die Jeschiwa! Aber – “was wird sein, was wird mit der Überlieferung der Torah in die nächste Generation sein?” Der Neziw antwortete: “das ist das Problem von G’tt. Es ist Seine Torah. Er weiss, dass Er möchte, dass sie gelernt wird. Es ist SEIN Problem.” Der Neziw musste tun, was richtig ist, trotz den denkbar verheerenden Auswirkungen.

 

Also schloss der Neziw die Jeschiwa. Zur Zeit, als der Neziw seine Entscheidung fällte, wusste er nicht was das Resultat sein würde. Und so, als Resultat der Schliessung von Woloschin, öffneten sich viele andere Jeschiwot überall in Russland, Polen und anderen Orten. Das Resultat der Schliessung der Jeschiwa in Woloschin war, dass Torah noch mehr verbreitet wurde. Das ganze Jeschiwasystem, das wir heutzutage haben, können wir bis nach Woloschin rückverfolgen! Aber der Neziw wusste nicht was das Resultat sein würde. Er wusste nicht „was sein würde“, und es ging ihn auch nichts an. Er wusste nur was richtig war. Dies war der Zugang von Awraham Awinu und dies war der Zugang der Gedolej Jisrael.

 

Ich möchte eine Geschichte erzählen die ich vor einen gewissen Zeit von Raw Pam (und wiederum keine Vergleiche zu heute) gehört habe. Der Raw von Brisk, Rabbi Chajim Soloweitschik, hatte einen Sohn Rabbi Jizchak Se’ew (Welwel) Soloweitschik, der später der berühmte Brisker Raw in Erez Jisrael war.

 

Ein Verwandter von Rabbi Chajim kam eines Tages zu ihm und schlug vor, dass sein Sohn Raw Welwel die russische Sprache erlernen sollte. Der Verwandte sagte, „Heutzutage, wenn man ein Raw sein will, muss man russisch sprechen können.“ Rabbi Chajim antwortete darauf: „Also wird er kein Raw sein“.

 

Der Mann entgegnete darauf: “Also, damit man ein Geschäftsmann sein kann, muss man sicher Russisch können.” Raw Chajim antwortete, „Also, wird er kein Geschäftsmann sein.“

 

Infolgedessen sagte der Mann: „Aber auch nur um ein Rosch Jeschiwa zu sein, muss man heutzutage russisch können – um mit den Studenten und Eltern sprechen zu können.“ Raw Chajim antwortete, „Also, wird er kein Rosch Jeschiwa sein.“

 

Als der Mann dies hörte sagte er: “Wenn er kein Raw, Geschäftsmann oder Rosch Jeschiwa sein wird, was wird mit ihm sein?“ Rabbi Chajim antwortete: „Er wird ein armer Mann sein, der Schass (den gesamten Talmud) auswendig kann!“

Mit anderen Worten, “Was wird sein? Ich weiss nicht was sein wird. Aber ich weiss, dass ich nicht möchte, dass mein Sohn Welwel russisch lernt.“

 

Wiederum, keine Parallele zu heute. Aber die Lehre, die man daraus lernen kann, ist, dass man das tun muss was man im Gefühl hat, das es richtig ist gemäss der Torah und den Rest G’tt überlassen soll. Die Konsequenzen sind in G’ttes Händen.

 

 

Quellen und Persönlichkeiten:

Rabbi Naftali Zwi Jehuda Berlin (Der Neziw) (1817-1893), Rosh Jeschiwa der berühmten Woloschiner Jeschiwa fast 40 Jahre lang, bis sie von der russischen Regierung im Jahr 1892 geschlossen wurde. Verfasser einiger bekannter Werke wie: Haamek Dawar, Haamek Sche´eila, Mejschiw Dawar, etc.
Rabbi Chajim Soloweitschik (1853 - 1918), genannt „Reb Chajim Brisker“, Rabbiner in Woloschin und Brisk (Brest-Litovsk), Litauen (heute Weissrussland). Verfasser von „Chiduschej Rabbi Chajim“.

 

 

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Samstag, 11 November 2017






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