Raw Frand zu Parschat Ki Tawo: Der Ertrag ist proportional zum Aufwand

Raw Frand zu Parschat Ki Tawo:

Der Ertrag ist proportional zum Aufwand


An diesem Shabbat lasen wir die Paraschat Ki Tawo aus der Torah. Raw Frand erläutert Aspekte dieser Parascha und ihrer Bedeutung. Heute lesen Sie den zweiten Kommentar.

Der Wochenabschnitt Ki Tawo beginnt mit dem Kapitel von Mizwat Bikurim - dem Gebot der Erstlingsfrüchte. Diese Mizwa beginnt mit folgendem Akt: Sobald sich die Knospen an den Obstbäumen bildeten, markierte jeder Bauer die Erstlingsfrüchte mit einer Schnur oder einer Schleife, sodass er sie erkennen und zum Tempel nach Jerusalem bringen konnte, sobald sie vollends ausgereift waren. Die Mischna im Traktat Bikurim beschreibt den grossen Pomp rund um diese Reise nach Jerusalem. Dies geschah einmal im Jahr. Die Bauern brachten die Erstlingsfrüchte ins Bejt Ha’Mikdasch (Tempel) zu den Kohanim (Priestern) und lasen das Kapitel von Mikra Bikurim - der Deklaration der Erstlingsfrüchte [Dewarim 26: 1-11].

 

Der Midrasch Jalkut Schimoni [Kapitel 26] berichtet, wie Raschi es auch zitiert [ibid 26: 16], dass wenn jemand seine Erstlingsfrüchte zum Kohen brachte, eine himmlische Stimme (Bat Kol) auf wundersame Weise herabkam und ihn segnete: "Nächstes Jahr wirst du dieses Ritual wieder ausüben dürfen."

 

Der Sfat Emet, in den Likutim zu Parschat Ki Tawo, stellt eine sehr interessante Frage: Wie konnte jemals ein Bauer zur Zeit, an der die Mizwa von Bikurim ausgeführt werden konnte, sterben? Wenn man jedes Jahr die himmlische Garantie bekam, "nächstes Jahr wieder", wie konnte so ein himmlischer Segen jemals NICHT in Erfüllung gehen?

 

Der Sfat Emet beantwortet diese Frage auf der Basis des Prinzips von "le´fum Za´ara Agra" [Awot 5: 28]: Je schwerer die Einhaltung bzw. Ausführung einer Mizwa ist, desto grösser ist der Lohn. Zwei Menschen können die genau gleiche Mizwa machen, doch einer der beiden wird einen grösseren Lohn dafür erhalten, weil er sich mehr anstrengen oder dafür opfern musste als der Andere, um diese Mizwa auszuüben. Einer mag am Rosch Haschana den Schofar hören,

weil er eine Synagoge um die Ecke hat - wohingegen der Andere in einer Kleinstadt lebt und mit seiner ganzen Familie verreisen und Mahlzeiten für Rosch Haschana organisieren muss, um sich einem Minjan anschliessen zu können, bei dem Schofar geblasen wird. Der Letztere wird einen grösseren Lohn für dieselbe Mizwa erhalten, als der Erstere.

 

Der Sfat Emet schreibt, dass der Segen des Bat Kol ("Mögest Du dies im nächsten Jahr wieder tun") damit zusammenhing, dass die Mizwa der Darbringung der Erstlingsfrüchte nach Jerusalem eine bedeutende Anstrengung abverlangte. Im Gegensatz zur zweiten Verzehntung (Ma´asser Schejni), wo es nicht notwendig war, den Ertrag nach Jerusalem zu transportieren (denn man konnte es gegen Bares auslösen und das Geld nach Jerusalem mitnehmen, um dort Nahrungsmittel zu kaufen), musste man in diesem Fall die schweren Körbe voller Früchte den ganzen Weg lang tragen. Aus eben diesem Grund, führten die Rabbiner den Prunk und die Zeremonie ein, um die Menschen dazu zu ermutigen, diese Anstrengung auf sich zu nehmen - in Anerkennung der Tatsache, dass es eine grosse Sache war!

Doch wie der Sfat Emet erklärt, war dies im Jahre nach dem Erhalt des Segens keine so grosse Anstrengung mehr. Der Segen schaffte "Wind in den Segeln" der Menschen und erleichterte ihre Anstrengungen. Also schreibt der Sfat Emet,

dass der Segen nicht JEDES Jahr kam, sondern jedes ZWEITE. Im nächsten Jahr, wenn man die Bikurim ohne Segen brachte, war es schwerer - also brauchte man einen Segen zur Ermutigung, um es im darauffolgenden Jahr erneut zu schaffen. Und so wurden die Segen nur in jedem zweiten Jahr erteilt… Als Konsequenz daraus, schreibt der Sfat Emet, konnte der Bauer nur im jeweiligen Jahr sterben, in dem er keinen Segen erhalten hatte!

 

Dies ist eine nette "Anekdote" nebenbei, doch die eigentliche Lektion hier ist diejenige von "le´fum Za´ara Agra" - der Lohn geht einher mit dem Aufwand. Manche Menschen können eine Seite des Talmuds aufschlagen und sie durchgehen, als sei es ein Zeitungsartikel. Andere Menschen müssen die Bedeutung jedes aramäischen Wortes nachschlagen und es wird entsprechend schwer und frustrierend. Zwei Menschen können dieselbe Seite des Talmuds lernen, wobei der Eine dafür zwanzig Minuten braucht und der Andere zwei Stunden und zwanzig Minuten. Doch "le´fum Za´ara Agra" - und so ist es mit jeder Mizwa. Lasst uns daran erinnern, wenn wir es zuweilen als schwierig erachten, eine bestimmte Mizwa zu erfüllen: Der Ertrag ist proportional zum Aufwand.

 

 

 

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Samstag, 09 September 2017