Raw Frand zu Parschat Ki Tawo: Eine `chassidische Geschichte´

Raw Frand zu Parschat Ki Tawo:

Eine `chassidische Geschichte´


An diesem Shabbat lasen wir die Paraschat Ki Tawo aus der Torah. Raw Frand erläutert Aspekte dieser Parascha und ihrer Bedeutung. Heute lesen Sie den ersten Kommentar.

Ich möchte die folgende wahre chassidische Geschichte, betreffend den Klausenburger Rebbe sz"l nicht vorenthalten. Es war kurz nach dem zweiten Weltkrieg. Der Klausenburger Rebbe hatte die Konzentrationslager überlebt. Er versammelte eine kleine Gemeinde seiner Anhänger um sich, die ebenfalls den Holocaust überlebt hatten, und diese kleine Gruppe wuchs schliesslich zu einer grossen Gemeinde heran.

 

Wir alle kennen den fast universellen Brauch, wenn der Ba’al Koreh (Torah-Vorleser) die Tochacha (die Strafen, in Parschat Bechukotai und Ki Tawo) liest, so tut er dies mit gedämpfter Stimme. Wir eilen durch diese Abschnitte und unterbrechen sie nicht, um zusätzliche Männer aufzurufen. Wir lesen leise, wie um zu sagen: "Wenn wir leise lesen, wird es vielleicht nicht geschehen."

Es war Parschat Ki Tawo in den späteren 1940er Jahren und der Klausenburger Rebbe war in New York mit dem kleinen Minjan seiner Anhänger. Als der Ba’al Koreh zur Tochacha kam, begann er mit einer leisen Stimme, wie es der jüdische Brauch ist.

 

Der Klausenburger Rebbe schlug mit der Faust auf seinen "Schtender" und sagte: "lauter!" Der Ba’al Koreh dachte, er lese so leise, dass es niemand hören könne, also erhob er seine Stimme ein wenig. Wieder klopfte der Rebbe und sagte: "lauter!" Als sich dieses Szenario ein drittes Mal wiederholte, verstand es der Ba‘al Koreh. Der Rebbe wollte nicht, dass er die Tochacha leise oder sogar mit normaler Lautstärke las. Er wollte sie mit extra lauter Stimme gelesen haben.

 

Der Ba’al Koreh kam nach dem Minjan zum Rebben und bat ihn um eine Erklärung. Der Rebbe antwortete: "Dies kann leise gelesen werden, wenn du Angst hast, dass es geschehen wird und du nicht weisst, wie es dir ergehen wird, falls es geschieht. Wir aber, wir haben dies durchlebt und wir sind noch hier. Nun ist dies etwas, auf das wir stolz sind. Dies ist uns geschehen und wir sind trotzdem am Schabbat in Schul. Wir lesen immer noch jede Woche die Torah! Die Tochacha ist jetzt unsere Ehrenplakette. Sie wird nicht mehr leise vorgetragen werden. Sie wird laut gelesen werden! Wir können sagen 'Wir waren dort. Es ist uns geschehen und wir sind ‘ehrliche Jiden’ geblieben."

 

 

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Freitag, 08 September 2017