Anita Rée, die Kunst und der Selbstmord auf Sylt

Anita Rée, die Kunst und der Selbstmord auf Sylt


Eine neue Ausstellung präsentiert das Werk der jüdischen Malerin aus Hamburg

Von Heike Linde-Lembke

 

Der Blick geht in die Weite. In die Leere. Er ist nicht mehr verzweifelt, sondern darüber hinaus. Er ist resigniert und voll Ahnung eines unvorstellbaren Unheils. Der Mund und die Haltung der Hand auf der Wange verstärken diese Ahnung ebenso wie die Gebärde der anderen Hand vor dem freien Oberkörper, als wolle sie eine Katastrophe abwehren. Anita Rée, die dieses Selbstporträt 1930 malte, hat die Katastrophe, die Schoah, nicht erlebt. Sie ging vorher. Die Hamburger Künstlerin und Jüdin nahm sich am 12. Dezember 1933 in Kampen auf Sylt mit Veronal das Leben.

 


Sonntag, 31 Dezember 2017