Hass auf Israel: Was wir wissen, jedoch nicht laut sagen dürfen

Hass auf Israel:

Was wir wissen, jedoch nicht laut sagen dürfen


Europa, die Vereinten Nationen, viele Elitekreise in Amerika und natürlich die gesamte arabische und islamische Welt sind gegen Israel eingestellt. Drei Behauptungen sind Vorwand für diese Einstellung.

National Review online - Nahost-Fokus, 1.07.2002

 

Israel besetzt absichtlich Land, das nicht ihm gehört – eine Travestie, die vollkommen unisono auf der Weltbühne gespielt wird und somit besondere und umfassende Missbilligung verdient. Außerdem gibt es -entgegen dem ständigen palästinensischen Lamento- eine große Menge an besetzten Gebieten in der heutigen Welt – Tragödien, die vollständig aus dem moralischen Radarschirm der UN verschwinden und die für keinen der selbst ernannten Moralapostel der arabischen Welt von Bedeutung sind.

 

Seit 1974 ist ein Teil des griechischen Zypern unter türkischer Kontrolle – die Häuser und das Eigentum der griechisch sprechenden Zyprioten sind konfisziert, die einheimische Bevölkerung ausgewiesen und die Insel geteilt. Tibet wurde von China annektiert, völlig illegal und ohne besondere Reklamationen, mit Ausnahme einiger weniger in den USA.

 

Was geschah mit dem Libanon? Die Syrer haben das ganze Land besetzt, die Palästinenser sind eine Art staatseigener Sklaven und die Libanesen selbst sind kaum mehr als die Butler ihrer syrischen Herren. Kurdistan ist im Besitz dreier verschiedener Länder. Auf dem Balkan herrscht ein Durcheinander von ethnischen Slawen, Albanern, Serben und Griechen, die in Ländern leben, die von anderen kontrolliert werden. Eine Viertelmillion –und nicht dreitausend- sind in den letzten fünfzehn Jahren gestorben. Was gibt Russland das Recht, an japanischen Inseln festzuhalten, die es in den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges konfisziert hat? Terrororganisationen, die Hamas und Hisbollah ähnlich sind, versuchen in Irland und Spanien Menschen in die Luft zu jagen, um für sich selbst ein autonomes Heimatland und Erbe zu fordern.

 

Was in vielen dieser Fälle anders ist, ist die Tatsache, dass die Tibeter nicht dreimal versuchten, in China einzumarschieren. Griechische Zyprioten versuchten nicht, die Türken durch eine Reihe von Kriegen ins Mittelmeer zu werfen. Auch versuchte die libanesische Armee nicht, Amman zu stürmen, sie verlor keinen Krieg gegen Syrien und dadurch die Autonomie ihres Heimatlandes. Ganz offensichtlich geht in Palästina noch mehr vor sich als die moralische Entrüstung der Welt über den Umgang mit besetztem Land.

 

GRENZEN UND FLÜCHTLINGE

 

Die traurige Geschichte der Kriege ist es, dass Menschen vertrieben werden. Ich zweifle daran, dass Millionen von Deutschen irgendwann wieder etwas von ihrem Land erhalten werden, das inzwischen zu Ostfrankreich oder Westpolen gehört. Tausende von Russen fanden sich in der Situation wieder, dass sie in den baltischen Staaten mehr und mehr unerwünscht waren. Werden die ionischen Griechen –Bewohner der Westküste der Türkei seit dem 11. Jahrhundert vor Christus- jemals in ihre Heimat zurückkehren, nachdem sie in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts brutal von dort vertrieben worden waren? Millionen von islamischen Pakistanern und indischen Hindus leben in künstlich geschaffenen Ländern, in denen sie nicht geboren wurden.

 

Wenn man die alte oder moderne Geschichte auf faire Art und Weise betrachtet, muss man zugeben, dass die Situation in Palästina nicht einzigartig ist. Tatsächlich versucht Israel, seine geschlagenen Feinde weitaus gerechter zu behandeln als es die meisten Sieger –ob man nun die Türken, die Polen, die Franzosen oder die Chinesen betrachtet- in der Vergangenheit taten. Über Fragen bezüglich der Anzahl der Toten und des Kollateralschadens will ich mich hier nicht äußern. Entgegen dem, was die UN und die palästinensische Propagandamaschine sagen, geht das wahre Morden heutzutage in Zentralafrika, im Amazonasbecken, in der früheren Sovietunion und in Indien vor sich. Was erstaunt, ist nicht, dass Palästinenser im Kampf gestorben sind, sondern dass im Vergleich zu den Kämpfen in den Stadtgebieten von Tschetschenien, in Mogadischu und Panama, so wenig ums Leben gekommen sind. Unter diesem Gesichtspunkt ist Herr Arafats Heraufbeschwören von Stalingrad sowohl historisch dumm wie auch obszön im Gedenken an all die Hunderttausend, die im Winter 1942/43 auf beiden Seiten ums Leben

gekommen sind.

 

RASSISMUS

 

Eine konstante Beschuldigung –die erst kürzlich auf widerliche Art von Herrn Arafat geäußert worden war- ist diejenige, dass die Israelis einen rassistischen Widerwillen gegen die Palästinenser hegen. Er hat behauptet, die Israelis versuchten auf Naziart, die Westbank von Nichtjuden zu säubern. Die UN selbst hat über Jahre hinweg versucht, Resolutionen herauszugeben, die den Zionismus mit Rassismus gleichsetzen. Doch wenn man die Sache fair und unter dem Gesichtspunkt rassischer und religiöser Toleranz betrachtet, muss man sagen, dass die israelische Regierung Lichtjahre entfernt ist von dem, was in der arabischen Welt vor sich geht. In privaten Kreisen geben die Araber zu, dass sie in Tel Aviv weitaus besser behandelt werden als die Juden derzeit in Kairo, Bagdad, Damaskus oder Amman behandelt werden würden. In der israelischen Tageszeitung „Jerusalem Post“ lesen wir nicht, dass Palästinenser als „Affen“ und „Vampire“ bezeichnet werden, wie wir das in arabischen Tageszeitung über die Juden lesen. Es gibt in Israel auch keine umfangreiche Literatur –wie in der arabischen Welt über die Juden-,

die sich der Beweisführung widmet, dass Israels Feinde Untermenschen sind. In diesem gegenwärtigen Konflikt existieren wirklicher Rassismus und Hass, doch werden diese hauptsächlich von Arabern und nicht von Juden geäußert. Hätte eine Zeitung in Tel Aviv behauptet, dass die Araber Blut trinken und wären die Araber mit Primaten in Verbindung gebracht worden, wäre die Entrüstung der Welt sogar erst an zweiter Stelle nach derjenigen in Israel gekommen.

 

Wenn Israel für nichts anderes als dafür, sich selbst zu verteidigen, schuldig gesprochen wird und dafür, seinen geschlagenen Gegnern erst dann das Land zurückgeben zu wollen, wenn dem jüdischen Staat Sicherheit garantiert wird, was ist dann der Kern des Hasses der Welt auf Israel? Die Antwort ist offenkundig und kann in fünf Hauptpunkten zusammengefasst werden.

 

Realpolitik

 

Wir dürfen niemals das absolute Selbstinteresse der Staaten vergessen – ein Wesenszug, von dem die griechischen Geschichtsschreiber gedacht haben, dass er der Kern der meisten Konflikte ist, oftmals geschmacklos getarnt durch Vorwände wie „Gerechtigkeit“ und „Fairness“. Es mag beinahe eine halbe Milliarde arabisch sprechende Menschen geben. Millionen islamischer Bürger wohnen nun im Westen. Nur die wenigen hundert Kilometer des Mittelmeeres trennen Europa von den mittelalterlichen Regimes in Libyen, Algerien und Syrien. Die Wichtigkeit der arabischen Welt reicht von der Größenordnung der im Ausland lebenden Bevölkerung bis hin zum Nutzen expansiven Handels und großer Märkte. Die Wichtigkeit Israels kann in diesem Fall in einer Ansammlung von kulturellen, ökonomischen und politischen Ängsten und Möglichkeiten beurteilt werden. Wäre Israel groß –sagen wir 400 Millionen Juden- und die arabische Welt darum herum spärlich (vielleicht 10 Millionen), dann würden wir Dutzende von UN-Resolutionen sehen, die Herrn Arafat für alles verurteilen, angefangen vom Mord an US-Diplomaten in der Vergangenheit bis hin zu seiner gegenwärtigen Mitschuld an Selbstmordanschlägen dadurch, dass er sie in Auftrag gibt.

 

Öl

 

Zwischen einem Viertel und einem Drittel der Ölreserven dieser Welt sind in Saudi-Arabien, Kuwait und im Irak zu finden. Für etwa die nächsten 30 Jahre sind Europa, die USA und Japan auf diese ständige Versorgung von wichtigem Petroleum angewiesen. Und während die wirtschaftlichen Kraftwerke des Westens offensichtlich versuchen, alternative Lieferanten in Russland, Südamerika und Norwegen zu finden, bleibt doch die Tatsache bestehen, dass durch die global verbundene Wirtschaft das östliche Öl –und dessen instabile und unangenehme Verwalter- in vorhersehbarer Zukunft unentbehrlich für die ökonomische Weltgesundheit ist. Wir haben verschiedene Anstrengungen, die Ölversorgung zu unterbrechen, dieser Regimes gesehen –angefangen von Saudi-Arabiens Ölembargo im Jahr 1974 bis hin zur Bombardierung von Tankern im Persischen Golf durch den Iran und zu Saddam Husseins Fackelzug zu den Ölfeldern in Kuwait- und darum realisieren wir, dass ungünstige Beeinflussungen, gegenseitige Vernichtungskriege und unerklärliche Fehden all diese Autokratien zu jeder Stunde aufwiegeln können. Es ist viel einfacher –und billiger- angesichts der routinemäßigen Schrecken den Mund zu halten oder tatsächlich aktiv ihre oftmals absurden Tagesordnungen zu begünstigen.

 

Überdies bringt das Einkommen durch das Öl diesen Diktaturen westliche technologische Expertisen und militärische Ausrüstung – und somit die Sympathie von Millionen in der westlichen Welt, die davon abhängig sind, diesen Diktaturen alles zu verkaufen, angefangen von Handys und Computern bis hin zu Düsenjägern. Tausende von Europäern und Amerikanern, die Rohöl kaufen, damit Handel treiben und es verschiffen, können die Wut ihrer Wohltäter kaum riskieren. Also verstecken sie ihren Eigennutzen unter dem Deckmantel patriotischer Slogans wie „nationales Interesse“ und „ökonomische Sicherheit“. Hätte Israel 25% der Ölreserven dieser Welt und seine arabischen Nachbarn keine, würde die EU nun die palästinensischen Bomber als die Schlägertypen und Terroristen, die sie sind, verurteilen.

 

Terrorismus

 

In den vergangenen 30 Jahren stand die Mehrheit der internationalen Terroristen im Dienst der radikalen islamischen und arabischen Sache. Es waren die schlimmsten Killer, die internationale Flugzeuge in die Luft jagten, die Olympischen Spiele stürmten, westliche Diplomaten ermordeten, Botschaften stürmten, Geiseln nahmen und Zivilisten bei der Arbeit im wahrsten Sinn des Wortes verdampfen ließen. Das bedeutet nicht, dass japanische, irische, baskische, malaysische, weiße rassistische und armenische Terroristen nicht häufig gemordet haben, sondern nur, dass arabische Mörder weit mehr auf globaler Ebene Angriffe ausgeführt haben, besonders in Europa und Amerika. Spätestens mit dem 1967er Krieg hat die Welt erkannt, dass die Unterstützung Israels in der Ermordung von Diplomaten, Athleten, Touristen und Soldaten im Schlaf, bei der Arbeit und im Urlaub resultiert. Hätte der Mossad im Gegensatz dazu Franzosen, Amerikaner und Deutsche überall auf der Welt ermordet, würden sich Politiker nun darum reißen, Israel ihre Unzufriedenheit zu zeigen und würden versuchen, den „eigentlichen Grund“ für diesen Missstand herauszufinden.

 

Antisemitismus

 

Wir wissen nicht genau, warum Antisemitismus in einer angeblich gebildeten und modernen westlichen Welt fortbesteht, zu einer Zeit, in der Assimilation, Integration und interreligiöse Eheschließungen immer alltäglicher werden und absolute Säkularisierung die Unterschiede der großen Religionen verschwimmen läßt. Traditionelle Stereotypen und Hass werden natürlich an jede neue Generation weitergegeben; und wir dürfen niemals die Macht des Neides vergessen. Neid, den hoch gebildete, kompetente und fachlich gut ausgebildete Juden bei weniger talentierten und erfolgreichen Menschen hervorrufen. Trotzdem ist der gegenwärtige Anstieg des Antisemitismus ziemlich offensichtlich – besonders die beschämende Blasphemie, die in der wahllosen Nutzung der Worte „Holocaust“ oder „Genozid“ und im plötzlichen Wiedererscheinen von Hakenkreuzen neben Davidsternen gezeigt wird. Ich bin ein 48 Jahre alter schwedisch-amerikanischer Protestant und zeige seit 30 Jahren meine Unterstützung für Israel, doch niemals zuvor wurde ich gefragt „Sind Sie Jude?“ Allein im vergangenen Jahr kam diese Frage, die normalerweise als Anklage formuliert wird, mindestens 50 Mal auf, gemeinsam mit gedruckter und elektronischer Beschimpfung, die Herrn Goebbels stolz gemacht hätte.

 

Hier müssen wir offen reden: Die arabische Welt trägt einen großen Teil der Verantwortung für den gegenwärtigen Hass. Islamische Voreingenommenheit ist der Motor, der den europäischen Antisemitismus antreibt. Die vom Staat herausgegebenen Zeitungen in Ägypten und Saudi-Arabien unterscheiden sich nicht von denen in Deutschland während der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. Saudische Diplomaten und religiöse Persönlichkeiten zitieren voller Hass, auf unentschuldbare Art, direkt aus „Mein Kampf“. Dieses Buch ist in Teilen der arabischen Welt ein Bestseller. Die Wahrheit ist: Wären die Palästinenser angegriffen worden und hätten sie vier Kriege gegen Israel gewonnen und würden sie derzeit den Staat Israel besetzen, würde ein Großteil der Welt sagen „Ihr sollt noch mehr Macht haben, um diese Juden zu besiegen und zu besetzen.“

 

Aristokratische Schuld und der Kult um den Underdog

 

Mit geringen Sorgen hinsichtlich Hunger oder Schinderei und mit steigendem Appetit auf materielle Dinge haben viele Menschen im Westen Luxus und Reichtum benutzt, um gerade die Kultur zu verdammen, die solch ein gutes Leben produziert. Nihilismus, Zynismus und Sarkasmus sind die Symptome, die wir bei unserer gelangweilten und schuldbeladenen Elite sehen. Eine Elite, die sowohl die Kapitalisten herabsetzt, die ihren Wohlstand managen, wie auch die Mittelklassegesellschaft, die ihn produziert.

 

Radikales Umweltbewusstsein, romantische Multikultur und autoritäre Utopie reflektieren alle eine eher selbstgefällige Idealisierung des benachteiligten, ursprünglich natürlichen Zustandes. Zentraler Punkt in diesem Credo ist die Identifikation mit der vermutlich anti-westlichen Welt des universell Unterdrückten – und mit beinahe jedem und allem, was in den vergangenen drei Jahrhunderten gegen den Moloch der dominanten Kultur des westlichen, industriellen Kapitalismus aufgekommen ist.

 

Somit sind es für manche Menschen im Westen nicht so sehr die Fakten im Nahen Osten der letzten 50 Jahre, die ihren Hass auf Israel bestimmen. Wahrscheinlich auch nicht die Sorge über den Benzinpreis für ihre Volvos oder SUVs, ebenfalls nicht ihre Angst vor Bomben und Bakterien, und nicht ihr Neid auf die Juden. Sondern ihr Hass rührt eher daher, dass die Palästinenser schwach und die Israelis stark sind. Auf diese Art ziehen Herr Arafat und seine Speichellecker einen Verdienst aus ihrem Status als Geschädigte, z. B. hinsichtlich ihres Abstammungsrechts, und bekommen die Genehmigung für alles, angefangen von liberaler Zensur bis hin zu Worten des Hasses und zu Voreingenommenheit. Die Israelis hält man für stark und überheblich, weil sie ja die Ausbeuter sind, und somit werden sie kollektiv für die Unterdrückung und gegenwärtige Not ihrer seit langem leidenden „Opfer“ verantwortlich gemacht.

 

Diese unerträglichen und reichen europäischen und amerikanischen Linken sehen ihre Solidarität mit den Palästinensern teilweise auf marxistische, teilweise auf arrogante und meistens auf naive Art als untrennbar verbunden mit ihrer eigenen unangenehmen Persönlichkeit. Es ist viel einfacher, billiger –und sicherer-, das Unrecht von ungerecht Behandelten durch Demonstrationen und das Unterzeichnen von Petitionen wieder gut zu machen, als unter ihnen zu leben, sie zu heiraten, sie täglich zu sehen oder dem „anderen“ materielle Hilfe zukommen zu lassen. Denn es kann alles in ein paar Sekunden in der Universität, im Fernsehn oder in den Stadtbezirken getan werden – ohne eine echte Betrachtung dessen, was das eigene, eher bequeme, materiell gesicherte Dasein in der Universität, in den Medien oder in der Regierung garantiert.

 

Die Wahrheit ist, dass die westliche Unterstützung für Israel oder der westliche Hass auf Israel uns viel mehr über uns selbst erzählt als über die reale Situation im Nahen Osten.

 

 

Übersetzt von D. Marcus / Heplev


Sonntag, 10 September 2017