Diskussionsbeitrag: Integrationsdiskurse

Diskussionsbeitrag:

Integrationsdiskurse


Serap Güler, Staatssekretärin der CDU, hat sich was getraut. Sie will ein Kopftuchverbot für junge Mädchen durchsetzen. Sie verfügt zwar über den passenden Migrationshintergrund, um in dieser ´Sache´ nicht sofort verdächtig zu erscheinen, aber ihre Meinung kann denen, die in punkto ´Integration´ so richtig aufpassen, trotzdem nicht in den Kram passen.

Integrationsdiskurse

Von Shanto Trdic

 

In den Medien wird sie daher sofort passend einsortiert. Etwa, indem man sie als ehrgeizig bezeichnet. Schon schlimm, wenn Politiker das sind. Noch schlimmer: Mit ihrem Vorstoß, so heißt es, schwingt sie sich zur Meinungsführerin auf. Hochmut kommt vor dem Fall – wehret der Anfänge! Nun könnte man Gülers Vorhaben auch als mutig und konsequent werten, aber solches gilt immer nur dann ohne Einschränkung, wenn die Mutti der Nation gerade ihre Meinung geändert hat oder selbst vorgibt, was eine zu sein hat.

 

Hätte die Frau Güler doch nur ihren hübschen Mund gehalten. Dann hätte man sie auch bis zum Rentenalter als Beispiel für eine rundweg gelungene Integration gefeiert. Nun wird sie unter Beschuss genommen, und zwar so richtig von einer, die sich als Musterbeispiel gelungener Gleichberechtigung ganz sicher in die deutsch-islamische Geschichte einschreiben wird. Berivan Aymaz, integrationspolitische Sprecherin ihrer Partei (GRÜNE) fordert, dass Frau Güler erst mal Fakten liefern solle. Sie macht an drei Beispielen deutlich, was damit gemeint sei.

Güler möge bitte, erster Punkt, konkrete Fallzahlen liefern. Soll heißen: die ganze Aufregung lohnt doch gar nicht, wenn´s am Ende nur ein paar Mädels sind, die man (vorläufig) in den Kopfkäfig sperrt. Missbrauch dieser Art richtet sich also nach einer Art ´Fangquote´: wird die erreicht, dann kann oder darf mal was passieren.

Neusprech: Hast du halt Pech gehabt, gehörst du zu den wenigen hundert oder tausend Opfern. Es müssen schon ein paar hunderttausend mehr sein. Dann wird es auch gleich einfacher, dem noch einen Riegel vorzuschieben, nicht wahr? Das warten wir gern ab. Ob die Frau Aymaz im Blick auf jene nahezu hysterisch geführte MeToo-Debatte ähnlich großzügig argumentiert hätte? Hier bekamen die Opfer immerhin ein eigenes Gesicht, während es diesen schon im Ansatz geraubt, im Mindesten vierkantig ´versiegelt´ wird.

 

Mit Punkt Nummer Zwei empfiehlt sich Aymaz als waschechte Pragmatikerin. Sie fragt, ob denn durch kopftuchtragende Minderjährige bislang schon der Schulfrieden gestört worden sei. Man ist geneigt zurück zu fragen: wie hätten sie´s denn gern? Wer soll da wen und zu welchen Konditionen stören? Wer entscheidet, wann etwas bloß lästig ist, bevor es so richtig zu stören anfängt? Auch hier läuft also alles darauf hinaus das etwas (und mehr) passiert, bevor man tätig werden könnte oder sollte. Offenbar ist das aber kaum der Fall. Wenn alle brav dicht machen oder nur hinter vorgehaltener Hand tuscheln, dann wird schon alles in Ordnung sein. Das hat in Deutschland Tradition. Jene, die einst einen goldleuchtenden Stern tragen mussten, um sich so vor der Herrenrasse zu ´outen´, haben den Frieden der Volksgemeinschaft auch nicht gestört. Gekratzt hat von den andern ohnehin nur wenige, was aus diesen Menschen einmal werden soll. Mag der Vergleich hinken: gerade dieses friedliche Nichtstun sorgte doch im Ergebnis dafür, dass keiner ein schlechtes Gewissen zu kriegen brauchte, das kam erst später, dafür sorgten dann aber wiederum andere. In einer Herforder Moschee sind jüngst Kleinkinder in Kampfanzügen aufmarschiert, das ist aber um des lieben Friedens willen von der Frau Aymaz nicht als Störung desselben aufgefasst worden, sie hat sich gerade zu dieser martialisch anmutenden Verhüllung Minderjähriger bis heute nicht geäußert. Man stelle sich einen Moment lang vor, in einer evangelischen Kirche würden Jungen und Mädchen in Tarnanzügen der Bundeswehr die siegreiche Schlacht an der Marne abfeiern, ´untermalt´ von Heinos putzfidelen ´Heimatliedern´.

 

Drittens möchte Frau Aymaz in ihrer Anfrage gern wissen, ob mit dem Kopftuchverbot auch weitere religiöse Symbole zur Disposition stünden. Ganz klar, hier muss das wiederum sehr deutsche Prinzip der Gründlichkeit gelten. Mit einem spitzen Kreuz kann man ja, wie mit jedem Messer, andere Menschen meucheln, das nimmt langsam Überhand, und die Ungläubigen zwingen ihren ahnungslosen Nachwuchs ja auch ständig dazu, diese ´Symbole´ wie ein großes, breites Lätzchen bauchlängs mit sich herum zu schleppen. Beispiel Davidstern: er hat sechs Ecken oder Kanten, die sind scharf wie Dolche: so einen Schlagring kannst du jedem Schweinefleischmufti locker in den langen Hals rammen. Opfer! Noch besser freilich passte das Hakenkreuz in den umfassenden Diskurs, aber diesen Klemmkeil hat man längst verboten. Zu dumm auch, dass im Blick auf die rechtgläubige Verhüllung nicht ohne Verrenkungen der Mensch von seiner Herkunft, das Individuum von der überlieferten Tradition abgetrennt werden kann. Ist in anderen Zusammenhängen ständig von Beziehungstaten, psychischen Problemen und den diversen Ausgrenzungsbefindlichkeiten nebst etlichem mehr die Rede, um so die ethnische Zugehörigkeit des Täters entschuldigend zu überspielen, überführt dieselbe ihn sofort und ohne Ausflüchte, ist er Deutscher und/oder ein kleiner Nazi. Merkwürdig, dass sich bis jetzt noch keiner getraut hat zu sagen, das Kopftuch gehöre eigentlich nicht zum Islam. Immerhin gehört der jetzt immer öffentlicher zu Deutschland.

Der Chef der GRÜNEN im nordrhein-westfälischen Landtag, Arndt Klocke, legt im Blick auf das geplante Verbot noch einen nach. Er wirft dem vorgesetzten Minister der Frau Güler, Herrn Joachim Stamp (FDP)

Führungsschwäche vor. Wörtlich:“ Stamps Aufgabe wäre es eigentlich, seine Staastsekretärin einzufangen.“ Klingt irre Basisdemokratisch. Wie wäre es mit einem Maulkorb für freche Frauen mit Verdacht auf Islamophobie? Noch viel schlimmer findet Klocke, dass Stamps Staatsekretärin „munter nachlegt und eine gesetzliche Regelung bis Ende 2019 einfordert.“ So eine hysterische Kuh aber auch. Dieselben Leute, die in je anderen Zusammenhängen Tatenlosigkeit beklagen und Hinhaltetaktiken brandmarken, etwa im Blick auf eine neue Bundesregierung die nun endlich ihre Hausaufgaben machen möge, die fühlen sich nun also überfahren – übervorteilt. Passend dazu druckste sogar der Herr Stamp ein wenig verlegen, ein Verbot sei vielleicht doch ´etwas voreilig´. Geplant ist folglich eine Art Tempo-Limit auf allen Wegen, mögen sie noch so holperig und abwegig sein; damit erreicht man das Ziel der Integration sicher nicht am schnellsten, dafür aber so gelassen wie möglich.

 

Besser dann, man tut einfach gar nichts. Darauf läuft´s hinaus. Soll heißen: Man reagiert so phlegmatisch wie ein in die Jahre gekommener Brennpunktpauker, der gegen Ende seiner Pausenaufsicht mit den Lieblingsschülern aus dem Jahrgang über mögliche Referats-Themen fachsimpelt, während hinter seinem Rücken die nächste Keilerei angezettelt wird. Wozu sich umdrehen? Gleich ertönt erlösend der Gong, dann rennt die Meute in den Unterricht zurück. Vielleicht sind die Kids dort noch immer in Feierlaune, aber darum kümmern sich dann ja die KollegInnen. Meine Tageszeitung zitiert den FDP-Abgeordneten Marcel Hafke, der erklärte, er habe in Kitas noch kein Mädchen mit Kopftuch gesehen. Er glaube jedenfalls nicht, „dass es dort Probleme gibt.“ Wenn nicht sein kann, was nicht sein darf und wenn nach Treu und Glauben darüber entschieden wird, ob etwas schief geht oder besser nicht, dann haben endgültig die drei Affen das Ruder übernommen: die kümmern sich akribisch um die eigenen Kopfläuse, während es im Dschungel bereits brennt.

 

 

 

Numeri 24 : 9 - Foto: Bundesarchiv, Bild 137-012602 / Klinghardt / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons


Sonntag, 15 April 2018






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