Carl-Einstein-Archiv der Akademie der Künste digitalisiert

Carl-Einstein-Archiv der Akademie der Künste digitalisiert


Ab sofort stehen unter www.adk.de/einstein sämtliche Werkmanuskripte und Briefe von Carl Einstein mit über 8.000 Seiten in digitalisierter Form in der Datenbank des Archivs der Akademie der Künste zur Verfügung.

Möglich wurde die Digitalisierung in Kooperation mit dem Haus der Kulturen der Welt, das vom 13. April bis zum 9. Juli 2018 zahlreiche Handschriften des Kunstkritikers und Dichters Carl Einstein im Original in der Ausstellung „Neolithische Kindheit. Kunst in einer falschen Gegenwart, ca. 1930“ präsentiert. Kaum jemand hatte mit der Überlieferung seines Nachlasses gerechnet, nachdem er 1940, gerade einmal 55 Jahre alt, auf der Flucht vor den Nationalsozialisten in Südfrankreich in den Freitod gegangen war. Doch der Autor hatte in den Jahren, als er in Spanien gegen Franco kämpfte und nach dem deutschen Überfall auf Frankreich interniert war, für die Erhaltung seiner Manuskripte gesorgt. Die Zusammenführung der Nachlassteile in den 1960er Jahren ist vor allem Einsteins erster Frau, Maria Einstein-Schaefer, der gemeinsamen Tochter Nina, Einsteins Witwe Lyda, der Germanistin Sibylle Penkert und nicht zuletzt dem damaligen Archivleiter Walter Huder zu verdanken.
Das Carl-Einstein-Archiv ist als „national wertvolles Kulturgut“ eingestuft.

 

Carl Einstein verstand sich nicht als Kunstwissenschaftler, sondern er war Partei in den Auseinandersetzungen um die Kunst von heute und morgen. Die Kriterien zur Beurteilung, wie zeitgemäße Kunst beschaffen sein muss, bezog er aus der Analyse der französischen Avantgarde und der afrikanischen Plastik. Seine im Vergleich gefällten Urteile waren aufgrund ihrer schneidenden Schärfe unter den deutschen Künstlern gefürchtet. Von Hause aus Schriftsteller, liebte Einstein die aphoristische Zuspitzung. Sein Archiv ist voller solcher Notate, die erst Werk werden wollten und in Buchform kaum zu publizieren sind. Die Onlinestellung soll als Einladung verstanden werden, neben den gedruckten Werken die Handschriften seiner Großprojekte „Handbuch der Kunst“, „Histoire de l'art“, „Bebuquin II“ sowie die kleineren Abhandlungen zu entdecken. Die Mühe, sich in die schwierige, im Laufe des Lebens mehrmals radikal ändernde Handschrift Einsteins einzulesen, wird durch neue Erkenntnisse und Sichtweisen auf sein Werk belohnt werden und offenbart, dass noch der kleinste Zettel aus Einsteins Hand mehr Anregung und Provokation enthält, als viele dickleibige Kunstgeschichten zusammen

 

 

Foto: Gemälde Carl Einstein (Foto: Anita Rée [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], from Wikimedia Commons)


Donnerstag, 12 April 2018