Antwort zivilgesellschaftlicher Initiativen auf Statement von Arte zur Kritik an Gaza-Reportage

Antwort zivilgesellschaftlicher Initiativen auf Statement von Arte zur Kritik an Gaza-Reportage


Verschiedene zivilgesellschaftliche Organisationen, Vereine und Einzelpersonen - darunter der Zentralrat der Juden in Deutschland und Charlotte Knobloch - haben mit einem gemeinsamen Schreiben auf das Statement von Arte Straßburg zur Kritik an einer Reportage über Gaza [1] reagiert.


Nach der Veröffentlichung eines Offenen Briefes [2], in dem der Reportage u. a. “eklatante journalistische Mängel” und ein “stark verzerrtes” und dämonisierendes Bild von Israel vorgeworfen wurde, hatte Arte in einer Pressemitteilung vom 1. August die Vorwürfe in einer Stellungnahme abgewiesen.

Die Unterzeichner des Offenen Briefes hatten auf die Verbindungen der Autorin bzw. ihres Teams zu dem Online-Portal „Electronic Intifada“ hingewiesen und der Reportage Einseitigkeit vorgeworfen. Arte wurde aufgefordert, die Dokumentation „unter seriösen journalistischen Gesichtspunkten zu überarbeiten oder die Veröffentlichung zurückzuziehen“.


In gemeinsamen Schreiben wenden sich insgesamt 23 Organisationen und Einzelpersonen erneut an Arte. Man begrüße das Vorhaben Artes, eine Vielzahl unterschiedlicher Perspektiven des israelisch-palästinensischen Konflikts in seinem Programm abzubilden. 


Man sei jedoch verwundert, dass trotz eines gemeinsamen Briefes mehrerer Organisationen Arte nicht bereit sei, sich auf eine inhaltliche Diskussion des Beitrags einzulassen und zu den genannten Punkten Stellung zu beziehen. 
Gegenstand der Kritik sei nicht die Darstellung des Leids in Gaza, sondern die unzureichende Kontextualisierung der Interviews durch die Off-Kommentare. Eine freie Urteilsbildung sei durch die einseitige Sichtweise nicht gewährleistet, wenn Arte “Aktivisten” des Online-Portals “Electronic Intifada” mit einer Reportage über Gaza beauftrage.


Die im Offenen Brief formulierte Kritik an der Reportage sei durch Arte “keineswegs entkräftet” worden und weiterhin “schwerwiegend”. 
Dazu kommentierte die Vorsitzende des Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus e. V. (JFDA) Lala Süsskind: 


„Das Leid der Bevölkerung in Gaza muss thematisiert werden – keine Frage. Der subjektive Charakter einer Reportage kann jedoch nicht als Ausrede dienen, wenn wichtige Fakten in einem hochkomplexen Konflikt unterschlagen werden. Der Verdacht liegt nahe, dass der Aktivismus des Film-Teams durchschlägt und deswegen die journalistische Sorgfaltspflicht vernachlässigt wurde. Die Off-Kommentare dämonisieren Israel und stellen es als alleinigen Schuldigen für das menschliche Leid in Gaza dar.“ 

 


[1] http://www.arte.tv/sites/de/presse/pressemitteilungen/pressestatement-zur-kritik-an-der-arte-reportage-vom-22-juli-2017/?lang=de
[2] https://jfda.de/blog/2017/08/01/offener-brief-an-arte-bzgl-doku-gaza-ist-das-ein-leben/
 


Montag, 07 August 2017