Internationaler Tag gegen Homophobie: Auf Homosexualität steht in Iran noch immer die Todesstrafe

Internationaler Tag gegen Homophobie: Auf Homosexualität steht in Iran noch immer die Todesstrafe




Während sich viele Länder darauf vorbereiten, am 17. Mai den Internationalen Tag gegen Homophobie zu begehen, werden Homosexuelle in Iran weiterhin staatlich verfolgt und schikaniert. Erst vor wenigen Tagen wurde berichtet, dass vier iranische Männer wegen angeblichen homosexuellen Verkehrs hingerichtet werden sollen, nachdem das Oberste Gericht das Urteil bestätigt hatte. [1] Im Monat zuvor hatte sich ein hochrangiger iranischer Geistlicher gegen Homosexuelle sowie die Legalisierung der Homosexualität in westlichen Staaten ausgesprochen. Er behauptete unter anderem, Homosexuelle und Politiker, die sich für deren Rechte aussprechen, seien weniger wert als Tiere. [2]

Homosexualität verboten

Gemäß iranischem Recht wurden bis vor kurzem alle Beteiligten für Geschlechtsverkehr zwischen Männern mit dem Tode bestraft. [3] Nach einer Gesetzesänderung, die kürzlich vom iranischen Parlament beschlossen wurde, wird nun die Person, die die aktive Rolle eingenommen hat, mit 100 Peitschenhieben bestraft, wenn der Sex einvernehmlich geschehen und die Person nicht verheiratet ist. Derjenige, der die passive Rolle übernommen hat, wird noch immer zum Tode verurteilt, unabhängig davon, ob er verheiratet ist oder nicht. [4]

Die Strafe für Frauen, die der Homosexualität bezichtigt werden, besteht aus 100 Peitschenhieben. Frauen, die zum vierten Mal beschuldigt werden, werden zum Tode verurteilt. [5]

Urteile wegen Homosexualität „beruhen oft auf Geständnissen, die durch Folter und extremen psychologischen Druck erlangt werden, und Gerichte haben Angeklagte allein aufgrund des ‚Wissens des Richters’ wegen Homosexualität verurteilt“, teilte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch 2010 in einem Bericht mit. [6]

Es wird geschätzt, dass seit der Islamischen Revolution 1979 über 4.000 homosexuelle Frauen und Männer hingerichtet worden sind. [7] Viele andere wurden gefoltert und schikaniert. [8]

‚Eine Kombination aus Leugnung, Ignoranz und Homophobie´

Im September 2007 behauptete Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad an der Columbia University in New York: "In Iran gibt es keine Homosexuellen wie in Ihrem Land." [9]

Human Rights Watch schreibt dazu: „Ahmadinedschads Position, dass es in Iran keine Homosexuellen gibt, deckt sich mit der Leugnung und der Intoleranz der iranischen Regierung gegenüber sexuellen Minderheiten.“ [10] In einem neuen Bericht der britischen Nichtregierungsorganisation Small Media heißt es: „Diese Kombination aus Leugnung, Ignoranz, Unterdrückung, Homophobie und Verfolgung, mit der LGBT-Iraner [d.h. lesbisch, schwul, bi- und transsexuell] täglich konfrontiert sind, ist extrem gefährlich.“

Im vergangenen Monat verdammte der iranische Geistliche Ajatollah Dschavad-Amoli Homosexuelle sowie westliche Politiker, die für die Rechte Homosexueller eintreten. „Nicht einmal Vögel, Raubtiere, Hunde und Schweine begehen derartige Akte. Gemäß dem Koran sind diejenigen, die solche Handlungen in ihren Parlamenten befürworten, den Tieren untergeordnet“, sagte er während einer Versammlung Geistlicher in der iranischen Stadt Qom. „Der Koran… sagt über sie (Homosexuelle), dass sie den Tieren unterlegen sind… nicht einmal Hunde und Schweine begehen diese abscheuliche Tat, die sie in ihren Parlamenten legalisieren.“ [11]

 

Quellenangaben:

[1] “Four Iranian men due to be hanged for sodomy”, Pink News, May 12, 2012,

http://www.pinknews.co.uk/2012/05/12/four-iranian-men-due-to-be-hanged-for-sodomy/

[2] “Homosexuals are inferior to dogs and pigs, says Iranian cleric” The Guardian, April 18, 2012, http://www.guardian.co.uk/world/iran-blog/2012/apr/18/iran-cleric-condemns-homosexuality

[3] The Islamic Penal Code of Iran, 1991, articles 110, 111,

http://www.unhcr.org/refworld/pdfid/4d384ae32.pdf

[4] “Iran ´misleading international community´ with death penalty claims”, The Guardian, February 13, 2012,

http://www.guardian.co.uk/world/2012/feb/13/iran-misleading-death-penalty-claims

[5] The Islamic Penal Code of Iran, 1991, articles 129, 131,

http://www.unhcr.org/refworld/pdfid/4d384ae32.pdf

[6] “We Are a Buried Generation”, Discrimination and Violence against Sexual Minorities in Iran, Human Rights Watch, Dec. 2010,

http://www.hrw.org/node/94977/section/3

[7] “Reza Farahan, Gay Iranian, Stars In Bravo´s ´Shahs Of Sunset´ Reality Show”, The Huffington Post, March 10, 2012,

http://www.huffingtonpost.com/2012/03/10/reza-farahan-gay-iranian-shahs-of-sunset_n_1336858.html

[8] “LGBT Republic of Iran: an online reality?” A Small Media Report, May 2012,

http://smallmediafoundation.com/files/LGBTRepublicofIran.pdf

[9] “´No homosexuals in Iran´: Ahmadinejad”, AFP, Sept. 24, 2007,

http://afp.google.com/article/ALeqM5hATGOzv6YSmgeMY1zdYbdpyrG2cw

[10] “We Are a Buried Generation”, Human Rights Watch, Dec. 15, 2010,

http://www.hrw.org/node/94977/section/3

[11] “Iranian Ayatollah: Homosexuals Are Inferior to Animals”, MEMRI, May 8, 2012,

http://www.memri.org/report/en/0/0/0/0/0/0/6346.htm

 

RealiteEU

 

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Donnerstag, 17 Mai 2012