Dr. Nathan Warszawski: Offener Brief an Uri Avnery zu dessen `Boykott-Gesetz´-Artikel

Dr. Nathan Warszawski:

Offener Brief an Uri Avnery zu dessen `Boykott-Gesetz´-Artikel




Mit einem offenen Brief antwortet Dr. Nathan Warszawski auf einen Artikel des linken Aktivisten Uri Avnery, den dieser anläßlich des sog. `Anti-Boykott-Gesetzes´ der Knesset, des israelischen Parlaments, veröffentlich hat. haOlam.de dokumentiert dieses Schreiben in voller Länge:

 

 

Lieber Uri,

 

Sie wissen, dass ich Ihnen Ihr Alter und Ihre Liebe zu Zion zu Gute halte. Diesmal haben Sie erneut den Bogen überspannt, da Sie die Sicherheit der Juden in der Galuth (Diaspora) gefährden. Als Auslandsjude und Auslandsisraeli zwingen Sie mich, auf Ihren Artikel zu antworten.

 

Sollten Sie den Artikel veröffentlicht haben, um Antisemitismus zu schüren, damit die Juden nach Zion zurückkehren, so ist Ihr Artikel akzeptabel, wenn auch unangenehm. In diesem Fall ignorieren Sie bitte alles Folgende.

 

Sie schreiben, dass sich Israel von der Demokratie entfernt, weil die Knesset ein Anti-Boykott -Gesetz erlassen hat, um Boykottaufrufe gegen den Staat Israel einschließlich der Gebiete, die unter Israels Kontrolle sind, zivilrechtlich zu verbieten. Dieses Gesetz gilt selbstredend nur in Israel, keiner muss ins Gefängnis, lediglich zahlen. Ob es beim Obersten Gerichtshof Israels durchkommt, steht in den Sternen, da Gesetze nicht an ihrem Inhalt, sondern an ihrer Form scheitern, was keinen Schluss zulässt, ob sie ethisch gut sind oder nicht.

 

Sie schreiben, dass Boykott ein demokratisches Recht ist. Das stimmt – mit Einschränkungen.

 

Wenn eine Firma überteuert Hüttenkäse verkauft und eine Organisation deshalb zum Boykott aller Waren der Firma aufruft, so tut sie dies, um den Status quo ante wiederherzustellen. Die Boykott-Organisation will nicht die Hüttenkäse-Firma liquidieren, sondern die Hüttenkäse-Firma zwingen, den Hüttenkäse billiger zu verkaufen. Wenn eine Firma Angestellte auf Grund ihrer dunklen Hautfarbe entlässt, so ist es das Ziel der Boykott-Organisation, die Entlassenen wieder einzustellen, nicht deren Arbeitsplätze für alle Zeit zu vernichten. Diese Boykotte sind ethisch.

 

Der Boykott gegen Südafrika der Apartheid war unter den o.g. Bedingungen unethisch. Denn es ging um die Liquidierung des Apartheidsystems, nicht um bessere Bezahlung der Arbeiter. Der Boykott wurde gekaschert, ethisch gemacht, indem das Apartheidsystem selbst als unethisch deklariert wurde. Genauso ist der Boykottaufruf der Nationalsozialisten „Kauft nicht beim Juden“ zu verstehen. Den Juden sollte die Existenzgrundlage entzogen werden, weil sie für die Nazis an sich schlecht und unethisch waren. Somit wurde der Boykottaufruf der Nazis gekaschert, legitimiert.

 

Auch unter Stalin wurden Kulaken, „reiche“ Großbauern“ boykottiert, da sie der Entstehung des Sowjetmenschen im Wege standen. Die Nazis und die Bolschewiken hatten nicht die Absicht, dass Juden und Großbauern ihre Waren billiger feilboten, sie wollten die Juden und die Kulaken liquidieren/loswerden/ermorden.

 

Sie schreiben, dass Sie bereits 1997 zum Boykott jüdischer Waren aufgerufen haben, die außerhalb der Grenzen Israels von 1967 erzeugt wurden, in der Absicht, die Zukunft Israel zu sichern. Ihr Vorhaben genießt somit dieselbe ethische Höhe wie die Boykottaufrufe Hitlers und Stalins. Auch diese beiden Ehrenmänner wollten Deutschland, resp. der Sowjetunion die Zukunft sichern.

 

Sie werden entgegnen, dass Sie nicht zum Boykott israelischer Waren an sich aufrufen, sondern lediglich zum Boykott der Waren, die außerhalb der Grenze von 1967 von Juden, genauer von Juden oder Arabern unter einem jüdischen Management erzeugt werden. Arabisch-palästinensische Waren unter muslimischen, christlichen oder atheistischen Palästinensern aus demselben Gebiet sollen davon ausgenommen sein. Mit anderen Worten: Sie sind ein religiöser Rassist!

 

Sie werden entgegnen, dass Fabriken in jüdischer Hand außerhalb der Grenze von 1967 einem Frieden entgegenstehen. Wenn die dort lebenden jüdischen Bewohner, Siedler genannt, ins Kernland Israels fahren, um dort Produkte herzustellen, wäre das O.K.? Akzeptieren Sie aus ideologischen Gründen arbeitslose Westbank-Palästinenser?

 

Den Kern der Problematik haben wir noch nicht berührt. Antisemitische Europäer, Nicht-Juden wie Juden, sehen im Boykott jüdischer Waren aus der Westbank die Chance, ganz Israel zu boykottieren. Diese Trittbrettfahrer benutzen die nützlichen jüdisch-israelischen Idioten, um Israel schlecht zu machen, dem Staat, ob jüdisch oder nicht genannt, die Existenz abzusprechen, und gleichzeitig gegen ihre europäischen Juden vorzugehen. Also gegen mich.

 

Uri Avnery ist ihr nützlicher Idiot. Sie überhäufen ihn mit Schmeicheleien, Geld und Friedenspreisen, damit er gegen Juden hetzt. Sie geben sich erfolgreich als Israelfreunde aus, sind angesehene Mitglieder Deutsch-Israelischer Gesellschaften und trotz (oder wegen?) ihres Atheismus regelmäßige verständnisvolle interessierte Synagogenbesucher.

 

Da Uri im Zionistenland lebt, übersieht er die Bedrängnis der europäischen Juden. Einmal, kurz nach der Machergreifung der Nazis, hatte er richtig gehandelt. Instinktiv wusste er, dass ihn die Nazis auch dann umbringen würden, wenn er ihnen die richtigen antisemitischen Parolen liefern würde. Im Alter vergisst man.

 

Dr. Nathan Warszawski

 

Foto: Klare Verhältnisse - großes "Palästina", kleines Israel: Logo der Avnery-Organisation "Gush Shalom"

 

Link zum Thema:

 

 

Lesen Sie hierzu auch:

 

 

Dr. Nathan Warszawski bei haOlam.de:

 

 

Dr. Nathan Warszawski bei der Achse des Guten (AchGut)

 


Sonntag, 17 Juli 2011





Die Fünfte Kammer des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (ECHR) erklärt den Boykott israelischer Waren für gesetzwidrig. Damit wird ein Rechtsstreit beendet, der bis zum Okt...ober 2002 zurückreicht. Der Text des Urteils besteht aus 42 Absätzen; er schildert den Verlauf des Streites und die Urteile der vorherigen Instanzen. Im Anhang befindet sich die Begründung des tschechischen Richters Karel Jungwiert für seine Gegenstimme.

http://www.eussner.net/artikel_2009-07-26_22-32-37.html



Vielen Dank für den hervorragenden Text. Er ist die passende und richtige Antwort an den hochgejubelten Avnery. Ob es wohl eine Antwort geben wird von Herrn Avnery?



Uri Avnery ist weltbekannt & bekommt demnächst wohl den Nobelpreis.

Dieser Herr Warzawski ist ein neidischer Gartenzwerg, der böse ist, dass ihn niemand kennt.



"Avnery ist weltbekannt ...", ja, bei roten und braunen Antisemiten. Er war ja ausch schon Interviewpartner der "Jungen Freiheit". Und für was soll der alte Zausel den Nobelpreis bekommen und welchen Nobelpreis überhaupt?

Dr.  Warszawski hat eine sehr treffende und klar formulierte Antwort an Herrn Avnery gegeben, der sich wahrscheinlich um eine Antwort drücken wird - wundern würd´s mich nicht. Mit Kritik können Linke in der Regel eh nicht umgehen .....



Der "Linksmän", immer für einen Lacher gut -- der sollte mal nicht von sich auf andere schließen... da sieht man mal wieder, wie es um den Nobelpreis steht.



Arafat hat auch einen bekommen, was alles aussagt. Avnery ist nicht weltbekannt, sondern nur im deutschsprachigen Raum bei einer gewissen Klientel, in Israel bedient man ihn noch nicht einmal mehr an den Supermarktkassen, denn er verhöhnt den Staat, der Ihn beschützt und schürt tatsächlich den Antisemitismus gegen die Diasporajuden.



Alle hier die mit dem begriff "An­ti­se­mi­tis­mus" um sich schmeißen sollten mal das Buch "An­ti­se­mi­tis­mus als po­li­ti­sche Waf­fe" lesnen.



Ich würde Dir eher empfehlen, "Der ewige Antisemit" und "Der ewige Sündenbock" zu lesen, vielleicht hilft es bei Dir ja noch .....



Nein, danke kein bedarf! Möchte dir auch eine empfehlung mit geben.

"Die Holocaust-Industrie. Wie das Leiden der Juden ausgebeutet wird"

vielleicht hilft es bei Dir....genau hinzuschauen, wenn man israel kritisiert.

 

@ haolam

war ja wieder klar, auch wenn sie hier zensur vornehmen das medium internet kann man nicht zensieren.



Uri Avneri war schon 1967 nicht ganz dicht. Ich hatte Discussionen mit ihm. Aber es zeigt sich, das Alter macht nicht weise. Er hat schon 1967 nicht begriffen, wenn Israel den Krieg verliert, dann gibt es keine Zuflucht mehr für Juden. Schade, das sein Schiff seinerezeit nach Israel zurück gekommen ist. Nur der Name Uri bringt meinen Bludruck hoch.

Ich habe längere Zeit als Freiwilliger in Israel gelebt und bin weder Jude noch Israeli.

Bei mir ist die " Gretchen " Frage : Wie stehst du zu Israel - Privat und als Staat.

 



Es gibt keine Bedrängnis europäischer Juden, es sei denn sie meinen die Bedrängnis durch ultra-Zionisten und ihrer Organisationen, von denen die meisten im Hintergund von der israelischen ultra-rechten Koalition und ihrer staatlichen Dienern gesteuert werden.

Es gibt keine - oder fast keine - antijüdischen/antisemitischen Juden, aber es gibt eine nicht zionistische oder sogar antizionistische Mehrheit unter den europäischen (auch der amerikanischen)  Juden. Diese kritische Haltung der Juden in der Diaspora wird noch verstärkt, wenn Zionismus sich inzwischen mit der religiösen Orthodoxie verheiratet und den sekulären Character des Herzl'schen Zionismus immer mehr aushöhlt.

Ich vermute, dass z.Z. nur eine kleine Minderheit der Juden den Boykott von israelischen Produkten und Dienstleistungen aus den besetzten Gebieten untewrstützt bzw. praktiziert, aber meine Erfahrung (aus Gesprächen in der Gemeinde und mit Freunden) ist, dass sich jetzt gerade die Zahl der Boykotteure stark erhöht. Aus Protest gegen die faschistoide anti-boykott Gesetzgebung, die von allen Ländern der Welt, inkl. US und EU, scharf kritisiert wird.
Shalom



@ Robert:

Ich weiß nicht, wo Du lebst und in welcher Gemeinde Du bist. Nur: Jeder kann sehen, das der Antisemitismus massiv zunimmt. Selbst eher linke Politiker wie Cem Özdemir haben explizit den zunehmenden muslimischen Antisemitismus als ernsthafte Gefahr für unsere Demokratie bezeichnet. Daneben rate ich Dir zur Lektüre der jährlichen Verfassungsschutzberichte.

Ich kann von meinen Erfahrungen sowohl in Deutschland, als auch in den USA nur sagen, das in der jüdischen Gemeinschaft ein starker Rückhalt für Israel vorhanden ist und auch und gerade für die Regierung Netanyahu/Lieberman - die Zustimmung bei den Juden in den USA ist sicherlich größer als bei den Juden in Deutschland - aber in beiden Ländern ist es eine überwältigende Mehrheit die weit über 2/3 ausmacht. Mag sein, das Du vielleicht in einer der versprengten "israelkritischen" Sekten und gar bei Naturei Karta bist, die weltweit gerade einmal 4.000 Mitglieder hat.

Aber deine infame Unterstellung, deine driste Unwahrheit von der "faschitoiden" Regierung in Israel wirft die Frage auf, ob Du dir nicht selber einen Gefallen tun würdest, darüber nachzudenken, inwieweit antisemitische Reflexe und Gedankmuster bei Dir vorhanden sind.



Bolkenstein hat den Juden in Holland geraten auszuwandern, in Schweden werden Juden bedrängt, gerade eben hat ein Moslem offen im Internet angedroht Juden zu ermorden

http://tangsir2569.wordpress.com/2011/07/18/allahist-kundigt-mord-an-einem-judischen-schuler-an/#comments

Wo lebt dieser Robert eigentlich? Gehört er der Neturei Karta an?



"Wo lebt dieser Robert eigentlich?"

 

@Zahal, der Kerl schreibt auch bei Hagalil so viel Mist. Noch nicht mal ignorieren.

 

"Die Holocaust-Industrie. Wie das Leiden der Juden ausgebeutet wird"

 

@Gast

 

wer das Buch eines bekannten Antisemiten empfiehlt, hat es wohl dringend nötig.