Kommentar von Naftali Neugebauer: Bibi hat recht - `Europa endet in Israel´

Kommentar von Naftali Neugebauer:

Bibi hat recht - `Europa endet in Israel´


Orban und Netanjahu treffen sich in Budapest. Die Mikrofone sind offen und Netanjahu spricht wahre Worte über Europa.

Was der israelische Premier über Europa in einem wohl nur vermeintlich versehentlich offenen Mikrofon bei einem Treffen mit Premier Orban sagt, erzeugt Schnappatmung bei den volkserziehenden Medien der freien Welt, wie FAZ oder SPIEGEL. Doch Netanjahu hat recht. Womit? Hier die wesentlichen Passagen, wie sie von ynet vollständig dokumentiert worden sind und dann in Folge von deutschen Medien kolportiert werden. Nachstehend Auszüge der wichtigsten Statements:

 

"Die EU ist verrückt. Die Europäische Union ist die einzige Vereinigung von Ländern weltweit, die ihre Beziehungen mit Israel an politische Bedingungen knüpft."

 

"Europa gefährdet seine eigene Entwicklung, indem es seine Beziehung zu Israel in Gefahr bringt wegen dieses verrückten Versuchs, Bedingungen zu schaffen."

 

"Es waltet keine Vernunft in Europa. Europa unterhölt seine eigene Sicherheit, wenn es die Sicherheit Israels unterhölt."

 

"Europa muss sich entscheiden. Will es leben und prosperieren oder will es verdorren und untergehen? (...) Wir sind Teil der europäischen Kultur. Europa endet in Israel. Östlich von Israel gibt es kein Europa."

 

Diesem Befund ist wenig hinzuzufügen, er stimmt.

 

Die Angst Europas

 

Warum will die EU Jerusalem teilen, Israel zerschlagen und einen Phantasiestaat namens "Palästina" anerkennen? Es geht um Ökonomie, aber nicht nur: Ja, es hat mit 3.500 Jahren Judenhass, Neid, Wut und Angst zu tun. Nein, es geht nicht um eine Verschwörung. Und Ja, Europa wird den Juden die Schoa niemals verzeihen (© H. Broder).

 

Kein einziges Mal wollte Israel Europa erobern. Im Gegenteil. Juden haben Europa Fortschritt gebracht: Von der Idee der Freiheit und Gerechtigkeit über die Grundlage der drahtlosen Datenübertragung bis hin zur Relativitätstheorie. 20% der Nobelpreisträger haben einen jüdischen Hintergrund. Soviel in Stichworten die Ausgangslage, die Bibis Befund stützen.

 

Heute ist daher eine neue Qualität hinzugekommen: Israel ist potentieller Konkurrent in Wirtschaft und Wissensproduktion, der seinen Wettbewerbsvorteil ausbaut. Innovationen, Start-ups und Nobelpreise sprechen eine klare Sprache. Europa ist zur jüdischen Kultur abgeschlagen und gibt alte, verstockte Antworten: Judenhetze. Heute sind Juden in Europa wieder einsam, alleine und tödlich bedroht: Stockholm, Berlin, Paris, London, Athen, Budapest, Kiew, Wien,...

 

Diese neue Qualität drückt sich in Wirtschaftszahlen aus. Im zentralen Segment der Wirtschaft - Venture Capital (VC) - zog Israel 1,7 Mrd. EUR, die EU 7,4 Mrd. EUR an Land (2013). VC wuchs von 2012 auf 2013 für Israel um 55%, für Europa um 19% . Israel hat die Nase eindeutig vorn, wie leicht zu ersehen ist: Ein Wirtschaftsraum von rund 9 Millionen Einwohnern matcht ernsthaft einen ähnlich industrialisierten Wirtschaftsraum von rund 450 Millionen Einwohnern. Die EU re-agiert irrational und schlägt um sich.

 

Die EU empfindet mit Israel nicht nur ein politisches, sondern auch ein zukünftiges, wirtschaftsstrategisches Problem: Netanjahu hat in einer Grundsatzrede 2014 vor dem AIPAC ein Angebot an die arabische Welt gemacht, das in Kurzform lautet: Wenn ihr Demokratien werdet, dann machen wir einen gemeinsamen Wirtschaftsraum.

 

Die Botschaft wurde gehört. Nervosität bei islamischen Diktatoren und in Teilen des EU-Establishments. Ein neues Narrativ macht sich auf. Das Opfer könnte sich verabschieden. Den pauperisierten Massen könnte man eine Vision, ein Bild von einer besseren Welt bieten.

 

Ein wirtschaftlich vereinter Naher Osten unter dem Vorzeichen Demokratie und Menschenrechte! Was für eine Vision. Realisierbar nur mit der Übergangsphase der Spaltung arabischer Staaten in demokratische und islamische Staaten; so wie einst Europa in demokratische und kommunistische Staaten gespalten war.

 

Das Drehbuch ist bekannt. Für lupenreine arabische Demokratien gibt es einen Marshallplan de-luxe und für die anderen: "No Deal, No Appeasement!" Man hört auch schon Naftali Bennett von einem Marshallplan für den Nahen Osten sprechen. Es ist möglich, wenn man es will. Freilich, Freiheit zum Nulltarif gibt es nicht. Hat es niemals gegeben, wird es niemals geben.

 

Ich denke, der Islamismus erledigt sich dann rasch. Menschen wollen Frieden, Wohlstand und Demokratie, aber keine Armut, keine Scharia und islamische Diktaturen, wenn sie denn wählen könnten. Die Innovationskraft Israels und das arabische Kapital und ein Markt von ca. 400 Millionen Menschen können einen prosperierenden Markt unter dem Vorzeichen Demokratie schaffen, wo Gott alleine Privatsache ist.

 

Diese Vision ist für eine EU, wie sie jetzt aufgestellt ist, aber eine Bedrohung. Die EU handelt im Reflex: Israel und weitere demokratische Staaten (Kurden) und damit Frieden im Nahen Osten werden verhindert. Die EU hat bei einem Frieden im Nahen Osten kurzfristig am meisten zu verlieren. Ökonomisch wie politisch.

 

Darum fürchtet sich die EU und schlägt um sich. Aber langfristig hat die EU sehr viel zu gewinnen. Die EU agiert irrational. Sie hält islamische Diktaturen an der Macht und will mit Palästina eine weitere Terrorkratie und einen weiteren religiösen Apartheidstaat als failed state schaffen. Die EU hat es in der Hand, eine neue demokratische Wachstumsphase möglich zu machen und gewinnbringend zu partizipieren. Einen Marshallplan (ERP) für die Demokratien im Nahen Osten. Das geht freilich nicht mit Judenhass, der Jerusalem teilen und Israel vernichten will.

 

 

Erstveröffentlicht bei prikk


Freitag, 21 Juli 2017