Fünfte Jahreszeit: Carneval Correctness

Fünfte Jahreszeit:

Carneval Correctness


Früher war alles schlechter. Da ging es beim Karneval noch darum, einmal so richtig unkorrekt zu sein und alles anders zu machen, als die Herrschenden sich das sonst einfordern. Respekt vor kirchlicher Doktrin und politischer Obrigkeit wichen den Freuden des Fleisches und ätzendem Spott.

von Vera Lengsfeld

 

Vor der neuen Doktrin der Politischen Korrektheit und ihren Hohepriestern an den Universitäten knicken die Karnevalsgesellschaften heute aber glücklicherweise schnell ein. In Fulda z.B. verzichtete ein Verein auf das traditionelle Kostüm des „Negers vom Südend“, weil „Mitglieder der Hochschule in Fulda“ Rassismusvorwürfe erhoben. Böses „Blackfacing“ soll ab jetzt nie wieder vorkommen in Fulda, man will in Zukunft schließlich wieder ohne Polizeischutz auftreten können.

 

Doch der „Neger“ war nur ein Anfang. Alle Verkleidungen als „Randgruppen“ müssen über kurz oder lang aus den Faschingsumzügen verschwinden. Die Kampagne „Ich bin kein Kostüm“ weist schon einmal in die richtige Richtung. Sie will die Leute dazu bringen, endlich auf Kostümierungen als Indianer, Geisha oder Mann in Frauenkleidern zu verzichten. Danke Amadeu Antonio Stiftung, Antidiskriminierungsverband Deutschland und DIE LINKE e.V.! Und danke deutscher Steuerzahler für die Finanzierung der Kampagne.

 

Die Jecken goutieren diese absolut notwendigen Einschränkungen der Narrenfreiheit, indem sie die Anhänger von Oppositionsparteien fertigmachen und die außenpolitische Perspektive der Regierung propagieren. Sie zeichnen Trump als Vergewaltiger der Freiheit, während sie vor den Vergewaltigern der Silvesternächte durch besondere Sicherheitsmaßnahmen geschützt werden. Was für Narren.

 

 

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Vera Lengsfeld, Publizistin, war eine der prominentesten Vertreterinnen der demokratischen Bürgerrechtsbewegung gegen die "DDR"-Diktatur, sie gehörte 15 Jahre dem Deutschen Bundestag als Abgeordnete der CDU an. Sie publiziert u.a. in der Achse des Guten und in der Jüdischen Rundschau.

 

 

Foto: Rosenmontag in Köln 2009 (Foto: von Volker Urban from Köln Cologne, Germany (SDC10407_PreussenLook  Uploaded by ZH2010) [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons)


Mittwoch, 01 März 2017





Vor allem fiel der diesjährige Karneval dadurch auf, dass er die herrschende Politik allenfalls mit Augenzwinkern karikiert hat und sich besonders auf ausländische Politiker (z.b.Trump) und Oppositionsparteien (Afd) eingeschossen hat. Eine solche Mainstream- und Regiergunsnähe ist bedenklich. Eigentlich sollten die "tollen Tage" dazu genutzt werden, der eigenen herrschenden Politik den Spiegel vorzuhalten.

Früher war der Karneval mal Volkes Meinung, aber auch das ist bezahlter Kommerz, geworden.