Von Heiligen und anderen Antisemiten

Von Heiligen und anderen Antisemiten




von Dr. Nathan Warszawski

Auch wenn Papst Franz meint, dass Juden, Muslime und Christen den selben Gott mit verschiedenen Namen anbeten, unterscheiden sich bereits die monotheistischen Religionen untereinander nicht nur in der Definition ihres Gottes. So ist Jesus weder für Juden, noch für Muslime göttlich. Das Judentum kennt keine heiligen Menschen, die Heiligkeit ist für Gott und bestimmten Plätzen reserviert. Seligkeit hingegen trifft jeden Juden beim Ableben als Gratiszugabe. Hinter dem Namen des verstorbenen wird s“l gesprochen und geschrieben, was zwar Hebräisch ist und nicht selig, sondern „sein Andenken werde geehrt“ heißt, jedoch oft mit „selig“ verwechselt wird.

Für einen ausgebildeten Theologen hinterlässt Papst Franz ein mattes Bild, was wohl Tribut seines Alters ist oder Demut darstellen soll, auf die seine Katholiken hereinfallen wollen. Christen möchten davon ausgehen, von Muslimen respektiert zu werden. Muslime nehmen Christen nur dann ernst, wenn die Christen zum wahren Glauben konvertieren oder sie die Macht im Staate inne haben. Katholiken dürfen zum Islam konvertieren, weil Muslime annehmen, dass Katholiken die Bibel befolgen, welches gewisse Ähnlichkeiten mit dem Koran aufweist. Für Juden sind die Gedankengänge des Papstes lästig. Sie kennen bereits zum jetzigen Zeitpunkt die für Juden immer unangenehmen Konsequenzen.

Neben der Verbreitung von unseligen Irrtümern, beschließt Papst Franz, Leon Dehon, den im katholischen und jüdischen Sinn seligen Gründer der Ordensgemeinschaft der Herz-Jesu-Priester, heilig zu sprechen. Ein Vorgang, der Juden so kalt lässt wie die Neueröffnung einer Schweinemetzgerei. Dummerweise verlangt die Kirche von offiziellen Juden hierzu eine positive Stellungnahme, da Dehon von unbestechlichen Katholiken Antisemitismus unterstellt wird. Der zum Heiligsprechen befugte Papst Franz erkennt in Dehons Antisemitismus eine lässliche Sünde, die zur Lebenszeit des baldigen Heiligen zum guten Ton gehört hat (1843 – 1925).

Da der Antisemitismus auch in der Gegenwart und in jeder Zukunft zum guten Ton gehören wird, ist es den Juden gleichgültig, ob ein Antisemit mehr oder weniger heilig gesprochen wird. Konkurrieren doch im katholischen Jenseits, ob Himmel oder Hölle sei dahingestellt, die Antisemiten unter den Heiligen gegen die jüdischen Heiligen, was vermuten lässt, dass ein Heiliger ein Jude und gleichzeitig Antisemit sein kann. Der oberste lebende Jude Deutschlands versteht vom Judentum so wenig, dass er unfähig ist, diese delikate päpstliche Frage zu beantworten. Leider wird aus dem selben Grund ihn niemand daran hindern können, diesen faut pas zu begehen.

Wir wollen ihm deshalb zuvorkommen.

Folgende schriftlich fixierten Sätze entstammen Leon Dehons Feder, die seinen zeitgemäßen Antisemitismus belegen sollen:

Dehon bezeichnet den Talmud als Handbuch für Verbrecher. Der Talmud ist die bedeutendste Schrift im Judentum und wird bis heute in vielen jüdischen Schulen weltweit gelehrt und gelernt. Christen soll nach leidvoller jüdischer Auffassung der Zugang zum Talmud verwehrt werden, was auch jetzt verständlich wird. Desweitern behauptet Dehon, dass Antisemitismus ein Zeichen der Hoffnung ist. Den Vorwurf, dass Juden geldgierig sind, teilt der katholische Priester mit säkularen Antisemiten. Diese Judenhasstiraden sollen hier ausreichen. Der katholische Priester ist zu unbedeutend, um mehr Zeit zu vergeuden.

Wir wissen bereits, dass die Anschuldigung des Antisemitismus bei Dehon berechtigt ist, da selbst der Papst davon überzeugt ist. Die Frage bleibt, ob dieser lässliche Antisemitismus der unheiligen Zeit geschuldet ist, in der der bisher nur Selige unselig gelebt hat.

Jeder Antisemitismusforscher und –experte wird sofort feststellen, dass es sich bei den beiden ersten Antisemitismen in Wirklichkeit um Antijudaismen handelt, denn die heutigen Antisemiten sind derart ungebildet, dass sie nicht einmal wissen, was der Talmud ist. Leider muss man nicht ein studierter Theologe sein, um das Mysterium zu begreifen, dass der Antisemitismus ein Zeichen der Hoffnung ist; jeder Neo- und Altnazi weiß es instinktiv. Mit Ausnahme der hassbeladenen Antisemiten unter christlichen Priestern, Rechtsextremisten und Muslimen, besteht der heutige Antisemit darauf, ein geläuterter und weltoffener Antizionist zu sein. Christliche Priester können Antisemiten und Antizionisten sein.

Somit steht fest, dass der Antisemit und Priester Dehon (1843 – 1925) kein Kind seiner Zeit ist, sondern in seinem Antijudaismus der Zeit weit nachhinkt.

Bleibt der geldgierige Jude. Nun soll niemand bestreiten, dass es geldgierige Juden gibt. Jeder Jude kann auf Anhieb mindestens neun geldgierige Juden aufzählen, wenn er die Synagoge zum Beten aufsucht. Auch unter Kirchenfürsten in Hessen soll diese christliche Todsünde vorkommen. Reichtum ist im Judentum keine Sünde und keine Schande, eher eine Ehre. Ein geldgieriger Jude ist folglich kein schlimmer Frevler wie der geldgierige Christ. Der katholische Christ, dem seine Religion die Geldgier verbietet, beneidet den Juden, dem dessen Religion die Geldgier erlaubt. Der fromme Katholik neidet nur dann den Juden, wenn er den Juden als Konkurrenten ansieht, wenn er also selber geldgierig ist. Aus dem Vorwurf, Juden seine geldgierig, lässt sich schließen, dass der noch Selige bald Heilige zu Lebzeiten unselig, unheilig und geldgierig gewesen ist, was den katholischen Verdacht nahelegt, dass er tief in seinem Herzen ein Jude gewesen ist. Das bestärkt die zu Anfang aufgestellte These, dass ein bedeutender Teil der Heiligen der Katholischen Kirche Juden und Antisemiten sind.

Glücklicherweise sind die Heiliggesprochenen alle tot, sodass sie keinen weiteren Schaden anrichten. Papst Franz sollte alle Antisemiten heilig sprechen, damit diese sich um ihr sofortiges Ableben kümmern. Papst Franz sollte zusätzlich ex cathedra ein Dogma herausgeben, dass Heiligen verboten wird, antisemitische und antizionistische Resolutionen abzufassen.

Um ein Heiliger zu werden, muss der Tote irgendwelche Wunder bewirken. Ein Wunder wird katholisch anerkannt, wenn ein lebender Katholik in Not ist und zum zum Heiligenden betet, ihn aus seiner Not zu befreien, und das Resultat den bittenden Katholiken überzeugt. Hierbei handelt es sich um finanzielle, meist jedoch um gesundheitliche Belange. Betet ein Katholik um einen großen Lotto-Gewinn, so gilt das in der katholischen Kirche als unschicklich. Über Geld redet man nicht, man hat es! Außerdem liegt der Gedanke an Geldwäsche nahe. Genauso ist die Bitte eines Mafioso um einen gelungenen Mord indiskutabel, obwohl hier der zu Heiligsprechende richtig herausgefordert wird. Deshalb hat der Papst vor kurzem beschlossen, die Weiterleitung von Bittgebeten der Mafiosi an Heilige zu unterbrechen.

Es überwiegen somit die Bitten um Gesundheit.

Wenn jemand nach einem Gebet aus einer schweren Krebserkrankung gesund erwacht, so werden der einfache Katholik und die Katholische Kirche von einem Wunder ausgehen. Dabei ist es kein Wunder, sondern ein seltener medizinischer Verlauf. Es handelt sich deshalb bei den gewährten Bitten um Gesundheit nicht um Wunder, sondern um medizinisches Können, was nicht jeder Arzt, selbst wenn er Jude ist, besitzt. Somit gelten in der Katholische Kirche bereits blaue Flecken, die nach einem Sturz bei Trunkenheit nach Wochen ohne ärztlichen Eingriff von alleine verschwinden, als Wunder, die zur Seligsprechung ausreichen.

Fazit: Aus jüdischer Sicht ist Dehon ein kleiner mieser Antisemit, der geistig nicht aus seiner damaligen und heutigen antisemitischen Entourage herausragt. Es spricht nichts dagegen, ihn heilig zu sprechen.

 

Numeri 24 : 9 - Foto: von Österreichische Außenministerium [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

 

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Dienstag, 09 Juni 2015