Der antisemitische Krieg

Der antisemitische Krieg




von Dr. Nathan Warszawski

Am 11. September 2014, genau 13 Jahre nach den islamistischen Terroranschlägen in New York, hält der Israelfreund, Politikwissenschaftler und Publizist Dr. Matthias Küntzel in Aachen einen Vortrag über den islamistischen Antisemitismus. Die schlecht besuchte Veranstaltung findet im Haus der Evangelischen Kirche statt, am Sitz der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit GCJZ Aachen in Kooperation mit der Jüdischen Gemeinde Aachen JGA. GCJZ Aachen, JGA und die Deutsch-Israelische Gesellschaft DIG Aachen e.V. haben eifrig bis halbherzig und getrennt für die Veranstaltung geworben und ihre mehr oder weniger zahlreichen Mitglieder aufgefordert, daran teilzunehmen.

Seit mehreren Jahren sistiert die Zusammenarbeit zwischen der JGA/DIG und der GCJZ Aachens. Das Zerwürfnis beginnt mit einer einseitigen, Israel feindlichen Ausstellung in den Räumen des Hauses der Evangelischen Kirche. Dabei spielt die GJCZ eine unrühmliche Rolle. In der Folge veranstaltet die GCJZ Aachen weitere Events, die wegen ihrer Unerträglichkeit von Juden und Israelfreunden boykottiert werden.

Um die verfahrene Lage zu entspannen, lädt der kompromissbereite geschäftsführende Katholische Vorsitzende den Israelfreund Matthias Küntzel ein, seine Sicht im Konflikt im Nahen Osten zwischen Juden und Araber darzulegen. Nach Absprache mit der JGA findet das „Versöhnungsfest“ im Haus der GCJZ und nicht in der Jüdischen Gemeinde statt, um auch gemäßigten Israelkritikern der GCJZ die Teilnahme zu ermöglichen. Bekannten Judenhassern wird bereits aus Gründen der Sicherheit der Zutritt zur Jüdischen Gemeinde verwehrt.

Der kahle, große Vortragsraum wirkt mit drei Duzend Besuchern leer. Der Evangelische und der Jüdische Vorsitzende erscheinen nicht. Die meisten Anwesenden gehören dem gemäßigten Flügel der GCJZ an mit Überschneidungen zu pax christi und zum Aachener Friedenspreis AFP, die sich zu den Pazifisten zählen. Von der JGA sind zwei Vorstände und aus üblichem Desinteresse nur eine Handvoll jüdischer Gemeindemitglieder zugegen. Der erste Vorsitzende ist vorzeitig aus dem Ausland nach Aachen zurückgekehrt, wo er über die ganze Arbeitswoche hinweg seiner Beschäftigung nachgeht. Auch vereinzeltes Fußvolk der DIG ist zugegen, jedoch kein Mitglied aus der zahlreichen Vorstandschaft. Israel – you’ll sometimes walk alone.

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Der antisemitische Krieg
Posted on September 13, 2014 by anti3anti
Am 11. September 2014, genau 13 Jahre nach den islamistischen Terroranschlägen in New York, hält der Israelfreund, Politikwissenschaftler und Publizist Dr. Matthias Küntzel in Aachen einen Vortrag über den islamistischen Antisemitismus. Die schlecht besuchte Veranstaltung findet im Haus der Evangelischen Kirche statt, am Sitz der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit GCJZ Aachen in Kooperation mit der Jüdischen Gemeinde Aachen JGA. GCJZ Aachen, JGA und die Deutsch-Israelische Gesellschaft DIG Aachen e.V. haben eifrig bis halbherzig und getrennt für die Veranstaltung geworben und ihre mehr oder weniger zahlreichen Mitglieder aufgefordert, daran teilzunehmen.

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Seit mehreren Jahren sistiert die Zusammenarbeit zwischen der JGA/DIG und der GCJZ Aachens. Das Zerwürfnis beginnt mit einer einseitigen, Israel feindlichen Ausstellung in den Räumen des Hauses der Evangelischen Kirche. Dabei spielt die GJCZ eine unrühmliche Rolle. In der Folge veranstaltet die GCJZ Aachen weitere Events, die wegen ihrer Unerträglichkeit von Juden und Israelfreunden boykottiert werden.

Um die verfahrene Lage zu entspannen, lädt der kompromissbereite geschäftsführende Katholische Vorsitzende den Israelfreund Matthias Küntzel ein, seine Sicht im Konflikt im Nahen Osten zwischen Juden und Araber darzulegen. Nach Absprache mit der JGA findet das „Versöhnungsfest“ im Haus der GCJZ und nicht in der Jüdischen Gemeinde statt, um auch gemäßigten Israelkritikern der GCJZ die Teilnahme zu ermöglichen. Bekannten Judenhassern wird bereits aus Gründen der Sicherheit der Zutritt zur Jüdischen Gemeinde verwehrt.

Der kahle, große Vortragsraum wirkt mit drei Duzend Besuchern leer. Der Evangelische und der Jüdische Vorsitzende erscheinen nicht. Die meisten Anwesenden gehören dem gemäßigten Flügel der GCJZ an mit Überschneidungen zu pax christi und zum Aachener Friedenspreis AFP, die sich zu den Pazifisten zählen. Von der JGA sind zwei Vorstände und aus üblichem Desinteresse nur eine Handvoll jüdischer Gemeindemitglieder zugegen. Der erste Vorsitzende ist vorzeitig aus dem Ausland nach Aachen zurückgekehrt, wo er über die ganze Arbeitswoche hinweg seiner Beschäftigung nachgeht. Auch vereinzeltes Fußvolk der DIG ist zugegen, jedoch kein Mitglied aus der zahlreichen Vorstandschaft. Israel – you’ll sometimes walk alone.

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Matthias Küntzels Vortrag ist kurz und anregend, gefolgt von einer kontroversen und heftigen Diskussion, an die der Vortragende gewöhnt ist. Matthias Küntzel legt den Beginn des islamistischen antisemitischen Krieges auf 9/11. Die arabischen Terroristen haben New York für ihre Verbrechen ausgewählt, da für sie diese Stadt die Hauptstadt der Juden und Wolkenkratzer das Symbol des von Juden dominierten Kapitalismus ist. Bekennerschreiben werden geraume Zeit später in Hamburg gefunden, am Ort der von den deutschen Behörden unbemerkten Verbrechensvorbereitung. Da der darin vorhandene islamische Antisemitismus einwandfrei zu erkennen ist, beschließt die deutsche Regierung, die brisanten Papiere zum Schutz der in Deutschland lebenden Muslime der Öffentlichkeit vorzuenthalten, was nur kurzzeitig gelingt. Die Überwachung deutscher Behörden und Politiker durch die USA ist die bis heute logische Folge. Der Schutz der Juden ist der damaligen deutschen Regierung weniger wichtig. Vorsorglich wird von den Berliner universitären Antisemitismusforschern eine Task Force eingerichtet, die die deutsche Bevölkerung überzeugen wird, dass die heutigen Muslime die eigentlichen Juden sind.

Islamisten, seien es die Hamas im Gazastreifen, seien es der Islamische Staat IS in Assyrien, dem ehemaligen Syrien und Irak, führen einen Religionskrieg gegen alle Juden. Ihre Ideologie basiert auf den islamischen und den fortgeschrittenen christlichen Antisemitismus. Alle Antisemitismen betrachten den Juden als das Übel in der Welt, welcher vertilgt werden muss, damit die verbliebenen Menschen in Frieden, Wohlstand und Glück leben können. Der christliche Antisemitismus sieht im Juden einen mächtigen Feind, der den einzigen Sohn Gottes ermordet hat. Der faschistische (nationalsozialistische) Antisemitismus ist der Nachfolger des christlichen Antisemitismus, als der Einfluss der Kirche im Westen Europas schwindet. Der islamische Antisemitismus hingegen betrachtet die Juden nach ihrer erfolgreichen Vernichtung in Arabien durch den Propheten als schwache, feige Wesen, welche sich hinter Bäumen und Steinen verstecken, um dem gerechten Tod zu entrinnen. Der islamistische Antisemitismus, der neben dem islamischen Antisemitismus existiert, zieht die Ideologie des Judenhasses sowohl aus dem islamischen, als auch aus dem faschistischen (nationalsozialistischen) Antisemitismus. Der schwache und feige Jude beherrscht die Welt mit Börse und Kommunismus, ist schuld an beiden Weltkriegen und an der Französischen und Russischen Revolution, die die Menschheit durch die Entfremdung von Gott (Allah) vernichten wollen. Die vordringliche Aufgabe der Islamisten ist die gleiche wie die der Nationalsozialisten: die Ermordung aller Juden, damit danach alle Menschen im gottgefälligen Frieden, Wohlstand und Glück bis zum Jüngsten Tag leben können.

Der IS hat den direkten Kampf gegen Juden mit wenigen Ausnahmen (Brüssel) noch nicht aufgenommen, bereitet sich jedoch darauf vor, indem in Assyrien Schiiten, Christen, Kurden und Jesiden probeweise ermordet werden. Hamas ist da weiter. Vom Gazastreifen aus werden seit Jahren tausende „Sylvester- und Spielzeugraketen“ (lingua sinistra) ungezielt auf Israel abgefeuert, mit der Absicht, einen Juden zu töten. Schlägt Israel mit richtigen Waffen zurück, so werden arabische Kinder – niemals Kinder der Hamas-Kämpfer – vorgeschickt, damit ihr Tod Israel angelastet wird. Westliche Israel-, Judenkritiker, Antisemiten und Terrorversteher helfen willig der Halmas bei der weltweiten Verbreitung der perfiden Propaganda. Da für Islamisten das wahre Leben erst nach dem Tod beginnt, ist jeder von Juden Getötete ein Märtyrer und ein Sieger, auch wenn Hamas Israel unterliegt. Das islamistische Denken lässt den Frieden mit Juden nicht zu.

Plangemäß folgt nach der Eliminierung der Juden die weltweite Konversion aller Christen zum sunnitischen Islam. Heidnischen Nicht-Monotheisten und Schiiten ist diese Möglichkeit zur Rettung ihres Lebens verwehrt. Die Scharia-Polizei in Wuppertal ist ein winziges Beispiel für die Zukunft Deutschlands und Europas.

Auch wenn Islamisten und Nationalsozialisten in ihrer Kernforderung, der Vernichtung der Juden, übereinstimmen, können nur die Kriege der Islamisten als Religionskriege angesehen werden. Religiöse und religionsähnliche Symbole der deutschen Nationalsozialisten reichen nicht aus, einen Religionskrieg zu begründen.

Der Unterschied zwischen Muslimen und Islamisten wird nur kurz angerissen. Islamisten sind unter den Muslimen weltweit nur eine verschwindend kleine Minderheit. Ihre absolute Zahl übersteigert bei weitem die Anzahl der Juden. Nicht jeder Muslim, der die Scharia, das islamische Recht, über die Verfassung des Landes stellt, ist ein Islamist. Nicht jeder Islamist ist gewaltbereit. Muslime, die unter dem polizeilichen Schutz einer genehmigten Demonstration Juden beleidigen, gehören meist zu den normalen Muslimen, allerhöchstens zu den nicht-gewaltbereiten Islamisten.

Nach dem Vortrag hagelt es Vorwürfe aus den Reihen der moderaten Israel- und Judenkritikern in Richtung Vortragenden, die Matthias Küntzel gekonnt pariert. Manche Vorwürfe schrammen hart am Antisemitismus vorbei, die die anwesenden Juden vor Schreck verstummen lassen. Schließlich vernimmt man auch Zuspruch für den Vortragenden.

Der Schritt zur Aussöhnung zwischen JGA und GCJZ ist misslungen. Nach der Schoa kann kein Jude solche Vorwürfen gelassen über sich ergehen lassen, wie sie unter dem Schutz der GCJZ ausgesprochen werden. Ein ernsthafter regionaler Dialog mit weiteren am Konflikt beteiligten Religionen erscheint aussichtslos. Das auffällige Fehlen der gesamten Vorstandschaft der DIG Aachen e.V. deutet darauf hin, dass diese Freunde Israels unfähig sind, gemeinsam den Judenstaat verbal zu verteidigen, wenn sie gebraucht werden. Ein vorzeitiges Weggehen aus dem Saal ist dem Vorsitzenden der JGA verwehrt gewesen, da er Mitveranstalter ist. Sollte er wegen seiner Beteiligung an der Organisation des Treffens angegangen werden, so wird ihm wie üblich nichts anderes übrig bleiben, als die Schuld auf seinem persönlichen Schlappen-Schammes abzuladen, der momentan auf Geheiß des Vorsitzenden der JGA den Sitz des Jüdischen Vorsitzenden der GCJZ ausfüllen muss.

 

Veröffentlicht u.a. im Freitag und in der Huffington Post.

 

Numeri 24 : 9

 

Dr. Nathan Warszawski bei haOlam.de (Auswahl):


Mittwoch, 01 Oktober 2014