Nakba? Flucht mit und ohne Vertreibung

Nakba?

Flucht mit und ohne Vertreibung




von Dr. Nathan Warszawski

Kriege bedingen Grenzveränderungen, nicht nur im Mittelalter, auch heute. Grenzveränderungen bedingen Flucht, die bei Unwilligen mit Vertreibung verbunden ist.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges flohen in Mitteleuropa Millionen von Menschen von Ost nach West, meist Polen und Deutsche. Die Sieger des Weltkrieges hatten neue Grenzen gezogen, weshalb Millionen von Polen und Deutschen ihre alte Heimat, die nun für sie Ausland war, verließen, um in die neue polnische oder deutsche Heimat zu ziehen, welche nach dem Zweiten Weltkrieg weiter westlich lagen.

Die Siegermächte erwarteten, dass die Vertriebenen und Flüchtlinge in ihre neuen Heimat integriert wurden. Deutschland zahlte den Vertriebenen sogar eine Entschädigung. Die Flüchtlinge erhielten die neue Staatsangehörigkeit, ein Dach über dem Kopf, eine bezahlte Arbeitsstelle und alle bürgerlichen Rechte, die der Staat all seinen Bürger gewährte. Es gab zu Anfang persönliche Benachteiligungen, wenn ein Flüchtling(skind) eine gut situierte Einheimische ehelichen wollte. Letztendlich gelang es, die Flüchtlinge heimisch werden zu lassen. Die Erinnerungen verblassten, dass sie einst ihre Heimat verlassen mussten.

Anfänglich halfen die USA tatkräftig finanziell mit. Die Investition hatte sich gelohnt. Mit wenigen Ausnahmen wurde Europa nach zwei Weltkriegen ein Hort des Friedens. Denn die integrierten Flüchtlinge und alle ihre Nachkommen wussten und akzeptierten, dass sie niemals mehr in ihrer alten Heimat leben würden. Es gab weder in Deutschland, noch in Polen einen staatlich unterstützen Revisionismus zu den früheren Grenzen. Es gab keine Aufrufe zu einem erneuten Krieg, um das Unrecht zu sühnen.

Kein Mensch kennt die Zukunft. Es hätte auch anders kommen können. Dann wären die heutigen Staaten Europas rückständig, arm und korrupt und würden sich ständig bekriegen – wie im Mittleren Osten.

Nachdem die Vereinten Nationen die Unabhängigkeit eines Jüdischen Staates in Palästina beschlossen hatten, wurde 1948 der Staat Israel ausgerufen. Noch in derselben Nacht erklärten mehrere arabische Staaten Israel den Krieg und marschierten in Palästina ein. Der Krieg sollte sich über ein Jahr hinziehen. Die arabischen Staaten erreichten ihr Ziel nicht, Israel zu vernichten. Im Gegenteil: Israel machte einige Gebietsgewinne, die von den UN vorgeschlagenen Grenzen wurden zu Gunsten des Siegers modifiziert, die die Waffenstillstandslinien abbildeten.

Während des Israelischen Unabhängigkeitskrieges, den die Araber „Nakba“, die Katastrophe, nannten, flohen Tausende von Arabern aus Israel in den Gazastreifen, in die Westbank, nach Transjordanien, dem heutigen Jordanien, in den Libanon und nach Syrien. Palästinensische Juden flohen vom Gazastreifen und der Westbank nach Israel. Zusätzlich wurden Juden aus arabischen Ländern vertrieben, die mit Israel Krieg geführt oder den Krieg unterstützt hatten. Die Zahl der Einwohner wuchs: Israel nahm mehr jüdische Flüchtlinge auf als arabische Flüchtlinge Israel verließen. Die UNO hatte neue Grenzen festgelegt, worauf 100.000e von Juden und Araber ihre alte Heimat, die nun Ausland für sie war, verließen, um in die neue Heimat zu ziehen.

Wie Deutschland und Polen tat Israel alles, damit die Neueinwanderer in ihrer neuen Heimat integriert wurden. Die jüdischen Flüchtlinge erhielten die neue Staatsangehörigkeit, ein Dach über dem Kopf, eine bezahlte Arbeitsstelle und alle bürgerlichen Rechte, die der demokratische Staat Israel all seinen Bürger gewährte. Es gab zu Anfang persönliche Benachteiligungen, wenn ein Neueinwanderer eine gut situierte Einheimische ehelichen wollte. Letztendlich gelang es, die Flüchtlinge heimisch werden zu lassen. Die Erinnerungen verblassten, dass sie einst ihre Heimat verlassen mussten.

Auf arabischer Seite geschah nichts derartiges. Die arabischen Flüchtlinge wurden in ihre neuen Heimat nicht integriert. Die arabischen Flüchtlinge erhielten außer von Jordanien keine neue Staatsangehörigkeit, wurden staatenlos. Nach Jahren sollte Jordanien einem Teil der arabischen Flüchtlingen und ihren Nachkommen die jordanische Staatsangehörigkeit wieder entziehen. Die arabischen Flüchtlinge wurden in Flüchtlingslager eingepfercht – sogar im arabischen Teil Palästinas – die sie nicht ohne Erlaubnis verlassen durften. Die arabischen Flüchtlinge erhielten keine Arbeitserlaubnis und selbstredend keinerlei bürgerlichen Rechte, die die despotischen Herrscher ihren übrigen Bürgern in eingeschränkter Form gewährten. Die Heirat zwischen einem arabischen Flüchtling und einem Einheimischen wurde untersagt. Geschah die Verbindung dennoch, so verlor der Einheimische seine Staatsangehörigkeit und somit jegliche Rechte. Letztendlich gelang es, die Flüchtlinge über mehrere Generationen bis heute nicht heimisch werden zu lassen. Ihre Kinder, Enkel, Urenkel und Ururenkel vergaßen nicht, dass ihre Vorfahren einst ihre Heimat verlassen mussten, denn sie sehnten sich danach, wie Menschen behandelt zu werden.

Die Integration der Juden in die israelische Gesellschaft erfolgte mit finanzieller Hilfe ausländischer jüdischen Organisationen. Die arabischen Flüchtlinge Palästinas und ihre Nachkommen wurden und werden bis heute von der eigens dafür gegründeten UN-Flüchtlingshilfe für arabische Palästinenser mit einigen Millionen $$ jährlich versorgt, was zu einer Perpetuierung des Flüchtlingsein geführt und gleichzeitig die Korruption stark gefördert hat.

65 Jahre nach Ende des Israelischen Unabhängigkeitskrieges ist der Mittlere Osten ein Unruhegebiet geblieben, in dem in den letzten 65 Jahren ständig Krieg geführt worden ist. Ein Friede ist nicht in Sicht. Den nicht-integrierten Flüchtlingen und alle ihre Nachkommen wird von arabischen Staaten pausenlos eingeredet, dass sie niemals Bewohner ihrer neuen Heimat werden würden, dass ihr Heil in der Rückkehr nach dem untergegangenen Palästina liegt. In allen arabischen Staaten gibt es einen staatlichen Revisionismus zu den früheren Grenzen. Es gibt Aufrufe zu erneuten Kriegen gegen Israel, um das von den arabischen Staaten angehäufte Unrecht zu sühnen.

Nicht alle Araber sind während des Unabhängigkeitskrieg aus Israel geflüchtet. Viele Araber haben auf Seiten der Juden gekämpft. Heute sind 20% der Israelis Araber, mit seit Jahrzehnten stetig steigender Tendenz. Mit Ausnahme von Marokko gibt es in keinem arabischen Land eine jüdische Gemeinschaft, die diesen Namen verdient. Doch auch in Marokko sinkt die Zahl der Juden kontinuierlich. In den Nachbarländern Israels, Ägypten, Gazastreifen, Jordanien, Syrien und Libanon gibt es keine Juden mehr. Lediglich in der vom israelischen Militär kontrollierten Teil der Westbank haben sich seit 1967 einige Tausend Juden in ihrer biblischen Heimat niedergelassen, was ihnen von den Palästinensern und der ganzen zivilisierten und unzivilisierten Welt verboten wird. In Europa und Deutschland müssen Waren, die von Juden in der Westbank erzeugt werden, selbst wenn ein jüdischer Fabrikant 1000 Arabern beschäftigt, gesondert gekennzeichnet sein, was nicht einmal die Nationalsozialisten verlangt haben. An dieser modernen Selektion haben sich Neonazis, Linke, Grüne und Pseudopazifisten besonders hervorgetan.

Nur im Nachhinein ist die Zukunft erkennbar. Wenn Deutschland und Polen die deutschen und polnischen Flüchtlingen genauso behandelt hätten wie die meisten arabischen Staaten die arabischen Flüchtlingen, dann würden im Herzen Europas heute ähnliche Zustände herrschen wie in Syrien, im Libanon, in Ägypten oder in Nordirland und im Kosovo. Der Friede im Mittleren Osten ist keine Utopie, wenn die Menschen die Realität anerkennen und dem Revisionismus abschwören. Der tief verwurzelte Antisemitismus Europas verewigt das Leid der arabischen Flüchtlinge seit nunmehr fünf Generationen. Im Namen einer falschen Gerechtigkeit, in Wirklichkeit, um Juden zu schaden, erzeugt das zivilisierte Abendland im Mittleren Osten einen Krieg nach dem anderen, riskiert sogar einen nuklearen Weltkrieg und seinen eigenen Untergang.

Kein Mensch kennt die Zukunft. Es hätte auch anders kommen können.

 

Die Achse des Guten - Foto:

 

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Sonntag, 22 Dezember 2013